Obwohl die Johanneskirche von zwei Baukörpern eingerahmt werden soll, muss der Blick auf das Gotteshaus so weit wie möglich erhalten bleiben. Aufgrund dieser Forderung des Denkmalschutzes muss die Planung für das stationäre Hospiz überarbeitet werden.
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Obwohl die Johanneskirche von zwei Baukörpern eingerahmt werden soll, muss der Blick auf das Gotteshaus so weit wie möglich erhalten bleiben. Aufgrund dieser Forderung des Denkmalschutzes muss die Planung für das stationäre Hospiz überarbeitet werden.

Denkmalschutz-Forderung

Stationäres Hospiz in Bad Nauheim: Zeitplan gerät ins Wanken

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Soll eine historische Kirche von Anbauten eingerahmt werden, sind Probleme programmiert. Forderungen der Denkmalschützer zum geplanten Hospiz in Bad Nauheim sind daher keine Überraschung.

Bad Nauheim – Stationäre Hospize, die schwerstkranken Menschen ein würdiges Sterben ermöglichen sollen, haben sich in Deutschland längst durchgesetzt. In der Wetterau fehlt eine solche Anlaufstelle nach wie vor, ein konkreter Versuch, ein Hospiz in Bad Nauheim zu errichten, ist in den letzten Jahrzehnten gescheitert. Seit zwei Jahren ist das Thema wieder auf der Tagesordnung: Die von der evangelischen Gemeinde Bad Nauheim nicht mehr benötigte Johanneskirche soll für diesen Zweck genutzt und mit zwei Anbauten versehen werden. Doch der Zeitplan ist bereits ins Wanken geraten.

Wetterauer Hospiz in Bad Nauheim gilt seit Jahren als gewagt

Die architektonischen Pläne für das stationäre Hospiz wurden von manchen Politikern hinter vorgehaltener Hand von Anfang an als gewagt bezeichnet. Weniger wegen des Widerstands mancher Anwohner, sondern aus Denkmalschutzgründen. Die 1899 errichtete Johanneskirche an der Ecke Mondorfstraße/Auguste-Viktoria-Straße im Osten und Süden mit zwei zweigeschossigen Baukörpern einzurahmen, ist gewöhnungsbedürftig. Zumal der Neubau auf der einen Seite 20, auf der andern gut 30 Meter lang werden soll, um zusätzliche Nutzfläche von gut 1100 Quadratmetern zu schaffen. Ursprünglich war vorgesehen, dort zwölf Patientenzimmer sowie Platz für Gäste und Pflegepersonal zu schaffen. Die Kirche selbst sollte die Gemeinschaftsräume des Hospizes aufnehmen. Die Parkplätze vor der Kirche entfallen zum Teil, der Rest wird für das Hospiz reserviert.

Das Konzept ist bereits einige Jahre alt. Wie Bürgermeister Klaus Kreß bestätigt, kann es wohl nicht eins zu eins umgesetzt werden. Vorstellungen der Denkmalschutzbehörden machten eine Reduzierung auf zehn Patientenzimmer notwendig. »Dieses wichtige Projekt für die Region wird nicht an der Bettenzahl scheitern. Die Pläne sind so gut wie fertig, das Hospiz wird kommen«, ist Kreß überzeugt.

Wetterauer Hospiz in Bad Nauheim: Baubeginn vermutlich erst 2022

Karlheinz Hilgert, Geschäftsführer der als Hospiz-Bauherr und -Betreiber vorgesehenen Gesellschaft für diakonische Einrichtungen (GfdE), nennt Details. Der Anbau würde den Blick auf Teile des Kirchengebäudes verdecken. Das bemängele der Denkmalschutz. Ein bestimmter Bereich der neuen Gebäude müsse transparent gestaltet werden, um das Problem zu lösen. Dadurch entfielen zwei Zimmer.

»Zehn Patientenräume sind allerdings das Minimum, um ein stationäres Hospiz vernünftig betreiben zu können«, sagt Hilgert. Zudem benötige die GfdE als Bauherr von den beteiligten Behörden absolute Klarheit, die Planung auch umsetzen zu können, die Baugenehmigung allein reiche nicht aus. »Müssen wir etwa durch eine Klage von Nachbarn einen Baustopp befürchten, können wir nicht anfangen«, betont der Geschäftsführer.

Auch Hilgert bleibt allerdings optimistisch, letztlich alle Klippen umschiffen zu können. Der grob skizzierte Zeitplan wird sich nicht halten lassen. Die größten Optimisten hatten mit einem Startschuss im Jahr 2020 gerechnet. Bürgermeister Kreß geht von einem Auftakt im laufenden Jahr aus, während Hilgert vorsichtiger ist: »Ein Baubeginn wird 2021 wohl nicht mehr möglich sein.« Das liege nicht nur an den geänderten Planungsvorgaben, sondern auch am Coronavirus, das viele Prozesse verzögere.

Wetterauer Hospiz in Bad Nauheim: Förderverein gut aufgestellt

Auf einem guten Weg ist der Förderverein Hospiz Wetterau. Seine Aufgabe ist es, Jahr für Jahr 5 Prozent der künftigen Betriebskosten aufzubringen, den Rest übernehmen die Krankenkassen. »Würde das Hospiz heute eröffnen, hätten wir die 60 000 bis 70 000 Euro für dieses Jahr schon zusammen«, sagt Vereinsvorsitzender Stefan Fuchs. Obwohl Corona die Aktivitäten etwas ausgebremst habe, sei die Zahl der Mitglieder seit 2019 von 50 auf 200 gestiegen. Sie zahlen mindestens 24 Euro Jahresbeitrag, nach oben offen. Noch sind nicht alle Kommunen des Kreises dabei, Fuchs will aber weiter dafür werben. Mitgliedsbeiträge sind ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung, Spenden ebenso. Wobei der Verein auf Geldgeber angewiesen ist, die sich kontinuierlich engagieren.

Mit der Entwicklung des Fördervereins ist Fuchs mehr als zufrieden. »Das Projekt weckt große Emotionen, die zu viel Einsatz führen.« Er ist fest überzeugt, die Realisierung diesmal durchziehen zu können. Ein Hospiz gehöre wie der Arzt oder das Krankenhaus zur Daseinsvorsorge.

Vor 15 Jahren scheitert erster Anlauf

Aufgrund der Altersstruktur ihrer Bevölkerung hat sich die Stadt Bad Nauheim von Anfang als Standort für ein stationäres Hospiz des Wetteraukreises angeboten. Vor 20 Jahren kamen erste ernsthafte Überlegungen auf, in der Kurstadt eine solche Einrichtung ins Leben zu rufen. 2004 wurde es konkret. Ein Förderverein gründete sich, Baupläne lagen vor, ein Grundstück neben der Erika-Pitzer-Begegnungsstätte in der Blücherstraße war für diesen Zweck reserviert. Sehr zum Bedauern des damaligen Bürgermeisters Bernd Witzel schreckten aber einige der Organisationen, die sich an dem Projekt beteiligen wollten, letztlich vor dem finanziellen Risiko zurück. Damals war der Betrag, der mithilfe von Spenden oder Beiträgen aufgebracht werden musste, noch höher als heute. Er lag bei 10 Prozent der Betriebskosten, seit 2017 sind es nur noch 5 Prozent. Eine deutliche Erleichterung der Arbeit des Fördervereins.

Mit heftigem Widerstand aus der Bevölkerung gegen den aktuell geplanten Standort an der Johanneskirche rechnen die Initiatoren inzwischen nicht mehr. Sofort nach Bekanntwerden der Überlegungen durch einen WZ-Artikel hatten sich einige Nachbarn zu Wort gemeldet und ihre Ablehnung formuliert. Ihre Absicht, eine schlagkräftige Bürgerinitiative zu gründen, hat sich offenbar nicht umsetzen lassen. Zumal sich das Stadtparlament eindeutig für das Projekt aussprach.

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