Kaffe trinken und Kuchen essen mit Mundschutz? Das muss nicht sein, doch seit Montag gilt in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr Schutzmaskenpflicht.
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Kaffe trinken und Kuchen essen mit Mundschutz? Das muss nicht sein, doch seit Montag gilt in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr Schutzmaskenpflicht.

Zahnärztin gibt Tipps

Wetterauer Zahnärztin gibt Tipps: Gesund im Mund - nicht nur in der Corona-Krise wichtig

  • Frauke Ahlers
    vonFrauke Ahlers
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Ansteckung über die Schleimhäute, Mundschutz tragen, Hygieneregeln beachten - davon ist jetzt viel die Rede. Die Rödgener Zahnärztin Dr. Rhena Butros im Interview zum Thema Mundgesundheit.

Frau Dr. Butros, Ihr Leitspruch ist: Gesund beginnt im Mund. Warum?

»Gesund beginnt im Mund - Krankheit aber leider auch« besitzt gerade traurige Aktualität. Der Mundraum ist nicht nur im übergeordneten Sinne Türöffner und Tor zur Seele, er ist auch Eingangspforte für Mikroorganismen - Bakterien und Viren. Der Mund erfüllt seine Funktionen nicht nur über das Kauen, Schlucken und Sprechen, er ist auch Atemhilfsorgan. Normalerweise ist die Nase für das Atmen zuständig. Mundatmung sollte nur ausnahmsweise erfolgen, zum Beispiel beim Sport, wenn größere Mengen Sauerstoff benötigt werden oder bei Infekten, wenn die Nasenschleimhäute angeschwollen sind. Gewohnheitsmäßige Mundatmung jedoch trocknet die Schleimhäute aus. Das erhöht die Infektionsgefahr. Des Weiteren wissen wir aus der traditionellen chinesischen Medizin, dass alle zwölf Leitbahnen - besser bekannt als Meridiane -- mit dem Mund und den Zähnen verbunden sind. Die Lungenleitbahn beispielsweise ist den oberen kleinen Seitenzähnen, den Prämolaren, und den hinteren Backenzähnen, den Molaren, zugeordnet mit Bezug zur Nase, den Nasennebenhöhlen und Bronchien. Das dazugehörige Yang-Organ ist der Dickdarm, der für das Immunsystem eine große Rolle spielt.

Weshalb ist Mundgesundheit gerade jetzt, in Zeiten von Corona, so wichtig?

Nun ja, lapidar gesagt, ist es durchaus möglich, Flöhe und Läuse zu haben. Das Sars-CoV-2 ist ein hochansteckendes Virus, das schwere Lungenerkrankungen verursachen kann. Wer möchte da noch zusätzlich Zahnschmerzen oder andere Entzündungen im Mundraum haben? Wenn eine virale Erkrankung noch durch eine bakterielle Entzündung überlagert wird, dann spricht man von einer Superinfektion. Jedes geschwächte Gewebe, trockene, wunde oder entzündete Schleimhäute zum Beispiel, erleichtert nachfolgenden Keimen und auch Pilzen das Eindringen in den Körper. So wird die normale Schutzfunktion der Schleimhäute, die Infektabwehr, lahmgelegt. Aber das ist nur ein Aspekt von vielen.

Wie kann ich selbst umfassend für Mundgesundheit sorgen?

Jeder Mensch sollte seinen Mundraum grundsätzlich in Ordnung halten. Dazu gehört in erster Linie eine entsprechende Pflege. Adäquate Mundhygiene ist weitaus mehr, als normales Zähneputzen.

Wie sieht diese Mundhygiene denn aus?

Von den vielen Zahnpasten auf dem Markt empfehle ich gerne eine Zeoltith, vulkangesteinhaltige Naturzahncreme, die über den Reinigungseffekt hinaus Schadstoffe bindet. Zeolith kann man auch lutschen als Tablette oder als Pulver mit Wasser angemischt gurgeln. Aus der Naturheilkunde kennen wir das morgendliche Ölziehen: Am einfachsten ist es, einen Esslöffel neutrales biologisches Öl - Sesam-, Kokos- oder anderes - nach dem Aufstehen für einige Minuten im Mund hin und her zu bewegen, dann in ein Papiertuch ausspucken und die Zunge mit einem Schaber reinigen. Zusätzlich können ein, zwei Tropfen ätherische Öle wie Nelke, Rosmarin, Eukalyptus, Grüne Minze, Vetiver, Grapefruit, Zimt die Wirkung verstärken. Am Abend vor dem Schlafengehen und nach dem Zähneputzen ist es sinnvoll, ein Mund-Probiotikum einzunehmen, um das mikrobielle Mundmilieu ins Gleichgewicht zu bringen. Gesunde biologische Ernährung versteht sich von selbst. Ihr Zahnarzt berät Sie gerne zu der für Sie passenden Pflege.

Inwiefern kann ein Zahnarztbesuch noch zur Mundgesundheit beitragen, auch wenn im Mundraum aktuell gerade nichts zu behandeln ist?

Der regelmäßige Zahnarztbesuch ist immer sinnvoll. Der Zahnarzt sieht kleinste Entzündungen, die Ihnen noch gar nicht aufgefallen sind, und kann entsprechend aufklären und gegebenenfalls therapieren. Ein Auto bringt man auch regelmäßig zur Inspektion und nicht erst, wenn die Bremsbeläge schon komplett abgenutzt sind.

Seit Montag gilt eine Mundschutz-Pflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr in Hessen. Was halten Sie davon?

Ich halte mich an die Empfehlungen der führenden Virologen. Der Mundschutz schützt unser Gegenüber vor uns, wenn wir zum Beispiel symptomlos infiziert sind. Hier ist die Ansteckungsgefahr am größten. Wenn alle einen Mundschutz tragen würden, könnte die Übertragung deutlich eingedämmt werden, besonders in öffentlichen geschlossenen Räumen. Außerdem ist der Effekt, dass man sich ständig an Mund, Nase und ins Gesicht greift, deutlich reduziert. Das beugt einer Kontaktinfektion für sich selbst und andere vor. Schwierig wird es im Sommer, wenn es heiß wird.

Reicht ein selbst gefertigter Mundschutz aus?

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Die professionellen Masken sollten dem medizinischen Personal überlassen werden. Selbst gefertigt, ist besser als nichts. Wichtig hierbei ist, den Mundschutz korrekt zu tragen, nur von einer Seite, nicht mit anderen Familienmitgliedern zu teilen und jeden Abend bei mindestens 60 Grad zu waschen. Man sollte also mindestens zwei Stück besitzen.

Was kann ich tun, wenn ich mit Sars-CoV-2 infiziert bin, verdächtige Symptome wie Husten, Fieber, Halsschmerzen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Kurzatmigkeit, oder Ähnliches habe oder mit erkrankten Personen Kontakt hatte und eine zahnärztliche Behandlung benötige?

Für diese Fälle mit unaufschiebbaren Behandlungen und Notfallpatienten stehen von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen (KZVH) eingerichtete zahnärztliche Schwerpunktpraxen zur Verfügung. Diese werden über das Vorliegen eines Risikofalls mit unaufschiebbarem Behandlungsbedarf informiert. Ihre Zahnarztpraxis, mit der Sie bitte nur telefonisch Kontakt aufnehmen, wird Sie dorthin überweisen. Grundsätzlich denke ich, wenn wir uns alle an die Regeln - Händehygiene, kein Handschütteln, Husten- und Nieß-Etikette, allgemeinen Hygiene, Abstand - halten, ist es möglich, mit dem Virus zu leben oder es gar zu überwinden. Ärgerlich und widerlich finde ich es, wenn Männer immer noch auf die Straße spucken. Prinzipiell freue ich mich aber über die neue Solidarität und Sensibilität unter den Menschen, die Freundlichkeit und Rücksichtnahme. Vielen Dank dafür!

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