Zeckenbisse können gravierende gesundheitliche Folgen haben.
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Zeckenbisse können gravierende gesundheitliche Folgen haben.

FSME und Borreliose

Zeckenbiss: „Wenn der Frühling anfängt, merke ich die typischen Schmerzen“

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Die Zeckensaison hat begonnen. Ein Biss der kleinen Tierchen kann gefährliche Krankheiten auslösen.

Nun kommt die Zeit der Zecken, denn die Menschen zieht es in die Natur. Was passieren kann, wenn der »gemeine Holzbock« eine Krankheit überträgt, musste Rainer Modess schmerzlich erfahren, der eine Borreliose bekam. Vorsicht ist geboten: Laut dem Bad Nauheimer Internisten Dr. Lutz Ehnert können Zeckenbisse in manchen Regionen auch Hirnhautentzündung auslösen.

Durch seine Elvis-Leidenschaft ist Rainer Modess aus Hochheim oft in Bad Nauheim und Friedberg. Vor 15 Jahren allerdings war er in der Lüneburger Heide unterwegs, als ihn drei Zecken bissen. »Ich habe es erst später bemerkt und die Zecken selber weggemacht«, erzählt er. Die Beschwerden fingen an, als er wieder zu Hause war. »An einer Stelle hatte sich ein roter Ring gebildet, ich hatte Kopf- und Gliederschmerzen«, erinnert sich der 49-Jährige. Die Fingergelenke taten weh, aber auch die Knie, sodass Modess teilweise nicht mehr richtig laufen konnte. Sein Arzt analysierte sein Blut und stellte eine Borreliose fest. »Ich habe ein Antibiotikum bekommen. Es dauerte ein halbes Jahr, bis alle Beschwerden wieder weg waren. Da war ich richtig krank.«

Ein kleiner Zeckenbiss kann lange Folgen haben

Modess war ans Bett gefesselt, hatte leichtes Fieber und wurde über eine Infusion antibiotisch behandelt. Das Laufen ist kein Problem mehr, aber noch heute überkommen ihn manchmal Schmerzen in den Fingergelenken, wie Gichtanfälle. »Dann kann ich nicht schreiben, nicht richtig greifen. Ich nehme Paracetamol und Ibuprofen, dann werden die Schmerzen besser, aber das Greifen nicht.« Nach circa zwei Tagen ebben die Beschwerden wieder ab. Zwei- bis dreimal im Jahr kommt es vor: »Wenn der Frühling anfängt, merke ich die typischen Schmerzen. Ich war vor ein paar Jahren beim Arzt, der mir gesagt hat, dass es Nachwirkungen sind.« Für ihn sei das nicht hinderlich, »man fängt an, damit zu leben, wenn man etwas chronisch hat«, konstatiert Modess.

Dem Bad Nauheimer Internisten Dr. Lutz Ehnert ist das Thema gut bekannt, »40 bis 50 Patienten mit Zecken haben wir im Sommerhalbjahr in der Praxis«, sagt er. Der sogenannte gemeine Holzbock ist Überträger von zwei Erkrankungen: zum einen der Borreliose, die in drei Stadien verläuft, welche unabhängig voneinander auftreten und sich manifestieren können, zum anderen können Zecken laut Ehnert die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, eine Hirn- oder Hirnhautentzündung.

Jetzt ist die richtige Zeit zum Impfen

»Die Borreliose kann man mit Antibiotika heilen. FSME ist wie Corona eine Virenerkrankung, bei der wir keine Heilungsmöglichkeiten mit Antibiotikum haben.« Beide Krankheiten hätten ihren Gipfel zwischen März und Oktober, weswegen jetzt die richtige Zeit zum Impfen sei. »Das können wir aber nur gegen FSME«, sagt er. Zu empfehlen sei dies für Waldarbeiter und Menschen, die viel draußen sind. Ein typisches FSME-Gebiet sei die Wetterau nicht. »Das liegt südlich vom Main oder nördlich von Marburg nach oben. Nichtsdestotrotz, weil wir auch mobil sind und uns auch mal 50, 60 Kilometer wegbewegen, sollten Menschen überlegen, sich impfen zu lassen, wenn sie viel in der Natur sind.«

Bei Borrelien lasse sich lediglich vorbeugen: Neben der schützenden Kleidung sei dies das Meiden von Aufenthalten im Gebüsch und hohen Gras. »Und nach Spaziergängen im Wald oder Gartenarbeit sollte man den Körper absuchen«, fährt Ehnert fort. Kommt ein Patient mit Zeckenbiss, einer kleinen Rötung und Jucken in die Praxis, stelle sich stets die Frage, ob Stadium eins vorliegt, die wandernde Röte. »Die sieht aus wie eine Schießscheibe: An der Bissstelle entsteht ein roter Punkt, drumherum ein großer weißer Rand und dann wieder ein roter.« In diesem Fall verordne der Arzt ein Antibiotikum für 14 Tage, »dann ist das in der Regel gut behandelt«.

Richtige Kleidung zur Vorbeugung gegen Zeckenbisse

Dann gibt es die zweite Stufe der Erkrankung, bei der Gelenke betroffen sein können, die sogenannte Lyme-Arthritis. »Es kann auch eine Herzmuskelentzündung dabei sein, das sieht man dann im EKG.« Das dritte sei die Neuroborreliose, die oft mit Lähmungen im Gesicht einhergehen kann. »Die Neuroborreliose behandelt man drei Wochen durch intravenöse Antibiotikagabe. Das wäre heilbar, wenn man es rechtzeitig erkennt.«

So wie er sich durch entsprechende Kleidung im Wald schützt, hält es auch Rainer Modess. »Ich nehme außerdem Schwarzkümmelöl aus der Apotheke, mit dem ich die Knöchel und Waden einreibe«, erzählt er. Eine nochmalige Infektion will er unbedingt vermeiden, da die Krankheit »sehr unangenehm war«.

Wie man eine Zecke entfernt

Wer feststellt, eine Zecke zu haben, sollte sie laut Dr. Lutz Ehnert möglichst frühzeitig entfernen. »Man sollte sie mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette vorsichtig am Kopf herausziehen, ohne sie zu quetschen«, sagt der Internist mit eigener Praxis in Bad Nauheim. Wer dies innerhalb von acht Stunden tue, habe im Grunde nichts zu befürchten, was die Borreliose angeht. Anders sei es bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bei der die Übertragung schneller erfolgen könne.

Die Fühler der Zecke hätten Widerhaken und blieben in der Regel drinnen stecken - das sei aber nicht schlimm. »Man sollte die Stelle anschließend mit normalem Desinfektionsmittel desinfizieren, nicht vorher, auch nicht vorher mit Öl behandeln.« An der Stelle herumpuhlen sollte man laut Ehnert ebenfalls nicht, denn mit den Resten komme der Körper klar. (Petra Ihm-Fahle)

Im Ausland gibt es sogar Zecken, die den besten Freund des Menschen befallen können. Auch für Hunde gibt es „Zecken-Risikogebiete“.

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