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Lockdown-Lockerung

Wetterau: Waschen, schneiden und föhnen am Fließband – Hochbetrieb bei Friseuren

Seit Montag sind die Friseure wieder im Einsatz. Viele Bad Nauheimer und Friedberger freuen sich über das neue Gefühl auf dem Kopf. Auch bei den Friseuren ist die Freude groß.

Eine Kundin betritt den Friseursalon von Yvonne Mayer in Bad Nauheim mit einem Strauß Tulpen in der Hand. »Vielen Dank, dass Sie mir die Haare schneiden«, sagt die Dame und überreicht Mayer die Blumen. Die Freude, dass die Friseure seit Montag wieder geöffnet haben, ist zu spüren. »Wir sind so glücklich, dass wir wieder arbeiten können«, sagt Mayer. »Es gab einen großen Ansturm, aber viele Termine haben wir bereits in den letzten Wochen ausgemacht.« Jetzt werde geschnitten und gefärbt. Die Kunden seien sehr geduldig und hätten viel Verständnis, was die Wartezeit für die Termine angehe.

»Ich habe notgedrungen schon selber die Schere in die Hand genommen. Die Haarlänge ist weniger das Problem, aber auf die Strähnchen freue ich mich sehr«, sagt Kundin Jutta Straub, während sie Strähnchen ins Haar bekommt. »Es wurde Zeit, dass die Friseure wieder aufmachen. Das ist nicht nur für uns Kunden wichtig, sondern auch für die Unternehmer. Es ist ein Schritt auf dem Weg in die Normalität.«

Wetterau: Keine Probleme mit den Regeln beim Friseur

Die Hygienemaßnahmen ließen sich gut im Salon umsetzen, sagt Mayer. »Wir haben große und hohe Räume, da kann man gut Abstand halten. Mit den Regeln hatten wir auch nach dem ersten Lockdown keine Probleme. Es ist wichtig, dass wir die Kunden und uns schützen.«

Auch im Salon von Margaret Tschenscher in Bad Nauheim sind die Hygienemaßnahmen zur Routine geworden. »Vieles findet im Kopf statt. Man will immer kontrollieren, ob alles desinfiziert ist. Es ist wichtig, die Regeln einzuhalten«, sagt Tschenscher. »Nach jedem Kunden wird der Arbeitsplatz gereinigt, die Umhänge und Handtücher werden auf 60 Grad gewaschen, damit die Viren abgetötet werden. Viele Arbeiten werden mit Handschuhen ausgeführt.«

Im Salon werden jetzt vor allem Haare geschnitten und Ansätze gefärbt. »Wir sind alle sehr froh, dass wir wieder arbeiten und die Kunden wieder verwöhnen dürfen«, sagt Tschenscher. »Haare sind auch psychologisch wichtig: Es hat etwas mit der Seele zu tun, wenn man sich nicht mehr wohlfühlt.« Besonders problematisch sei der Lockdown für die Kunden gewesen, die normalerweise wöchentlich zum Friseur gehen.

Wetterau: „Frisurunfälle gab es bei unseren Kunden kaum“

»Als es sich abgezeichnet hat, dass wir zumachen müssen, sind einige Kunden noch gekommen, um die Haare viel kürzer zu schneiden«, erinnert sich Tschenscher. Für diejenigen, die sich die Haare selbst färben wollten, habe der Salon die Produkte während der Schließung an die Kunden verkauft, damit keine Farbunfälle passierten. »Das Angebot wurde gut angenommen. Frisurunfälle gab es bei unseren Kunden kaum. Mancher hat sich selbst den Pony geschnitten.«

Sowohl den Kunden als auch den Mitarbeitern habe besonders der Austausch gefehlt. »Viele Kunden würden auch jetzt gerne mehr erzählen, aber das Reden mit der Maske strengt an«, sagt Tschenscher.

»Es ist so schön, alle gesund wiederzusehen«, sagt Kundin Elisabeth Wirth, während ihre Haare gefärbt werden. »Es ist wunderbar entspannend und macht einfach glücklich. Ich freue mich über die neue Farbe und dass die Frisur wieder sitzt. Jetzt fallen einem die Haare nicht mehr ins Gesicht.«

Wetterau: Lockdown hat viele Friseure hart getroffen

Neben der Freude über die Frisuren und der Tatsache, wieder arbeiten zu können, ist auch der wirtschaftliche Aspekt der Wiedereröffnung wichtig. »Im Verband habe ich mich deutschlandweit mit den Kollegen ausgetauscht. Es ist sehr traurig, dass manche Kollegen an ihre Altersvorsorge gehen mussten, um die Zeit zu überbrücken«, sagt Tschenscher.

Doch der Lockdown habe nicht nur Nachteile, sagt Johanna Reichelt, Auszubildende im ersten Lehrjahr beim Friseursalon »Sister’s Act« in Ockstadt. »Normalerweise habe ich jede Woche einen Übungsabend. Durch den Lockdown hatte ich drei Übungstage pro Woche und konnte so sehr viel lernen. Das war eine Riesenchance. Ich wurde gut auf den Salon-Alltag vorbereitet und kann jetzt mithelfen.«

Und ihre Ausbilderin Daniela Unger sagt: »Durch den Lockdown ist unser Team noch mehr zusammengewachsen, und es ist so schön, dass wir wieder zusammen arbeiten können. Wir haben versucht, das Positive mitzunehmen und sind sehr dankbar, dass sich unsere Chefin so gut um uns kümmert.«

Manche Kunden hätten den Lockdown genutzt, um neue Frisuren auszuprobieren, sagt Unger. »Noch gibt es keine Feiern, Feste, Theaterbesuche oder Ähnliches, da möchten wir dafür sorgen, dass der Friseurtermin ein außergewöhnliches Erlebnis für unsere Kunden ist.«

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