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Aufgereiht: Zahlreiche Gäste sind der Einladung zur traditionellen Quellendankfeier gefolgt. Weil im Sprudelhof gebaut wird, geht die Veranstaltung in der Trinkkuranlage über die Bühne.

Quellendankfeier

Welterbe Mathildenhöhe kann auf Bad Nauheim ausstrahlen

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Die Darmstädter Mathildenhöhe ist jetzt UNESCO- Weltkulturerbe. Es gibt Querverbindungen zu Bad Nauheim, wie Landesdenkmalpfleger Markus Harzenetter bei der Quellendankfeier ausführte.

Wegen der Bauarbeiten im Sprudelhof bot am Samstagabend die Trinkkuranlage die Kulisse für die Quellendankfeier. Gleichwohl war der Sprudelhof Thema. Bedingt durch die Pandemie empfing das Einlasspersonal die Gäste am hinteren Eingang der Trinkkuranlage unter einer der Pergolen. Alles in allem ermöglichte die Organisation einen entspannten und gelungenen Aufenthalt.

Bürgermeister Klaus Kreß begrüßte die Gäste, unter anderem die hessische Ministerin Lucia Puttrich und Prof. Markus Harzenetter, den Präsidenten der Landesdenkmalpflege in Wiesbaden. Kreß ging auf den ungewohnten Ort der Feier ein. »Für alle, die den Sprudelhof lieben, ist das aber ein sehr gutes Zeichen. Die lang vorbereitete Sanierung des Jugendstilkleinods und der Therme nehmen nun endlich richtig Fahrt auf.«

Ein ehrgeiziger Großherzog

Die Festansprache hielt Prof. Harzenetter. Er ging auf das Thema Weltkulturerbe ein. Dabei blickte er auf zwei Entscheidungen der UNESCO zurück, die nach Ansicht von Harzenetter auch für Bad Nauheim zu wichtigen und nachhaltigen Impulsen werden könnten. »Sofern man sie sorgfältig auswertet«, fügte er hinzu.

Entschieden habe die UNESCO jüngst, die größten europäischen Kurstädte und die Darmstädter Mathildenhöhe auf die Welterbeliste zu setzen. In der Liste der Kurstädte, die Harzenentter aufzählte, fehlte Bad Nauheim. Zudem hatte die Kommune vor Jahren die Einladung Darmstadts ausgeschlagen, sich gemeinsam in Sachen Jugendstil zu bewerben (die WZ berichtete).

Laut Harzenetter fiel der letzte grandiose Höhepunkt der Gesellschaftskur in Bad Nauheim mit einem entscheidenden Faktor zusammen: Dem Ehrgeiz von Großherzog Ernst Ludwig, der Hessen zu einem Zentrum der modernen Kunst in Deutschland entwickeln wollte. Es war die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. An dieser Stelle leitete Harzenetter zur Mathildenhöhe in Darmstadt über. Dort entwickelte Ernst Ludwig eine Künstlerkolonie, in der zwischen 1901 und 1914 insgesamt vier bedeutende Ausstellungen terminiert waren. Eine der Schauen hatte 1908 das Ziel, die »hessischen Kunstleistungen der Gegenwart zu präsentieren«. Harzenetter: »Natürlich war darunter auch die große Baumaßnahme am Staatsbad Bad Nauheim.«

Ausgestellt wurde in Darmstadt der Terrakottahof des Badehauses 7 (nach damaliger Zählweise die Nummer 10) sowie zwei Fürstenbäder des Sprudelhofs. An den Arbeiten in Bad Nauheim waren Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe beteiligt, so Jacob Julius Scharvogel und Albin Müller.

Möglichkeiten der Kooperation?

»Es gibt noch zahlreiche weitere Bezüge zwischen Bad Nauheim und der Mathildenhöhe«, erklärte Harzenetter. Durch den Welterbe-Status der Mathildenhöhe erhielten diese einen neuen Resonanzkörper. »Bohren Sie das immaterielle und materielle Potenzial dieser neuen Welterbestätten an und leiten Sie Teile des sprudelnden Wassers auf die eigenen Mühlen«, empfahl der Landesdenkmalpfleger.

Unter den Gästen war auch Gerhard Bennemann, neuer Vorsitzender des Jugendstilvereins. Seiner Ansicht nach sollten die Möglichkeiten einer gemeinsamen touristischen Vermarktung mit Darmstadt geprüft werden. »Es ist sehr hilfreich, wenn wir in Bad Nauheim dieselben Künstler hatten«, sagte Bennemann. Er ist aber nicht unglücklich über die Entscheidung Bad Nauheims, sich nicht um den Welterbe-Status beworben zu haben. Auf der Liste zu stehen, könne Projekte der Stadtentwicklung erheblich behindern. Gezeigt hat sich das laut Bennemann in Liverpool und Dresden. Die Dresdner hätten eine Autobahnbrücke, die sogenannte Elbschösschen-Brücke, gebaut. »Es hieß, dass dieses Bauwerk den Anblick der Stadt und der Landschaft störe. Deshalb wurde Dresden der Status wieder aberkannt«, erklärte der Vereinsvorsitzende.

Eingebettet waren die inhaltlichen Ausführungen in Musik der Formation »Konzertgebräu« sowie der Combo des Landespolizeiorchesters und eine stimmungsvolle Illumination mit Feuerwerk. Das gemeinsam gesungene »Großer Gott, wir loben dich« trug zur festlichen Stimmung bei.

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