agl_igel_1_260821_4c
+
Bei der Auswahl der Nahrung sollte man vorsichtig sein. Otto Luzius weiß, was gut ist für Igel - und was nicht.

Klein, goldig und gefährdet

Warum Igel in Gefahr sind: Bad Nauheimer Experte hat Antworten

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
    schließen

Igel haben es grundsätzlich schwer. Der Bad Nauheimer Experte Otto Luzius weiß, was ihnen zu schaffen macht. Eines steht fest: Der Mensch kann viel beeinflussen.

Die werdende Igel-Mutter ist in den Kellerschacht gefallen, schafft es nicht mehr von alleine raus und bekommt in dieser aussichtslosen Situation fünf Junge. Eines stirbt, die anderen vier und die Mama sind noch am Leben, als die Menschen aus dem Urlaub zurückkehren und das Drama entdecken. Fünf, sechs Tage habe die Igel-Mutter weder Wasser noch Futter gehabt, sagt Otto Luzius. Der Bad Nauheimer kümmert sich seit vielen Jahren um Igel.

Besagte Igelfamilie hat Luzius bei sich zu Hause in einer Mutter-und-Kind-Box untergebracht. Er lässt sie weitgehend in Ruhe - abgesehen vom Füttern. »Die hat erstmal getrunken und gefressen ohne Ende«, sagt Luzius über die Igel-Dame, die die Zeit im Kellerschacht so tapfer durchgestanden hat.

Wobei wir beim Thema wären: Dem Igel an sich fehlt es an Nahrung, nicht nur, wenn er in einen Schacht plumpst. Igel fressen Insekten, die auf dem Boden leben. Käfer, Heuschrecken, Tausendfüßler sind die Hauptnahrung. Die Zahl der Insekten geht aber zurück, für Igel ein Problem. Also weicht er in der Not auf Schnecken und Regenwürmer aus, was den Igel krank mache, sagt Luzius. Mit den Schnecken und Regenwürmern verzehren Igel nämlich jede Menge Larven und Eier von Parasiten.

Zu wenig Gewicht ist ein großes Problem

»Ein Igel kann bis zu fünf Jahre alt werden - zur Zeit höchstens drei«, sagt der Experte und verweist auf fehlende Nahrung. Beispiel Igelweibchen: Sie wachen aus dem Winterschlaf auf, paaren sich nach einer Weile, haben sich aber bis zur Geburt ihrer Jungen nicht genügend Gewicht angefressen. Die Jungen kommen entsprechend klein auf die Welt, bekommen nur wenig Milch, werden nach etwa zehn bis zwölf Wochen von ihrer Mutter alleine gelassen. Obwohl sie nur halb so schwer sind wie ein gut genährter Igel in dem Alter. »Die Mutter kann einfach nicht mehr säugen«, sagt Luzius. Die Jungtiere wachsen, weil sie zu wenig zu sich nehmen konnten, nicht so wie es gut wäre. Auf die eigentlich nötigen 500 bis 600 Gramm bis zum Herbst kommen sie nicht.

Gefahr durch zu viel Gartenpflege

»Das A und O ist Futter, und das haben wir nicht. Es wird immer mehr zugepflastert«, beklagt Luzius. Gärten seien zu sehr gepflegt. Auch mit Mährobotern. Von denen hält der »Igelvadder« gar nichts, denn diese Geräte, so sagt er, würden nicht vor Igeln stoppen. Es gebe Verletzungen. Das passiere auch dann, wenn man mit einem Fadenmäher unter Büschen zu Werke gehe, ohne vorher nachzuschauen. Ein im Schatten liegender Igel könne übersehen werden. »Der Igel schreit nicht«, sagt Luzius. Das Tier bleibe liegen, renne nicht weg. Das Ergebnis, die schweren Verletzungen, sehe man erst zwei, drei Tage später. »Die Igel suchen dann den Menschen.«

Dem Bad Nauheimer geht es darum, dass man Igeln im Garten einen Platz lässt, an dem sie sich wohlfühlen. Einen Haufen aus Laub und Stöckchen, in dem sie sich verkriechen können. Zudem gibt es Häuschen, die man beispielsweise bei »Igelvadder« Luzius kaufen kann. Und wenn man irgendwo Gerümpel herumliegen habe, dann solle man es nicht einfach so schnell anheben, denn es könnten sich Igel darunter befinden und aufgeschreckt werden, warnt der Experte.

Aufpassen, was man zu fressen gibt

Ein geschützter Ort im Garten und genug gesunde Nahrung - darauf kommt es an. Wer einem Igel etwas Leckeres hinstellen möchte, sollte laut Luzius Katzenfutter mit 70 bis 80 Prozent Fleisch, aber ohne Sauce, Gelee und Getreide wählen; oder hochwertiges getreidefreies Katzentrockenfutter. Und natürlich Wasser. Igel dürfen weder Getreide, noch Nüsse zu sich nehmen, sagt Luzius. Und Sonnenblumenkerne können die Darmwand schädigen, woraufhin der Igel an inneren Blutungen zugrunde geht. Auch Erdnüsse sind gefährlich - weil sie in den Zähnen hängen bleiben. »Er kann nicht mehr kauen, kriegt eine Zahnentzündung, das riechen die Fliegen, die legen ihre Eier drauf, und das war es dann«, sagt Luzius.

So mancher zusätzliche Laubhaufen, so mancher abgesperrte Kellerschacht und so manche nicht gemähte Stelle können dafür sorgen, dass es den Igeln in der Wetterau besser geht - und die Igel-Retter weniger zu tun haben. Und wenn man einen Igel in Not entdeckt - oder einen, der tagsüber und damit zu ungewöhnlicher Zeit zu sehen ist - dann ist Eile geboten. Luzius sagt: »Bei Igeln gibt’s kein morgen, bei Igel gibt’s nur gleich.«

Kontakte und Spendenkonten

Zurzeit kümmert sich »Igelvadder« Otto Luzius um etwa zehn Igel. Im Winter sind es 20 bis 30. Luzius bekommt Tierchen aus einem Umkreis von rund 20 Kilometern gebracht. Er teilt sich die Arbeit mit seinen Mitstreiterinnen in der Region, zum Beispiel mit »Igelmama« Jutta Knierim-Haustein aus Wöllstadt und Steffi Riemer aus Weilmünster.

Wer Fragen zum Igel hat, kann sich jederzeit an Otto Luzius unter der Telefonnummer 01 76/54 87 29 47 oder per E-Mail an igelvadder@gmx.de wenden. Futter und Medikamente für Igel kosten Geld, weshalb Luzius auf Spenden angewiesen ist. Geld kann man auf folgendes Konto überwiesen: Otto Luzius, Stichwort »Igelhilfe«, Volksbank Mittelhessen, IBAN DE72 5139 0000 0090 1465 05. Auch Jutta Knierim-Haustein vom Verein »Igelmama« in Wöllstadt engagiert sich sehr für die kleinen Tierchen. »Ich bin seit letztem Jahr durchgängig überlastet«, sagt sie. Aktuell sind etwa 30 Igel bei ihr untergebracht. Knierim-Haustein ist erreichbar unter der Telefonnummer 0 60 34/84 05. Spenden kann man auf folgendes Konto: Igelmama e.V., Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE07513900000066511103.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare