Drei Frauen in einem Restaurant.
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Gastronomin Carmela Iannuzzi aus Friedberg, hier mit ihrem Gast Ursula Becker-Pieh, könnte noch ein paar Tische mehr im Freien gebrauchen.

Lockerungen für Gastronomie

Wetterauer und Auswärtige strömen in die Gaststätten – aber viele wollen nicht drinnen sitzen

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Seit Restaurants und Cafés im Wetteraukreis wieder öffnen dürfen, sind Gäste und Wirte glücklich. Von ein paar Problemen berichten Gastronomen dann aber doch.

Wetteraukreis – Sonntagmittag, die Sonne scheint. Benjamin Pizarro sitzt mit seiner Mutter im Restaurant »Ducky’s« in der Bad Nauheimer Ludwigstraße und studiert die Speisekarte. »Es ist toll, dass die Gastronomie wieder aufmachen kann. Das hilft der Branche hoffentlich, sich schnell zu erholen. Und uns hilft es, dass es sich alles wieder besser und normaler anfühlt«, erklärt er. Der Nieder-Mörler kann sich gar nicht mehr erinnern, wann er das letzte Mal essen war: »Lang, lang ist’s her.« Inhaberin Nicole Duckworth nimmt die Bestellungen auf, glücklich, die Gäste wieder persönlich zu begrüßen. »Wir haben eine gute Resonanz. Das Wetter spielt mit und wir sind froh, in der Wetterau so gute Inzidenzzahlen zu haben«, strahlt sie. Auf der Terrasse des »Ducky’s« müssen die Gäste keinen Test vorweisen, es bestehen aber die üblichen Abstands- und Maskenregeln. Wer drinnen essen will, muss ein negatives Testergebnis oder den Impfnachweis vorzeigen, »aber das funktioniert gut«, schildert Duckworth. Es gibt auch die Möglichkeit, den Schnelltest vor Ort zu machen. »Wir haben drinnen ein bisschen was abgesperrt, wo die Leute in Ruhe stehen und wir zugucken können, um sicherzugehen.« Sie und ihr Mann sind sehr erleichtert über die Lockerungen: »Es war jetzt schon wichtig, dass der Lockdown irgendwann vorbei ist.«

Auch Gäste aus anderen Landkreisen gehen in der Wetterau essen

Wie sich am Sonntag auf dem Weg durch die Stadt zeigt, sind außengastronomische Angebote sehr gefragt. Vor den Lokalen ist es voll, der Abstand zwischen den Tischen ist nicht überall gewahrt, aber bei den meisten. So auch im Ristorante »La Toscana«. Wie Salvatore Barchetta erzählt, hatte der Familienbetrieb in der oberen Stresemannstraße seit vorletzter Woche Montag zunächst den Außenbereich wieder geöffnet. Besonders in den ersten Tagen sei der Ansturm enorm gewesen. Die Gäste nähmen das Angebot gut an, seien froh, wieder essen zu gehen und die Geselligkeit zu genießen.

»Am Freitag hatten wir dann auch den Innenbereich geöffnet - mit Auflagen.« Dort gilt das, was Barchetta gern die »3 G-Regel« nennt: »Geimpft, genesen oder getestet.« Im Außenbereich besteht aktuell nur die Abstands- und Sitzplatzpflicht. »Und auf dem Weg zur Toilette muss man die Maske anziehen«, fügt Barchetta hinzu. Zudem müssen sich die Gäste in eine Liste eintragen. Wie dem Gastronomen aufgefallen ist, hatte er am Wochenende auch vermehrt Besucher aus anderen Kreisen, in denen die Außengastronomie noch nicht wieder offen hat.

Drinnen wollen Gäste in der Wetterau ungern essen: Wegen der Testpflicht

An verschiedenen Stellen des Café Müller in Bad Nauheim hängen Desinfektionsspender, Inhaberin Susanne Grimmel ist ebenfalls sehr froh. »Seit dem 17. Mai haben wir wieder draußen und seit dem 21. Mai drin geöffnet«, erläutert sie. Wer sich ins Innere setzt, braucht einen Test oder muss doppelt geimpft, beziehungsweise genesen sein. Für die Tische draußen gilt das nicht. »Das Angebot wird sehr gut angenommen. Die Leute sind heiß drauf, wieder auszugehen, ins Café zu gehen«, freut sich Grimmel. Alle seien glücklich, ob Mitarbeiter oder Kunden.

Noch nicht hundertprozentig zufrieden ist Carmela Iannuzzi (Da Carmela, Friedberg), denn sie hat nur Platz für drei Tische im Freien. »Drinnen wollen die Leute aber nicht so gerne sitzen, weil sie keinen Test machen möchten oder noch nicht vollständig geimpft sind. Alle wollen raus.« Ein weiteres Problem sei es momentan, Personal zu bekommen. »Ich suche jemanden für die Küche, aber ich finde niemanden«, berichtet sie.

Gastronomie sucht auch in der Wetterau wieder Personal

Zu ihren Gästen am Montagmittag gehören Ursula Becker-Pieh und ihr Mann. Das Paar aus Bad Nauheim ist zum ersten Mal essen, seit die Restaurants wieder offen haben. Sie sitzen an einem der Tische vor Carmelas Lokal, Becker-Pieh lächelt: »Ich lasse einfach die Sonne in mein Gesicht scheinen und genieße es voll und ganz.«

Laut einem Bericht der Tagesschau beklagt die Gastronomie derzeit einen Mangel an Personal. So hätten sich viele Arbeitskräfte während der langen Schließzeiten Jobs in anderen Branchen gesucht, beispielsweise im Lebensmittel-Einzelhandel, der in der Krise boomte. Während des Lockdowns versuchten demnach Einzelhandelsketten, gezielt Arbeitskräfte abzuwerben. Besonders umstritten war die Initiative »Bar war gestern« von Lidl, die Mitarbeiter von Bars gewinnen wollten. Lidl löschte die Kampagne nach einem Tag aufgrund der Kritik und entschuldigte sich. Personal aus der Gastronomie soll aber auch in Drogeriemärkte und Testcenter gewechselt haben.

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