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Bis 2024 müssen die Stadtwerke den Stadtbus neu ausschreiben. Für ihr Mobilitätskonzept beziehen das Unternehmen und die Stadt Vorschläge der Bürger ein.

Mobilität

Was muss sich im Bad Nauheimer Straßenverkehr ändern? Umfrage nimmt Fahrt auf

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Kaum geht das Mobilitätsportal an den Start, machen auch schon zahlreiche Bürger mit. Bis zum 1. August tragen die Teilnehmer Vorschläge für Bad Nauheim auf einer interaktiven Karte ein.

Bad Nauheim – »Aus Richtung Bahnhof kommende Fahrzeuge, die von der Bahnhofsallee in die Ludwigstraße einbiegen, schneiden regelmäßig die Kurve.« Das schreibt jemand auf der neuen Internetseite www.bad-nauheim.de/mobil. Oftmals führen die Autos mit hoher Geschwindigkeit, schon oft sei es demnach zu brenzligen Situationen gekommen. Wie die unbekannte Person vorschlägt, könnte eine einfache Erweiterung der Fahrbahnmarkierung schnell Abhilfe schaffen. Sogar ein Bild ist beigefügt - ohne Namen des Fotografen, da die Mobilitätsumfrage von Stadtwerken und Stadt Bad Nauheim anonym ist.

Verkehr in Bad Nauheim: Busgröße und Antrieb wichtig

Schon über 100 Menschen haben bis Mittwochmorgen teilgenommen - und das obwohl das Portal erst am Montag um 7 Uhr an den Start gegangen war. Das teilte Annette Wetekam, Leiterin für Kommunikation und Unternehmensentwicklung bei den Stadtwerken in der Sitzung des städtischen Bauausschusses am Dienstagabend in der Trinkkuranlage mit.

Wie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) schilderte, haben die städtischen Politiker das gesamte Thema Mobilität schon an diversen Stellen diskutiert. »Der Stadtbus muss neu ausgeschrieben werden, diese Chance wollen wir nutzen«, nannte er den Anlass der Umfrage. Wetekam ging näher darauf ein. Wie sie erläuterte, muss der Betrieb des Stadtbusses für 2024 neu ausgeschrieben werden. »2022 müssen die Vorgaben vorliegen, möchten wir wissen, wie der Stadtbus aussehen soll.« Das bezeichnete sie als Herausforderung für die Stadtwerke, denn bis dahin müssen bestimmte Dinge bekannt sein - beispielsweise: Wie groß sollen die Busse sein? Mit welchem Antrieb fahren sie? Wie soll das Liniennetz 2024 aussehen?

»Wir erarbeiten vor diesem Hintergrund ein Mobilitätskonzept, an dem verschiedene Mitarbeiter der Stadtwerke und der Stadt beteiligt sind.« Überdies besteht laut Wetekam eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Gremien, um möglichst viele Meinungsbilder und Verbesserungsvorschläge der Bürger einzuholen.

Umfrage zu Mobilität in Bad Nauheim: Haltestellen-Wunsch ist ein Beispiel

»Die Homepage für die öffentliche Beteiligung ist für vier Wochen geöffnet. Man kann auf einer interaktiven Karte einen Button an einem Standort setzen und eine Anmerkung machen.« Als Beispiele nannte Wetekam den Wunsch nach einer Bushaltestelle oder den Hinweis auf einen fehlenden Radweg.

Die Teilnehmer können die Beiträge bewerten: entweder zustimmend, ergänzend oder ablehnend. »Nach dieser kurzen Zeit ist es unglaublich, wie viele Bürger wir erreicht haben«, freute sich die Stadtwerke-Vertreterin.

Mobilitätsportal für Bad Nauheim: Flyer sollen verteilt werden

Geplant ist, Flyer mit der Adresse der Internetseite www.bad-nauheim.de/mobil und einem QR-Code zu verteilen, um jeden zu erreichen. Geschäfte, Schulen und Krankenhäuser sollen beispielsweise Verteilstellen sein. Für Menschen, die nicht so gut mit dem Smartphone umgehen können, stehen beim Bad Nauheimer Stadtmarketing Laptop und Hilfe zur Verfügung.

»Die Ergebnisse wollen wir in einem attraktiven Rahmen präsentieren, etwa in einem Bürgerforum«, erläuterte Wetekam. Der Termin ist für Oktober vorgesehen, um dann auch in die Diskussion zu gehen. Die Stadtwerke kooperieren mit einer Agentur aus Kassel, die in Kontakt zu unterschiedlichen Hochschulen steht. »Wir sind auf einem guten Weg und freuen uns auf das Feedback«, sagte Wetekam.

Bei den Ausschussmitgliedern kam das Projekt gut an. Wie Markus Theis (FW/UWG) allerdings einwandte, können die Veranstalter nicht wissen, wer an der Befragung teilnimmt: »Ob die Personen aus Bad Nauheim kommen und wie viele Vorschläge jeder einzelne Teilnehmer abgibt.« Die Kenia-Koalition hatte zuvor einen Antrag gestellt, eine Bürgerbefragung zur Optimierung des Stadtbusses zu machen. Nach Wetekams Ausführungen stellten die Bauausschussmitglieder allerdings fest, dass sich das Thema erledigt hat, worauf die Koalitionäre ihren Antrag zurückzogen.

Reaktionen im Bad Nauheimer Ausschuss

Den Mitgliedern des städtischen Bauausschusses gefällt die Online-Befragung. Nach Ansicht von Albert Möbs (CDU) ist es sinnvoll, die Bürger teilnehmen zu lassen. »Das gibt die besten Ergebnisse und wird viel konkreter als mit theoretischen Ansätzen von Planungsbüros«, sagte er. Sein Fraktionskollege Steffen Mörler sah das ebenso. »Mobilität wird das Thema sein, das die Stadtentwicklung vehement beeinflusst.« Natalie Peterek (SPD) nannte es löblich, ein umfassendes Konzept zu erarbeiten und nicht nur Menschen einzubeziehen, die Bus fahren. Laut Gisela Babitz-Koch (CDU) ist aus Sicht eines Stadtteils die Andockung an die Fahrpläne der Deutschen Bahn besonders wichtig. Jochen Ruths (FDP) schlug vor, die Busfahrer einzubeziehen und von deren Wissen zu profitieren. Thorsten Jung (FW/UWG) fiel auf, dass in einigen Stadtteilen nur wenige Bürger mitgemacht haben. Diese seien aber maßgebliche Nutzer der Busse.

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