Einen Puppenvirus im Gehirn: Tim Becker wollte eigentlich schon Ende März im Theater am Park auftreten. Wegen Corona wurde nichts daraus. Jetzt nimmt Becker das Virus in sein Programm auf. FOTOS: HAR
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Einen Puppenvirus im Gehirn: Tim Becker wollte eigentlich schon Ende März im Theater am Park auftreten. Wegen Corona wurde nichts daraus. Jetzt nimmt Becker das Virus in sein Programm auf. FOTOS: HAR

Viel Applaus zum Neustart

  • vonHarald Schuchardt
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Bad Nauheim(har). Nun ist auch für das Theater am Park die Corona-Zwangspause vorbei. Mit gleich fünf Vorstellungen begann am Wochenende die erste Saison unter Corona-Bedingungen, aber auch die erste Spielzeit ohne Theaterchef Ulrich Rhein, der im Juni unerwartet verstorben ist.

Bis Ende des Jahres fungiert dessen Ehefrau Dolores als Theaterleiterin, während Rheins langjährige Mitarbeiterin Doreen Faulstich die kommissarische Leitung übernommen hat. In den letzten Monaten wurde ein Konzept, das die geltenden Hygiene- und Abstandregeln beinhaltet, erarbeitet, sodass am Freitagabend Comedian Thomas Fröschle die "Corona-Saison" mit seinem Programm "Ende Legende" eröffnen konnte.

Provinzdiva mit Frankfurter Platt

Die Besucher erlebten einen vergnüglichen Abend, in dem der investigative Comedian - wie er sich selbst bezeichnet - mit viel Witz erklärt, wo und wie wir alle im Alltag getäuscht werden. Die verblüffenden Erkenntnisse des Comedian und Entertainers, kam bei den Zuschauern bestens an.

Da nur maximal 50 Besucher pro Vorstellung zugelassen sind, absolvierte "Ihne Ihre 3 Faltigkeit" am Samstag gleich zwei Vorstellungen. Die "vollendete hessische Weiblichkeit" schaffte es einmal mehr mit ihrer Mundart-Comedy die Besucher in einen wahren Lachrausch zu versetzen. Wenn sich die Provinzdiva Rotraud Reußwig aus "Katholisch Willeroth", "Sahnestücksche" Hiltrud aus Hanau und das "Frankfurter Schlappmaul Hilde aus Bornheim" verbal duellieren, bleibt einfach kaum ein Auge trocken, auch bei Nicht-Hessen.

Den Abschluss des "Comeback-Wochenende" im Theater am Park gestaltete mit zwei Auftritten Bauchredner Tim Becker am Sonntag. Dessen "Puppenvirus", so der Titel seines aktuellen - schon lange vor Covid-19 geschriebenen - Programms, ist allerdings völlig ungefährlich, wenn man mal von einer Überstrapazierung der Lachmuskeln absieht. Glücklicherweise blieb der Puppenvirus in Beckers Gehirn, durch das dieser in einem Traum spazierte. Seine Begegnung mit dem einäugigen, intelligenten und gutmütigen grünen Virus wurde zum fröhlichen Schlagabtausch, wobei der Virus mit seinen "fundierten" Lateinkenntnissen überraschte.

"Dein Gehirn ist zu eng für uns beide", stellte das Virus fest. Doch Becker reiste weiter durch seine Gehirnwindungen, traf eine Eintagsfliege, die mit Vornamen Dienstag und mit Nachnamen "fast Mittwoch" heißt.

Auch eine Ratte namens "Konstantin Opel" aus der Berliner Kanalisation hatte sich in seinem Gehirn ebenso eingenistet wie die nicht ganz fertige "chinesische Puppe Roh Ling aus feinstem Kaschmir-Polyester." Und im Langzeitgedächtnis feiert Becker ein Wiedersehen mit Urgroßtante Gundula Rademacher, bei der "Amazon noch Otto-Katalog" hieß.

Schließlich verwandelte sich der Puppenspieler in sein altes Ego, den Zauberer Umeno aus Sachsen und auch ein Einhorn tauchte auf. Schließlich zauberte Becker das schlecht gelaunte Kaninchen "Karl K. Ninchen" aus dem Hut, bevor er aus seinem Traum mit ganz verschiedenen wundervollen und skurrilen Charakteren erwachte.

Mit dem Verlauf der ersten Veranstaltungen sowie der Resonanz bei Besuchern und Künstlern war Doreen Faulstich mehr als zufrieden. "Unser Konzept mit Datenerfassung, Mundschutz tragen bis zum Platz und den Vorstellungen ohne Pause ging voll auf," freut sich Faulstich und ergänzt: "Das Publikum ist sehr diszipliniert." "Das haben die hier sehr gut gemacht, vor allem gibt es viel frische Luft", lobt Besucherin Elke Geck aus Bad Nauheim das Konzept und freut sich schon auf den nächsten Besuch. Ein kleiner Wermutstropfen gab es jedoch für Faulstich: "Etliche Besucher, die schon Karten im Vorverkauf erworben haben, sind einfach nicht gekommen, warum, weiß ich nicht."

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