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Dass die Bewohner geimpft sind, freut das Team des Diakoniewerks Elisabethhaus (v. l.): Marion Gerland, Aleyna Kipper, Ulrike Brauburger, Stefan Fuchs, Sarah Kruschel, Roswitha Winkel-Sattler und Marco Winkel.

Schwere Pandemie-Zeiten

Seniorenheime in Friedberg und Bad Nauheim ziehen Zwischenbilanz: „Müssen aufpassen“

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Langsam kehrt in den Seniorenheimen Sankt Bardo in Friedberg und Diakoniewerk Elisabethhaus in Bad Nauheim wieder normales Leben ein. Für die Leiter ist das Thema Corona nicht vorbei.

Wetteraukreis – Zwei Bundeswehrsoldaten stehen hinter den Glastüren des Haupteingangs des Seniorenheims Sankt Bardo in Friedberg, um Besuchern die Schnelltests in der Corona-Krise abzunehmen. Ein Hausarzt sitzt verärgert vor dem Seniorenheim. »Jetzt muss ich in der Kälte warten«, schimpft er. Als Einrichtungsleiter Wigbert Dönni fürs WZ-Foto herauskommt, spricht ihn der Mediziner an, denn in anderen Pflegeheimen sei ihm das noch nicht passiert. »Ich habe noch andere Patienten und muss weiter«, sagt der Arzt. Dönni kontert: »Wir sind dazu verpflichtet!«

Sankt Bardo sei eines der wenigen Häuser in der Wetterau, die coronafrei geblieben seien. »Dementsprechend ist auch niemand an Covid-19 gestorben«, fügt der 59-Jährige hinzu. Lediglich eine Bewohnerin habe sich das Virus außerhalb geholt, was das Haus bei der Rückkehr per Schnelltest aber sofort festgestellt habe. Zu einer Ausbreitung sei es daher nicht gekommen, weil alle Sicherungsschritte gegriffen hätten. »Mittlerweile ist ja vorgeschrieben, dass sich jeder Mitarbeiter zweimal pro Woche vor Dienstantritt einem POC-Schnelltest unterzieht«, sagt Dönni. Das Haus habe von Beginn an mehr gemacht als vorgeschrieben sei. »Wir wollten uns nicht vorwerfen lassen, irgendetwas ausgelassen zu haben, das wir beeinflussen können.«

Wetterauer Seniorenheim blickt in die Zukunft: Mahnung zur Vorsicht

Die Bewohner seien weitgehend alle geimpft, »fast alle wollten«. Ein mobiles Impf-Team sei gekommen. Die erste Impfung war Anfang Januar, 21 Tage später folgte die zweite. Die Mitarbeiter seien alle mit geimpft worden.

Wie blickt das Haus nach vorne? Dönni: »Ich hoffe, dass nicht noch eine dritte Welle in Form einer Mutation auf uns zugerollt kommt. Und, dass die Impfungen auch gegen die Mutationen wirken oder zumindest einen heftigen Ausbruch vermeiden.« Zu hoffen sei, dass das Impfen in Deutschland vorangehe, und zwar flächendeckend, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Dönni kritisiert, dass erst drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig geimpft worden seien. Andere Länder seien wesentlich weiter als die Bundesrepublik. Er appelliert an jeden, sich impfen zu lassen, der die Möglichkeit dazu bekomme. Sankt Bardo habe Bewohner, die fast 100 Jahre alt seien und den Piks locker wegsteckten.

Wetteraukreis: Seniorenheim in Bad Nauheim hat viel Geld ausgegeben

In Bad Nauheim kommt Stefan Fuchs mit seinem Team fürs Foto ebenfalls nach draußen, denn auch dort wäre sonst ein Schnelltest erforderlich. Der Einrichtungsleiter des Diakoniewerks Elisabethhaus sagt: »Wir schauen mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.« Auf der einen Seite sei er optimistisch: Die Bewohner seien geimpft, weshalb die Einrichtung in kleinen Schritten zur Normalität zurückkönne. »Wir müssen aber aufpassen, dass dies nicht zu schnell geht, damit Corona nicht zurückkommt«, erklärt der 55-Jährige.

Das Diakoniewerk Elisabethhaus habe keinen Ausbruch gehabt, »da hatten wir Glück«. Ausnahme seien zwei Bewohnerinnen gewesen, die sich außerhalb infiziert hätten, aber dies sei sofort bemerkt und unter Kontrolle gehalten worden. Fuchs: »Wenn ein Besucher oder Mitarbeiter sich nicht an Regeln gehalten hätte, dann hätte sich jemand infizieren können. Aber alle haben sich an die Regeln gehalten. Nur gemeinsam mit allen können wir die Corona-Krise bewältigen.«

Seniorenheim im Wetteraukreis: FFP2-Maske weiterhin Pflicht

Das Personal habe frühzeitig hochwertige FFP2-Masken getragen. »Um sicherzugehen, haben wir die teuren Masken gekauft«, sagt Fuchs. Diese seien Anfang 2020 noch preiswert gewesen, im Sommer habe die Einrichtung aber einen großen Schwung zu extrem hohen Preisen gekauft. »Da haben die Politik und die Landesregierung komplett versagt. Wir mussten uns das auf dem Markt besorgen. Da gab es kein Kontingent von Land oder Bund - wir in den Altenpflegeeinrichtungen waren verlassen. Auf Kreisebene wurden immer sehr pragmatische Lösungen gefunden. Da war die Zusammenarbeit hervorragend, und es gab immer Ansprechpartner bei Problemen. Aber auf der nächsten Stufe gab es keinen Support.« Eins habe die Pandemie aber bewirkt: Das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Bewohnern und Mitarbeitern sei gestärkt worden.

Zwei Besuche pro Woche darf ein Bewohner oder eine Bewohnerin in den Einrichtungen Sankt Bardo in Friedberg und Diakoniewerk Elisabethhaus in Bad Nauheim empfangen. Das entspricht den pandemiebedingten Vorgaben des Landes und gilt für alle hessischen Altenheime. Besucher müssen FFP2-Masken tragen; vorgeschrieben ist auch, ihnen am Einlass einen Schnelltest abzunehmen. (Petra Ihm-Fahle)

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