Frische Produkte im Früchtehaus: Hüseyin Hamalci bedient in dem Bad Nauheimer Laden eine Kundin. Eine Erfahrung aus der Corona-Krise: Kunden betreten hier schon von sich aus das Geschäft nur einzeln.	FOTOS: NICI MERZ
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Frische Produkte im Früchtehaus: Hüseyin Hamalci bedient in dem Bad Nauheimer Laden eine Kundin. Eine Erfahrung aus der Corona-Krise: Kunden betreten hier schon von sich aus das Geschäft nur einzeln. FOTOS: NICI MERZ

Shoppen in Bad Nauheim

Vorsicht, Kreativität und Ärger: einkaufen und verkaufen in Corona-Zeiten

  • vonHedwig Rohde
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Geschäftsleute in Bad Nauheim beweisen angesichts der Corona-Auflagen viel Kreativität. Manche Kunden sind mit den Beschränkungen aber nicht einverstanden.

In einem großen Supermarkt: Ein etwa 45-jähriger Mann steht mit drei Tiefkühlpizzen an der Kasse. Auf die Anmerkung einer Kassiererin, er hätte den Markt eigentlich nur mit Einkaufswagen betreten dürfen, reagiert der Mann ablehnend und aggressiv, lässt im Verlauf des kurzen Gesprächs seine ganze Wut über die geltenden Beschränkungen an der Markt-Mitarbeiterin aus. Nachdem sich zwei weitere Kundinnen eingemischt haben, verlässt der Mann erzürnt den Markt und brummelt vor sich hin.

Hygiene-Verweigerer sind selten, aber keine Einzelfälle. Da gibt es die Ehepaare, die nicht einsehen wollen, dass jeder von ihnen einen Einkaufswagen braucht. Da gibt es diejenigen, die sich lauthals über fehlende Desinfektionsspender beschweren, weil sie die vor dem Eingang bereitgestellten Utensilien offenbar übersehen haben. Und da gibt es die ältere Frau, die beim Einkauf in einem kleinen Laden den Mund-Nasen-Schutz verweigert - mit der Begründung, sie bekomme darunter keine Luft.

Ein Rundgang durch die Bad Nauheimer Fußgängerzone an Tag drei der Mundschutzpflicht zeigt sowohl die Kreativität der Geschäftsleute bei der Umsetzung der Auflagen, als auch das Verständnis der meisten Kundinnen und Kunden, die unterwegs sind. Viele sind es nicht - ob aus Angst vor einer Ansteckung oder wegen ihres Unmuts über die Beschränkungen, darüber darf spekuliert werden.

Türsteher wacht über Kundenzahl

Isabell Bornmann steht hinter dem Tresen von Benetton in der Alicestraße. Im Laden ist es ruhig, Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind hier kein Problem. Funktioniert hat das auch am Montag, dem ersten Tag der Lockerung und dem einzigen Tag in dieser Woche, in dem mehr Kunden gekommen sind.

Bei Douglas sorgt ein Türsteher dafür, dass nicht mehr als fünf Kunden gleichzeitig den Laden betreten. Kontrolliert wird mithilfe von fünf Einkaufskörben, die an der Tür bereitstehen und deren Mitnahme für jeden Eintretenden Pflicht ist: kein Korb, kein Eintritt. Desinfektionsmittel steht ebenfalls am Eingang bereit.

Im Geschäft erwartet die Kundinnen ein reduzierter Service: »Wir dürfen nicht schminken, und es gibt auch keine Testung von Produkten im Gesicht, höchstens auf der Hand«, erläutern Jaqueline Stein und Silke Hofmann. Sie selbst tragen ihren gebrandeten Mund-Nasen-Schutz und wundern sich über die etwa zehn Prozent ihrer Kunden, die ohne dieses neue »Must Have« den Laden betreten wollen. Ihre Arbeit hat sich verändert, aber sie kommen damit zurecht: »Wir sind gut vorbereitet!«

In ihrem kleinen »Früchtehaus« freut sich Elif Hamalci über jede Kundin. Auch in den vergangenen Wochen durfte sie als Lebensmittel-Anbieter öffnen, aber es war so wenig los, dass es sich nicht immer lohnte. Jetzt wacht ihre Schwägerin am Eingang, »aber das ist gar nicht notwendig. Die Kunden haben Angst, und wenn schon einer im Laden steht, kommt der nächste gar nicht rein«, schildert die Geschäftsfrau.

Christina Baumgärtner und ihre Kollegen in der Buchhandlung am Park warten noch auf den bestellten Spuckschutz für den Tresen. Unterdessen behelfen sie sich mit Transportkisten: Vor der Kasse bis Hüfthöhe gestapelt, sorgen diese problemlos für den geforderlichen Eineinhalb-Meter-Abstand. 20 Nummernkarten am Eingang - nach jedem Gebrauch desinfiziert - steuern hier den Kundeneintrittt. Ein zweiter Zugang durch das Treppenhaus des Gebäudes dient jetzt als separater Ausgang.

Die Sitzgruppe ist abgesperrt

Im Laden ist einiges los. »Über den spontanen Ausruf einer Kundin: ›Ich habe Sie so vermisst‹ haben wir uns sehr gefreut«, erzählt die Buchhändlerin. Viele sind auf der Suche nach neuer Lektüre für die freie Zeit zu Hause, doch für das übliche Stöbern nehmen sich die meisten keine Zeit. »Die Verweilqualität ist nicht so gegeben«, sagt Baumgärtner auch mit Verweis auf die abgesperrte Sitzgruppe. Und beim Gedanken an die liebevoll konzipierten Veranstaltungen, die nun erst einmal ausfallen, sagt sie: »Da blutet mir wirklich das Herz.«

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