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Eine der Stationen der Waldpark-Exkursion ist die Wilbrand-Hütte.

Waldpark soll zum Kurwald werden

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Bad Nauheim (pm). Die Bürgerinitiative (BI) Waldpark Skiwiese und Bürgermeister Klaus Kreß hatten Interessierte eingeladen, sich über erledigte und geplante Maßnahmen im Zuge des Waldpark-Pflegewerks zu informieren. Kreß betonte die Bedeutung der Waldanlagen für Bad Nauheim und bestätigte das Engagement der Stadt zur denkmalgerechten Wiederherstellung wichtiger Gestaltungselemente des Waldparks.

Dabei würdigte er auch die wichtige Rolle der BI.

Deren Vorstandsmitglied Martin Lenser blickte in die Geschichte des Waldparks, die auf eine Initiative des Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt zurückgeht. Der Waldpark wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Bindeglied zwischen dem »menschengemachten« Kurpark und dem »natürlichen« Wald geschaffen. Bei der Planung war dem Großherzog die Waldästhetik besonders wichtig. Er hatte klare Vorstellungen von mächtigen alten Bäumen in einer hallenartigen Waldstruktur, einer in Form und Farbe abwechslungsreichen Bepflanzung der Waldränder und der Inszenierung der Landschaftselemente Wald, Wiese, Hütten, Solitärbäume.

Wegesystem auf medizinischer Basis

Diese waldästhetischen Gestaltungsmerkmale gerieten in den vergangenen 100 Jahren - auch aus finanziellen Gründen - mehr und mehr in den Hintergrund. Mittlerweile sind die Bad Nauheimer Waldanlagen ein Kulturdenkmal, Waldpark und Skiwiese stehen zusammen mit Altstadt und Kuranlagen unter Denkmalschutz. Für Erhalt und Rekonstruktion historischer Ausstattungselemente an einigen Hütten, die Instandsetzung des ursprünglichen Terrain-Wegesystems und die denkmalgerechte Umgestaltung des Hüttenumfeldes durch Neupflanzung und Freistellen markanter Einzelbäume seien im Haushaltsplan der Stadt durchschnittlich 100 000 Euro pro Jahr vorgesehen, schreibt die BI in ihrer Pressemitteilung.

Steffen Schneider, Leiter des städtischen Kur- und Servicebetriebs, möchte das Potenzial des Waldparks verstärkt auf neue Formen des Gesundheitstourismus ausrichten und strebt eine Zertifizierung als Kurwald an. Immer häufiger, so stellte er fest, streben Bad Nauheimer und Gäste aus dem stark besuchten Kurpark in die Ruhe des Waldparks. Schneider verwies darauf, dass das ausgeklügelte Wegesystem nicht nur ästhetischen Prinzipien folge, sondern schon 1896 auf Basis medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse angelegt worden sei.

Gesunde Bäume sollen bleiben

An der Pilzhütte informierten Peter Heumüller und Matthias Mroncz vom Fachdienst »Stadtplanung« der Stadt Bad Nauheim über den Stand der bisherigen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Waldparkpflegewerk. Das Dach wurde in Zusammenarbeit mit einer Berufsschule denkmalgerecht renoviert. Außerdem wurden die Einrichtung der Hütte und die Wege inklusive der Stufen erneuert. Markante Einzelbäume sind bereits freigestellt und unerwünschtes Unterholz - der ursprünglichen Gestaltung entsprechend - entnommen worden.

Weitere Stationen der Wanderung waren die Frauenwald- und die Wilbrand-Hütte. Für die Hütten sind Rekonstruktions- und Reparaturarbeiten vorgesehen. So müssen verwitterte Hölzer in historischer Bauweise und das Zugangsgeländer der Frauenwald-Hütte ersetzt werden. Die Wilbrand-Hütte erhält wieder den nördlichen Weg, der in der Vergangenheit überwachsen gewesen ist. An beiden Standorten sollen markante Einzelbäume und die Bänke freigestellt sowie, dem historischen Vorbild folgend, ein Strauchsaum bepflanzt werden.

Alle Teilnehmer waren sich allerdings einig, dass gesunde Bäume, auch wenn sie nicht hundertprozentig dem historischen Vorbild entsprechen, bestehen bleiben. »In Zeiten von Waldschäden, die auf Trockenheit bzw. Klimaveränderung zurückzuführen sind, ist die Entnahme gesunder Bäume, auch wenn es das historische Vorbild des Waldpark-Pflegewerks vorsieht, nicht vermittelbar«, sagte Heumüller.

Er und Matthias Mroncz erklärten an der Thaler-Hütte und an der Elseruh, dass ähnliche Maßnahmen wie in den zuvor besuchten Hütten vorgesehen seien. So sei beispielsweise der erodierende Hangbereich der Thaler-Hütte mit einer Trockenmauer aus heimischem Naturstein zu sichern.

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