"Auf dem Forst": Ein Stück Natur, das gerade in Zeiten von Corona zu Spaziergängen an der frischen Luft einlädt.		FOTO: PV
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»Auf dem Forst«: Ein Stück Natur, das gerade in Zeiten von Corona zu Spaziergängen an der frischen Luft einlädt. FOTO: PV

BI weht sich weiter gegen Bebauung

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Bad Nauheim-Schwalheim (jw). Die Finger Wohnbau GmbH will im Gebiet »Auf dem Forst« in Schwalheim 65 energieeffiziente Einfamilien-Holzhäuser errichten. Dagegen erhoben sich Proteste. Die Bürgerinitiative »Die Wettertaler« hat auf die jüngste Presseberichterstattung (»Um Baugebiet ist es ruhig geworden«, WZ, vom 2. Mai) reagiert und widerspricht der »nach Trumpscher Manier gebetsmühlenartig wiederholten falschen Aussage«, dass der Widerstand gegen die Bebauung vor allem von Anwohnern der Wilhelm-Leuschner-Straße komme.

»Die 700 Unterschriften wahlberechtigter Schwalheimer stammen aus der gesamten Gemeinde, lediglich 16 Prozent sind aus der Wilhelm-Leuschner-Straße, die gleichzeitig die längste Straße Schwalheims ist und sich von der Grundschule bis zum Speckrain zieht«, schreibt Uwe Kreuter im Namen der BI. Das könn Markus Kuhl, Regionalleiter der Finger Wohnbau, aber nicht wissen, »weil er sich mit Schwalheim als Ortschaft selbst nie auseinandergesetzt und auch den Kontakt zu den Bürgern nie gesucht hat«. Die Bi zweifelt die Qualität der Gutachten an, die von Finger Wohnbau »beauftragt und bezahlt wurden«. Verkehrsgutachten, die in Zeiten der Corona-Pandemie erstellt werden, seien »das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind«. Eine beabsichtigte Versiegelung der Gemarkung »Auf dem Forst« kann aus Sicht der BI im Gegensatz zu Kuhl nicht als ökologisch unbedenklich eingestuft werden. Kreuter: »Es sei denn, man setzt Beton und Natur auf die gleiche Ebene.«

Die genannten 280 Anfragen könnten nicht nachvollzogen und sollten belegt werden, »zumal bei dem von Bürgermeister Klaus Kreß initiierten Bürger-Dialog am 10. Februar kein einziger Interessent zu sichten war und die Mehrzweckhalle fast ausschließlich mit Bebauungsgegnern besetzt war«, schreibt die BI.

Eine Gesprächsbereitschaft von Kuhl mit der BI »Die Wettertaler« sei »nie vorhanden« gewesen, die zahlreichen Versuche der BI, einen Termin mit ihm zu vereinbaren, seien alle gescheitert. man sei immer wieder vertröstet und versetzt worden.

BI erinnert an Folgen von Corona

Die Folgen der Corona-Pandemie seien offenbar am Investor vorbeigegangen. Experten erwarteten für Deutschland eine Rezession, welche die Immobilienpreise sinken lasse und die Zinssätze nach oben treiben werde. Die Menschen in der Wetterau seien »aufgrund der einmaligen Lage und Landschaft« in der glücklichen Situation, eine weitestgehende Grundversorgung mit Nahrungsmitteln vor der Tür zu haben.

Ackerland diene als wertvoller Wasserfilter und Grundwasserspeicher. Die trockenen und heißen Sommer und die hohen Entnahmen für Frankfurt ließen die Grundwasserspiegel sinken. »Die Gemeinde Ulrichstein musste sogar schon mit Trinkwasser aus Tanklastern versorgt werden.«

Die BI spricht von politischem »Druck aus Frankfurt« und erwähnt die dortigen (teils vergeblichen) Bemühungen um neues Bauland. Der »vermeintliche Bedarf« an Wohnungen solle nun nach dem Willen des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) über das Konzept »Großer Frankfurter Bogen« unter Einsatz finanzieller Zuschüsse auf das Umland abgewälzt werden. »Was neben der Versiegelung wertvoller Natur zu erheblichen Verkehrsbelastungen Richtung Frankfurt führt.«

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) habe aktuell ermittelt, dass alleine durch eine Nachverdichtung 70 000 bis 90 000 Wohnungen in Frankfurt selbst geschaffen werden könnten. Was bedeute, dass viele priorisierte Flächen außerhalb Frankfurts nicht in Anspruch genommen werden müssten.

Die BI begrüßt stattdessen die geplante Umnutzung von Grund und Gebäude der insolventen Firma Dingeldein. »Eine bereits versiegelte Fläche soll für den Bau von 40 bis 50 Wohnungen genutzt werden« - das sei »ein überaus sinnvolles Konzept«, das die BI bereits seit Dezember 2019 allen Bad Nauheimer Fraktionen vorgeschlagen habe. »Damit wird eine zusätzliche umwelt- und klimaschädliche Versiegelung der wertvollen Natur ›Auf dem Forst‹ überflüssig«, schreibt BI-Sprecher Kreuter.

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