Gernot Schäfer vom Ortsbeirat zeigt auf die Stelle, an der die Querungshilfe entstehen sollte, damit Schüler gefahrlos über die Rödger Hauptstraße gehen können. Doch die Pläne sind geplatzt. Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch ist verärgert, weil die Prüfung drei Jahre gedauert hat.	FOTO: NICI MERZ
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Gernot Schäfer vom Ortsbeirat zeigt auf die Stelle, an der die Querungshilfe entstehen sollte, damit Schüler gefahrlos über die Rödger Hauptstraße gehen können. Doch die Pläne sind geplatzt. Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch ist verärgert, weil die Prüfung drei Jahre gedauert hat. FOTO: NICI MERZ

Querungshilfe kommt nicht

Warten auf den sicheren Schulweg in Rödgen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Kürzlich gab es in Rödgen Grund zu Freude, denn der Erweiterungsbau der Wettertalschule wurde eingeweit. Doch es gibt einen Wermutstropfen: Nach wie vor existiert kein sicherer Schulweg.

Die Wettertalschule in Rödgen wächst und wächst. In den letzten Jahren hat die Zahl der Grundschüler von 60 auf deutlich über 100 zugenommen. Künftig werden sieben Klassen gebildet. Sie haben dank des Erweiterungsbaus, der Mitte Mai fertiggestellt wurde, genügend Platz.

Der Grund für die deutliche Steigerung ist in erster Linie in der Kernstadt zu suchen, denn seit geraumer Zeit werden in Rödgen auch Grundschüler aus dem Goldstein-Wohngebiet in Bad Nauheim unterrichtet. Es handelt sich um rund 60 Kinder, die vom Goldstein am Sportplatz von Rödgen vorbei bis zur Schule laufen. Deren Eltern sind verärgert, warten sie doch seit mehr als drei Jahren vergeblich auf eine Querungshilfe in der Rödger Hauptstraße.

Vor allem vormittags, wenn die Schüler auf dem Weg zum Unterricht sind, wird die Hauptdurchgangsstraße von vielen Pendlern befahren. Gerade für jüngere Schüler ist es dann gefährlich, die Straße zu überqueren. Die Jungen und Mädchen sind deshalb in Gruppen unterwegs, begleitet von Eltern. Das ist nach Aussage von Elternbeirätin Martina Exeler nicht gewollt, eigentlich sollten Kinder lernen, alleine über die Straße zu gehen. Der Schulweg sei aber nicht sicher genug.

Ortsvorsteherin ist verärgert

Nicht nur die betroffenen Eltern, auch Mitglieder des Ortsbeirats Rödgen-Wisselsheim sind sauer. Spätestens seit einer Nachricht, die Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch einen Monat vor Eröffnung des Erweiterungsbaus aus dem Rathaus erhielt. Danach sind die Pläne für die Querungshilfe auf der K 173 am Ortsende in Richtung Wisselsheim geplatzt. Weil der geplante Standort knapp außerhalb der geschlossenen Ortschaft liegt, ist der Wetteraukreis gemeinsam mit Hessen Mobil für die Realisierung zuständig. Hessen Mobil hat die Stadtverwaltung kürzlich wissen lassen, dass die Straße nicht breit genug sei, um dort eine Querungshilfe zu errichten.

»Drei Jahre sind bis zu diesem enttäuschenden Ergebnis ins Land gegangen. Das ist ein Unding«, sagt Babitz-Koch. Die Abmessungen der Straße hätten ihrer Ansicht nach längst ermittelt werden können, um dann eine Alternative ins Auge zu fassen. Eine Verbreiterung ist nicht möglich, weil am Rand der östlichen Straßenseite eine etwa 60 Meter lange Stützmauer steht.

»Durch nicht nachvollziehbare Abstimmungsprobleme zwischen Stadt und Hessen Mobil ist immer noch keine Lösung in Sicht«, kritisiert die Ortsvorsteherin.

Fahrbahn ist zu schmal

Bürgermeister Klaus Kreß hätte sich ebenfalls eine schnellere Problemlösung gewünscht, sieht aber keine Schuld bei der Stadt. »Hätten wir alleine zu entscheiden, wäre die Querungshilfe längst gebaut«, sagt er. Die Abstimmung mit dem Kreis und Hessen Mobil zur Sicherung des Schulwegs laufe seit 2018. Laut Kreß hat die Stadt die Planung selbst vorgenommen und die Unterlagen Anfang 2019 an Hessen Mobil weitergeleitet. Der ablehnende Bescheid sei erst ein gutes Jahr später im Rathaus eingegangen. »Die Querungshilfe muss 2,50 Meter breit sein, die beiden Fahrbahnen jeweils 3,75 Meter. Es fehlen aber jeweils 25 Zentimeter«, sagt Kreß. Nach Ansicht des Bürgermeisters könnte die Querungshilfe trotzdem installiert werden, wenn Hessen Mobil den Ermessensspielraum nutze. Das sei aber abgelehnt worden.

Wie eine Sprecherin von Hessen Mobil einräumt, sei der endgültige Bescheid zu spät verschickt worden. Ein Ermessensspielraum bestehe nicht. Denn letztlich sei die Straße einen Meter zu schmal. Würde trotzdem eine Querungshilfe angebracht, könnten die Fahrzeuge des Winterdienstes nicht mehr passieren.

Die Stadt strebt nach den Worten des Rathauschefs jetzt den Bau einer Bedarfsampel an, damit die Grundschüler die Straße gefahrlos überqueren können. Ob es dazu noch in diesem Jahr kommt, sei offen. Die Investitionssumme werde von 70 000 auf rund 100 000 Euro steigen. Eine Abstimmung mit anderen Behörden scheint in diesem Fall nicht notwendig zu sein. Nach Auskunft der Hessen-Mobil-Sprecherin entscheidet allein die bei der Stadt angesiedelte Straßenverkehrsbehörde darüber, ob eine solche Ampel installiert werde. Hessen Mobil müsse lediglich angehört werden und sei für die Bauausführung verantwortlich.

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