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Auf Warnsignale reagieren

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Bad Nauheim (pm). Die Fragen sind vielfältig gewesen bei der Telefonaktion Schlaganfall, die das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) in Kooperation mit der WZ im Vorfeld des heutigen Welt-Schlaganfall-Tages angeboten hat.

Wie sind die Anzeichen eines Schlaganfalls? Hat ein Patient mit Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden? Ab wann ist ein Bluthochdruck behandlungsbedürftig? Welche Risikofaktoren gibt es? Welche Nebenwirkungen haben blutdrucksenkende Medikamente? Prof. Dr. Tibo Gerriets, Chefarzt der Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) am Bürgerhospital Friedberg, gab den Anrufern aus dem gesamten Wetteraukreis Antworten.

Bis zu 250 000 Menschen erleiden pro Jahr allein in Deutschland einen Schlaganfall, 75 000 Menschen sterben in der Akutphase. Damit ist der Schlaganfall zur zweithäufigsten Todesursache geworden. Bei wem der Schlaganfall nicht direkt zum Tod führt, der leidet häufig an bleibenden Folgen; bundesweit ist eine Million Menschen nach einem Schlaganfall behindert. Bereits jetzt belastet der Schlaganfall einschließlich seiner Folgeerkrankungen das deutsche Sozialsystem mit jährlichen Ausgaben von sechs Milliarden Euro – mit drastisch steigender Tendenz.

Ursachen von Schlaganfällen sind laut Gerriets Durchblutungsstörungen und Hirnblutungen im Verhältnis 4:1. Durchblutungsstörungen werden ausgelöst, wenn ein Thrombus (Blutgerinnsel) eine Hirnarterie verstopft. Ihren Ausgangspunkt haben die Thromben in der Regel entweder in einer Arteriosklerose (»Verkalkung«) der Halsschlagader oder im Herzen. Hauptrisikofaktoren für das Entstehen einer Arteriosklerose sind – neben den individuell nicht beeinflussbaren Faktoren Alter, Geschlecht und Vererbung – Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, erhöhtes Cholesterin und regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum. Als das bekannteste der Schlaganfall-Warnsymptome nannte Gerriets auf Anfrage die Lähmung einer Gesichtsseite mit dem »schiefen Mund«. Vielen sei auch die Bedeutung eines Taubheitsgefühls oder einer Lähmung bzw. einer Ungeschicklichkeitsneigung (Fallenlassen von Gegenständen etc.) auf einer Körperseite vertraut. Deutliche Verwechslungsgefahren mit anderen Erscheinungsbildern wie Trunkenheit oder Demenz bestünden bei den Warnsignalen Sprachstörung und Fallneigung beziehungsweise Gang-Unsicherheit, erklärte Gerriets. Für die Umgebung eines Betroffenen seien Sehstörungen wie eine seitliche Gesichtsfeldeinschränkung oder die einseitige Erblindung schwer zu erkennen. Der Experte riet allen Anrufern eindringlich dazu, im Zweifelsfall einen Notarzt zu rufen.

Die Einrichtung der elf Betten umfassenden Stroke Unit am Bürgerhospital Friedberg sei Ausdruck der bundesweit gewachsenen Erkenntnis, dass das flächendeckende Vorhandensein solcher Spezialabteilungen für die Behandlung von Schlaganfällen trotz hoher Kosten richtig sei. Als Beleg hatte der Neurologe konkrete Zahlen parat: Die Behandlung eines Patienten in einer Stroke Unit erhöhe dessen Überlebenswahrscheinlichkeit um 25 Prozent und senke das Risiko von Tod oder gravierenden Folgeschäden sogar um 31 Prozent.

Auffällig war die Sorge vieler Anrufer wegen möglicher Nebenwirkungen von Medikamenten. Ihnen riet Gerriets, sich von den Inhalten der Beipackzettel nicht irritieren zu lassen, auf keinen Fall eigenständig Medikamente abzusetzen, sondern stattdessen – etwa bei Verdacht auf eine Nebenwirkung – sich beim Hausarzt Rat zu holen. »Die meisten vermuteten Nebenwirkungen sind nach meinen Erfahrungen Missverständnisse oder Fehlinterpretationen«, sagte Gerriets.

Eine Broschüre zum Thema Schlaganfall kann unter www.gz-w.de als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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