Für Timo Neeb (r.) und sein Team in der Abteilung Einkauf um Marc Ortwein (l.) und Nicola Comodari dreht sich der Alltag derzeit vor allem um die Beschaffung von Schutzartikeln. 	FOTO: PM
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Für Timo Neeb (r.) und sein Team in der Abteilung Einkauf um Marc Ortwein (l.) und Nicola Comodari dreht sich der Alltag derzeit vor allem um die Beschaffung von Schutzartikeln. FOTO: PM

»Viel Wucher, aber auch Solidarität«

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Bad Nauheim/Friedberg (pm). »Bei uns ist es derzeit wie auf einem Basar«, sagt Timo Neeb. Der 39-Jährige ist Leiter Einkauf im Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) und hat schon normalerweise alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit seinem Team stellt er die Versorgung der GZW-Krankenhäuser in Bad Nauheim, Friedberg und Schotten mit den Verbrauchsmaterialien sicher, die für Pflege und Behandlung der jährlich 25 000 stationären und 50 000 ambulanten Patienten benötigt werden.

25-mal so teuer wie üblich

Seit Beginn der Corona-Krise geht das normale Tagesgeschäft zwar weiter, doch fokussiert sich Neebs Tätigkeit notgedrungen auf einen Teil-Aspekt seines üblichen Aufgabengebiets: die Beschaffung von Schutzmaterialien für Mitarbeiter und Patienten. Schutzmasken und -brillen, Virenschutzkittel, Überschuhe und Desinfektionsmittel sind Mangelware geworden und auf dem deutschen Markt derzeit »sehr schwierig zu beschaffen. Wenn wir etwas bekommen, dann nur zu horrenden Preisen«, berichtet Neeb.

Schutzkleidung ist für Ärzte und Pflegekräfte im täglichen Umgang mit infizierten Patienten unumgänglich - ganz unabhängig von Corona. Im Einkauf kooperiert das GZW mit einem überregionalen Logistikzentrum, das eine Reihe von Kliniken beliefert. »Die aktuell geforderten hohen Mengen an Schutzartikeln kann das Zentrum nicht liefern. Wir bestellen, erhalten aber meist nur reduzierte Mengen«, erläutert Neeb.

Aktuell zehren die GZW-Krankenhäuser noch von einem Lagerbestand, der in weiser Voraussicht bereits vor zwei Monaten sicherheitshalber aufgebaut worden ist. »Damit können wir jetzt das aufstocken, was an den zweimal wöchentlichen Lieferungen fehlt.« Ein besonderes Problem ist der Mangel an FFP2-Masken, die bei Infektionskrankheiten wie Corona für den Schutz der Ärzte und Pflegekräfte im direkten Patientenkontakt notwendig sind. »Das ist der Artikel, um den sich unser Tagesgeschäft aktuell vor allem dreht«, berichtet der Einkaufsleiter. Nach dem Prinzip »Angebot und Nachfrage« sind die Preise für diese Masken zuletzt durch die Decke gegangen: Auf einen Stückpreis von zehn Euro und damit auf das 25-Fache des üblichen Preises von 40 Cent.

Neeb sucht seit Wochen auch außerhalb des Logistikzentrums nach Liefermöglichkeiten. Immer wieder würden sich einzelne Anbieter melden, »dann aber oft zu Fantasiepreisen«, wie es in einer Pressemitteilung des GZW heißt. »Letzte Woche bekamen wir ein Angebot, Stückpreis 18,50 Euro. Glücklicherweise sind wir auf diesen Wucher aktuell nicht angewiesen«, erzählt Neeb. Manche Anbieter verlangen Vorkasse - hier verzichtet der 39-Jährige ebenfalls gerne, weil er nicht potenziellen Betrügern aufsitzen will. Jetzt ist Nachschub aus China angekündigt, die Preise beginnen langsam zu sinken.

Masken aus dem 3D-Drucker

In der Krise sind aber nicht nur Wucherer aktiv, es gibt auch beeindruckende Zeichen von Solidarität aus dem regionalen Umfeld. Die FAB, die den Betrieb der noch bis Ende März angemieteten Küche im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim krisenbedingt einstellen musste, hat dem GZW ihre Vorräte an Mundschutzmasken geschenkt. Und Oliver Mulfinger, selbstständiger Anbieter für Fräs- und Gravierarbeiten im Vogelsberg, lässt seinen 3-D-Drucker seit Tagen 16 Stunden täglich laufen und produziert wiederverwertbare Vollgesichtsschutzmasken für die Krankenhäuser. Die ersten 50 Stück liefert er kostenlos, für alle weiteren wird er nur den Materialwert berechnen.

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