Darf ich ans Tablet? Der Medienkonsum der Kinder ist ein Punkt, bei dem es in Familien zu Auseinandersetzungen kommen kann. Ein neuer Kurs der evangelischen Familienbildung soll helfen, Kinder zu stärken und Eltern in schwierigen Situation zu unterstützen.	FOTOS: DPA/PV
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Darf ich ans Tablet? Der Medienkonsum der Kinder ist ein Punkt, bei dem es in Familien zu Auseinandersetzungen kommen kann. Ein neuer Kurs der evangelischen Familienbildung soll helfen, Kinder zu stärken und Eltern in schwierigen Situation zu unterstützen. FOTOS: DPA/PV

Starke Kinder

So werden Kinder psychisch stark: Zwei Bad Nauheimerinnen geben Tipps

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
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Es gibt Menschen, die kann anscheinend nichts aus der Bahn werfen. Sie sind resilient - haben eine hohe psychische Widerstandskraft. Das kann man lernen, sagen zwei Bad Nauheimerinnen.

Die Kinder kamen aus schwierigen Verhältnissen. Ihr Alltag war geprägt von Drogenmissbrauch und Alkoholsucht der Eltern, Krankheit oder Gewalterfahrungen. Trotzdem entwickelten sich einige der Kinder auf der hawaiianischen Insel Kauai prächtig. Sie schienen psychisch so stabil, dass ihnen die Erfahrungen der Kindheit anscheinend nichts ausmachten.

Es war eine erstaunliche Erkenntnis, die die amerikanische Psychologin Emmy Werner 1977 bei ihrer Pionierstudie machte: Darin entwickelte sich der Begriff der Resilienz, also der psychischen Widerstandskraft.

Workshop in Friedberg

Diese Widerstandskraft ist nicht nur angeboren, sondern man kann sie lernen, sagen die Bad Nauheimer Diplom-Psychologinnen Birgit Rolf und Evelyn Cheng. Sie arbeiten seit 2018 gemeinsam in ihrer Praxis in der Lessingstraße. Es gebe immer mehr Kinder und Jugendliche, die psychologische Unterstützung bräuchten. Also sind Rolf und Cheng auf die evangelische Familienbildung Wetterau zugegangen und haben dort ihre Ideen für einen Workshop zur Resilienz vorgetragen. »Wie Eltern ihr Kind fürs Leben stärken können« heißt er, und er wird am Montag, 2. März, in der Bismarckstraße 2 in Friedberg angeboten.

Teilnehmen sollen Eltern, um ihre Erfahrungen dann zu Hause mit in die Familie zu tragen. »Um resilient zu werden, sind stabile Bezugspersonen besonders wichtig«, sagt Birgit Rolf. Diese müssen nicht zwangsläufig »nur« die Eltern sein, sondern können aus dem gesamten Umfeld des Kindes kommen. »Man muss den Kindern Wertschätzung und Verständnis entgegenbringen und auf Augenhöhe kommunizieren«, ergänzt sie.

Handwerkszeug für Eltern

All das sei lernbar. An vier Terminen treffen sich die Kursteilnehmer, sie sollen dabei ihr eigenes Erziehungsverhalten hinterfragen. »Im Gespräch merken viele, dass alle zu Hause vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen«, sagt Rolf. Reibungspunkte gebe es häufig beim Essverhalten, dem Medienkonsum, bei Regeln oder in der Pubertät.

Deshalb raten Rolf und Cheng, dass schon Eltern mit Kindern im Kindergartenalter bei diesem Workshop mitmachen. »Wir geben den Eltern Handwerkszeug mit, je früher, desto besser«, meint Rolf.

Eltern sollen ihre Kinder so nehmen, wie sie sind, sie nicht versuchen, nach den eigenen (Wunsch-)Vorstellungen ändern zu wollen. »Ich traue dir viel zu und unterstütze dich«, wäre ein Ansatz. Um das zu erlernen, geben Cheng und Rolf nach jedem Kursabend Hausaufgaben. Anschließend wird darüber gesprochen. Bisherige Kurse hätten gezeigt, dass sich in vielen Familien mit kleinen Änderungen im Gesamten viel geändert habe. Die beiden Diplom-Psychologinnen sehen den Begriff der Resilienz durchaus kritisch. Es gehe nicht um Selbstoptimierung. »Man soll Kindern nicht noch mehr zumuten«, sagt Rolf. Denn die Anforderungen an Kinder und Jugendliche seien sehr hoch. »Ob dieser Druck aus den Familien kommt oder unserer Zeit geschuldet ist, lässt sich nicht genau sagen«, sagt Rolf. Deshalb wird im Workshop auch erarbeitet, was die Familien entlasten kann, wobei alle entspannen oder woran alle Freude haben.

Faktoren psychischer Widerstandsfähigkeit

Resilienz bezeichnet die innere Widerstandskraft des Menschen. Resiliente Personen können mit den Widrigkeiten des Lebens wie Stress oder Leistungsdruck gut umgehen. Resiliente Menschen bewältigen schwere Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen.

Entwicklungspsychologe Prof. Klaus Fröhlich-Gildhoff von der evangelischen Hochschule Freiburg ist Leiter des Forschungsinstituts ZfKJ - Zentrum für Kinder- und Jugendforschung. Er hat sechs Resilienzfaktoren erforscht, an denen sich der Workshop in Friedberg orientiert:

1. Eine positive Selbstwahrnehmung. 2. eine angemessene Selbststeuerungsfähigkeit, das heißt: Wie gut kann ein Mensch Emotionen regulieren oder das Verhalten kontrollieren. 3. Selbstwirksamkeitsüberzeugung: Das bedeutet, auf eigene Fähigkeiten zu vertrauen. 4. Soziale Kompetenzen. 5. Angemessener Umgang mit Stress. Das beinhaltet, die eigenen Grenzen zu kennen und Grenzen zu setzen. Und schließlich 6. die Problemlösekompetenz

Der Kurs »Wie Eltern ihr Kind fürs Leben stärken können« beginnt am Montag, 2. März, um 19.30 Uhr in der Bismarckstraße 2 in Friedberg. Eltern erhalten Tipps, wie sie dazu beitragen können, dass ihr Kind gestärkt durchs Leben gehen kann. Infos und Anmeldung: info@familienbildungwetterau.de, kirchengemeinde.friedberg@ekhn.de, Tel. 0 60 31/1 62 78 00.

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