Der Korso mit seiner Blütenpracht und pfiffigen Ideen der Vereine ist das Herzstück des Steinfurther Rosenfests, das stets Zehntausende von Besuchern anlockt. Das Coronavirus hat den Veranstaltern in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. 
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Der Korso mit seiner Blütenpracht und pfiffigen Ideen der Vereine ist das Herzstück des Steinfurther Rosenfests, das stets Zehntausende von Besuchern anlockt. Das Coronavirus hat den Veranstaltern in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Kein Rosenfest

Wegen Corona kein Steinfurther Rosenfest - Findet Elvis-Festival statt?

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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In Corona-Zeiten wackeln alle Großveranstaltungen. Abwarten oder sofort absagen? Im Fall des Steinfurther Rosenfests wurde früh entschieden, damit ehrenamtliches Engagement nicht ins Leere läuft.

Am 19. März hielt sich Gerhard Hahn, Vorsitzender des Kultur- und Sportausschusses Steinfurth, zu einer Besprechung im Büro von Bürgermeister Klaus Kreß auf. "Plötzlich ging die Nachricht von der Absage des Hessentags ein. Da wurde uns endgültig klar, dass wir auch entscheiden müssen", sagt Hahn. Der Rathauschef kontaktierte schnell Steinfurths Ortsvorsteher Markus Philippi und Rosenkorso-Organisator Sascha Pfeiffer. Alle waren einer Meinung: Mitte Juli kann im Rosendorf nicht gefeiert werden. Es wird nicht die letzte Bad Nauheimer Großveranstaltung in diesem Jahr gewesen sein, die dem tückischen Virus zum Opfer fällt. Die Entscheidung in Sachen Elvis-Festival soll in dieser Woche gefällt werden.

Gerhard Hahn weiß genau, wie die Steinfurther Vereine ticken, mit welchen Problemen und Herausforderungen sie zu kämpfen haben. "Ohne Korso kein Rosenfest, ohne Vereine kein Korso", beschreibt der Vorsitzende des Vereinsrings, der in Steinfurth Kultur- und Sportausschuss heißt, den Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements für das größte Volksfest der Stadt.

Kein Steinfurther Rosenfest: Extrem hoher Aufwand

Bis zum Zeitpunkt der Absage hätten die Klubs nur Planungsarbeit geleistet, die bei einer Verschiebung auf das kommende Jahr nicht verloren gehe. "Wäre länger gewartet worden, hätten die Vereine bereits Material für ihre Prunkwagen eingekauft oder die Wagen auf Vordermann gebracht. Dann hätte das Aus für riesengroßen Frust gesorgt", sagt Hahn, der auch 2. Vorsitzender des Festausschusses ist.

Die Großveranstaltung am Leben zu halten, wird aufgrund des extrem hohen Arbeitsaufwands ohnehin immer schwieriger. Deshalb war schon vor 50 Jahren entschieden worden, den jährlichen Rhythmus aufzugeben und nur noch alle zwei Jahre zu feiern. "Damals hatte der Rosenanbau allerdings noch eine viel größere Bedeutung für Steinfurth. Fast in jedem Haus wohnte jemand, der mit dieser Branche verbunden war, viele Familien lebten davon", beschreibt Hahn den Unterschied zu 2020, wo es nicht einmal mehr zehn Betriebe gibt, zum Teil auf Nebenerwerbsbasis. Die Bereitschaft, sich fürs Rosenfest richtig ins Zeug zu legen, war in der Dorfgemeinschaft der 1970er und 1980er Jahre somit deutlich größer als heute.

Hahn zufolge bietet das Rosenfest den Vereinen zwar eine gute Gelegenheit, sich einer breite Öffentlichkeit zu präsentieren, die emotionale und berufliche Bindung zum Thema "Rose" sei aber lange nicht mehr so stark wie früher. Deshalb schrumpfe die Zahl der aktiven Helfer mehr und mehr.

Kein Steinfurther Rosenfest: Nachholtermin Mitte Juli 2021?

"Wir müssen deshalb aufpassen, dass die Motivation nicht total in den Keller geht. Das hätte bei einer zu späten Absage passieren können." Nach Angaben von Hahn werden in Steinfurth bislang noch genügend Rosen angebaut, um die Korsowagen alle zwei Jahre schmücken zu können. Bei der Rosenschau im Rosensaal sei das nicht mehr der Fall. "Die eleganten langstieligen Rosen, die dabei eine wichtige Rolle spielen, werden heutzutage nicht mehr hier angebaut, müssen zugekauft werden." Aufgrund der Historie - der erste Rosenanbau-Betrieb wurde vor gut 150 Jahren gegründet - habe der Begriff "Rosendorf" für Steinfurth gleichwohl nach wie vor seine Berechtigung. Um dieses Image zu pflegen, sei das Fest von großer Bedeutung.

Wie es nach der Absage für 2020 weitergeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Hahn hält es für sinnvoll, die 47. Auflage des Rosenfests am zweiten Juli-Wochenende des kommenden Jahres nachzuholen. "Dieser Termin liegt noch in der Schulzeit, was große Vorteile mit sich bringt." Offiziell bestätigt ist dieser Termin noch nicht, stößt aber auf breite Zustimmung.

Ebenfalls noch beantwortet werden muss nach Auskunft von Bürgermeister Kreß die Frage, ob das übernächste Rosenfest 2022 oder 2023 steigen soll.

Elvis-Festival: In Kürze Entscheidung

Bürgermeister Klaus Kreß hält es im Augenblick für wenig wahrscheinlich, das European Elvis-Festival wie geplant Mitte August 2020 veranstalten zu können. Zu einer Absage haben sich die Verantwortlichen bislang allerdings nicht durchgerungen. Auch Maria Hesterberg, Vorsitzende der Elvis-Presley-Gesellschaft, die das Großereignis alljährlich zusammen mit der Stadt organisiert, ist mehr als skeptisch. Die Entscheidung soll in dieser Woche getroffen werden.

"Wir haben uns natürlich schon Gedanken über Alternativen gemacht", sagt Hesterberg. Denkbar wäre eine Verschiebung auf eine späteren Termin in diesem Jahr oder ein Festival mit deutlich kleinerem Programm. Alle Verträge mit Musikern und prominenten Gästen seien längst geschlossen, müssten im Notfall gekündigt werden. "Nach dem Festival ist vor dem Festival: Mit der Vorbereitung der diesjährigen Veranstaltung wurde bereits 2019 begonnen."

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