Auf dem Bad Nauheimer Hauptfriedhof dürfen sich in Corona-Zeiten nur noch höchstens fünf Personen zu einer Trauerfeier am Grab versammeln.
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Auf dem Bad Nauheimer Hauptfriedhof dürfen sich in Corona-Zeiten nur noch höchstens fünf Personen zu einer Trauerfeier am Grab versammeln.

Corona-Krise

Abschied nehmen in Zeiten von Corona

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Würdevoll und zeitnah Abschied nehmen - das wünschen sich Angehörige und Freunde eines Verstorbenen. Doch selbst solche Selbstverständlichkeiten sind in Corona-Zeiten nicht gewährleistet.

Bei den rigiden Einschränkungen des täglichen Lebens, die wegen der Corona-Krise notwendig werden, bemüht sich die Politik um einen bundesweit einheitlichen Kurs. Das gelingt auch in den meisten Fällen. Eine Ausnahme bildet das Bestattungswesen, wo sogar innerhalb der jeweiligen Bundesländer unterschiedliche Regelungen gelten. Ein Beispiel sind die Nachbarstädte Bad Nauheim und Friedberg. Während bei Beerdigungen in der Kreisstadt maximal zehn Teilnehmer zugelassen sind, hat die Verwaltung der Kurstadt eine Begrenzung auf fünf Personen im Sinn.

»Für die Angehörigen ist es eine ganz, ganz schlimme Situation. Viele haben gewaltig zu schlucken, weil keine würdige Trauerfeier möglich ist«, sagt Susanne Brehm vom gleichnamigen Bestattungs- und Schreinereibetrieb in der Bad Nauheimer Hauptstraße. Wer eine Erdbestattung wünsche, was nur noch auf etwa 30 Prozent ihrer Kunden zutreffe, stehe bei einer Trauerfeier vor großen Problemen. »Vor zwei Wochen hieß es in Bad Nauheim noch, zehn Personen seien zugelassen, jetzt sind es nur noch fünf. Uns sind da leider die Hände gebunden«, berichtet Susanne Brehm.

Gerade große Familien mit mehreren Kindern stünden vor sehr schweren Entscheidungen, wenn nicht einmal Geschwister oder Enkel eines Verstorbenen mit ans Grab kommen dürften. Werde der Pfarrer oder Trauerredner mitgerechnet, könnten nur vier Angehörige teilnehmen. Bei Erdbestattung gilt nach Auskunft der Unternehmerin weiter die Vorschrift, dass die Beerdigung innerhalb von 96 Stunden vorgenommen werden muss.

Corona Wetterau: Kurze Trauerfeier am Grab

Eine Wahlmöglichkeit gebe es bei Urnenbestattungen. »Normalerweise gilt eine Neun-Wochen-Frist, jetzt kann die Beerdigung auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Dazu haben sich gerade zwei unserer Kunden entschlossen.« Wer eine würdige Trauerfeier wünsche, werde in diesen Fällen nicht unter Zeitdruck gesetzt und könne das Ende der Corona-Krise abwarten. Angehörige, die aus diesem Grund von einer Erdbestattung Abstand nehmen und sich für eine Verbrennung des Verstorbenen entscheiden, sind Susanne Brehm bislang nicht untergekommen. Ihr Unternehmen könne nur schwer Ratschläge erteilen, letztlich müsse die betroffene Familie selbst entscheiden, welchen Weg sie gehe.

Nach Corona werden die Trauerhallen wieder zur Verfügung stehen, die zurzeit sowohl in Bad Nauheim als auch in Friedberg geschlossen sind. Zu einer kurzen Trauerfeier kommt es derzeit in aller Regel direkt am Grab. Um die vorgegebene Personenzahl nicht zu überschreiten, gehen die Träger in der Kurstadt voraus und lassen den Sarg in die Grube hinab. Die Helfer machen dann Platz für den Pfarrer und die Angehörigen. Die üblichen Zusammenkünfte nach der Beerdigung entfallen, für Blumenschmuck kann dagegen immer noch gesorgt werden. »Das ist kein Problem, weil die Floristen nach wie vor arbeiten. Die Menge der Blumen hängt von der jeweiligen Grabstelle ab«, erklärt Susanne Brehm.

Schwierig sei im Augenblick auch die Seelsorgearbeit der Pfarrer nach Todesfällen. Oft setze sich ein Geistlicher mit einigen Familienmitgliedern zusammen, um tröstende Worte zu sprechen. Das sei aktuell nicht möglich, viel geschehe telefonisch.

Corona Wetterau: 75 Prozent Urnenbestattungen

In Friedberg ist nach Auskunft von Bürgermeister Dirk Antkowiak angesichts der aktuellen Situation keine Zunahme der Zahl von Urnenbestattungen festzustellen. Ihr Anteil liege ohnehin bereits bei 75 Prozent. Nach Auskunft des Rathauschefs sind bei Trauerfeiern im Freien höchstens zehn Personen zugelassen, die den Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten müssten.

Wie sein Bad Nauheimer Kollege Klaus Kreß bestätigt, lässt das Land Hessen für Beerdigungen Ausnahmen von der gültigen Kontaktsperre zu. Ausgelegt werden muss diese Feststellung von den Kommunen. Der Bürgermeister spricht von einem »schwierigen Thema«, zumal das Land keine genaue Personenzahl nennt. Kreß: »Bei Trauerfeiern sollte wirklich nur der engste Familienkreis zusammenkommen.«

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