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Eindeutiger Hinweis: Auf dem Privatgrundstück der Stiftung Sprudelhof gilt Halteverbot. Trotzdem wird an dieser Straße immer wieder von Personen geparkt, die dazu nicht berechtigt sind.

Im Sprudelhof

Park-Ärger am Sprudelhof in Bad Nauheim: Abschleppen als Abzocke?

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Das Sprudelhof-Gelände wird trotz Verbot von manchen Autofahrern gerne als kostenloser Parkplatz genutzt. Dagegen geht die Stiftung Sprudelhof als Eigentümer seit dem Sommer rigoros vor.

Bad Nauheim - Mit Herzproblemen hat sich Uwe Hantel aus Schlitz in der Kerckhoff-Klinik behandeln lassen. OP und Reha waren erfolgreich, doch an den Auftakt seines Aufenthalts in Bad Nauheim denkt er ungern zurück. Sein Auto, das im Sprudelhof abgestellt war, wurde abgeschleppt. Kostenpunkt: 310 Euro.

Hantel war am 6. Juli mit seiner Partnerin nach Bad Nauheim gefahren, um sich untersuchen zu lassen. »Wir waren unter Zeitdruck. Weil das Parkdeck wegen einer Impfaktion voll war, haben wir an der Straße geparkt, die um den Sprudelhof herumführt«, erzählt der Kerckhoff-Patient. Das Schild - es zeigt Halteverbot auf dem Privatgrundstück, gedroht wird mit kostenpflichtigem Abschleppen - habe er nicht dieser Straße zugeordnet, zumal dort weitere Wagen gestanden hätten.

Sprudelhof Bad Nauheim: Polizei wusste von nichts

Hantel ging um 9 Uhr in die Klinik, seine Partnerin blieb im Auto. Um 13.10 Uhr rief ihr Lebensgefährte an: Die Untersuchung war abgeschlossen, er stand aber noch unter Narkoseeinfluss. Deshalb lief die Frau um 13.10 Uhr zur Klinik. Als das Paar wenig später zurückkehrte, war der Pkw verschwunden. Vermutung des Halters: Der Abschleppwagen habe im Sprudelhof gestanden, seine Partnerin sei aber von dessen Besatzung nicht aufgefordert worden wegzufahren. Vielmehr sei auf den passenden Moment gewartet worden, um Kasse zu machen.

45 Minuten dauerte die Recherche zum Verbleib des Wagens. »Die Firma hätte die Polizei informieren müssen, was versäumt wurde. Den richtigen Tipp haben wir vom Ordnungsamt erhalten«, erzählt Hantel. Das Auto stand bei einer Firma in Friedrichsdorf, mit der die Stiftung Sprudelhof zusammenarbeitet. Das Duo aus Schlitz fuhr mit dem Taxi dorthin, was etwa 30 Euro kostete, und musste 280 Euro fürs Abschleppen zahlen.

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Sprudelhof Bad Nauheim: Kritik an der Stiftung

Die Vorgehensweise der Firma sei fragwürdig. »Das stinkt gewaltig«, meint Hantel. Es handele sich um Abzocke, sonst wäre nicht unmittelbar nach dem Aussteigen seiner Partnerin abgeschleppt worden. Trotz mehrfacher Bitte habe er keine Fotodokumentation erhalten, und die Polizei sei nicht benachrichtigt worden. »Zu beidem war die Firma verpflichtet.«

Weiterer Kritikpunkt: Als Privateigentümer, der von seinem Grundstück abschleppen lasse, müsse die Stiftung den Auftrag vorfinanzieren und sich das Geld vom Kfz-Halter zurückholen. Das sei nicht geschehen. Juristen bestätigen, dass eine solche Verpflichtung des Eigentümers besteht. Hantel wollte mit Stiftungs-Geschäftsführer Frank Thielmann reden, sei aber kurz abgefertigt worden.

Der Mann aus Schlitz hat die Lage im Sprudelhof während seiner Reha im Auge behalten. Ständig stehe dort ein Abschleppwagen. Am 27. September beobachtete Hantel, wie eine Frau an derselben Stelle parkte und ausstieg. Fünf Minuten später sei abgeschleppt worden.

Betroffen war Christel Schmidt aus Florstadt, die sich ebenfalls bei der WZ meldete. Sie weiß vom Halteverbot, hat dort trotzdem öfter kurz geparkt. »Es gab nie Probleme, doch diesmal war mein Auto sofort weg.« Sie fragt sich unter anderem, warum die Stiftung einen Hochtaunus-Abschleppdienst beauftragt, was die Kosten deutlich erhöhe.

Rigoroses Vorgehen gegen Parksünder am Sprudelhof Bad Nauheim

Zu beiden Fällen will Thielmann nichts sagen, bestätigt aber die rigorose Vorgehensweise. »Seit dem Sommer wird verschärft abgeschleppt«, sagt der Stiftungs-Geschäftsführer. Hauptgrund seien die Bauarbeiten im Sprudelhof. Für beteiligte Firmen und Behörden werde viel Parkraum benötigt. »Zudem bezahlen Mieter für ihren Parkberechtigungsschein. Sie haben einen Anspruch, im Gegensatz zu den Falschparkern.«

Früher habe die Stiftung mit einem Abschleppdienst aus der Wetterau kooperiert. Jetzt arbeite man mit den Friedrichsdorfern zusammen, die regelmäßig kontrollierten. Die Firma halte sich an die Vorgaben, informiere Polizei und Stiftung frühzeitig.

Laut Thielmann ist das konsequente Vorgehen notwendig. »In der Vergangenheit haben wir zunächst einen Zettel hinterlassen und das Abschleppen im Wiederholungsfall angekündigt. Das hat keine Wirkung gezeigt, außerdem ist der Aufwand zu hoch.«

Obwohl es rechtlich geboten ist, möchte Thielmann Abschleppkosten nicht vorfinanzieren und das Geld bei den Autobesitzern eintreiben. »Damit entstünden für Betroffene noch höhere Kosten, für Verwaltungsaufwand und gegebenenfalls für Anwaltshonorare.«

Politiker regen sich auf

Im Sprudelhof werden verbotswidrig geparkte Autos schon seit Jahren abgeschleppt, allerdings nicht so konsequent wie derzeit. In der Vergangenheit handelte sich Frank Thielmann, Geschäftsführer der Stiftung Sprudelhof, deswegen manchmal Ärger mit Politikern ein. So hatte sich im Dezember 2019 der ehemalige Bürgermeister Bernd Witzel, zu dieser Zeit Stadtverordneter, in seiner Funktion als Präsident der Weinfreunde vom Johannisberg zu Wort gemeldet. Der Verein war mit einem Stand beim Christkindlmarkt im Sprudelhof vertreten. Ein Mitglied, das am Sonntagabend beim Abbau half, hatte sein Auto am Rand des Sprudelhofs abgestellt - und war prompt abgeschleppt worden. Witzel regte sich auf: »Leider fällt Herr Thielmann immer wieder durch solche Maßnahmen auf, wobei sich uns die Frage stellt, ob dies mittlerweile zu seinem Hobby geworden ist.«

Als Stadtverordneter hatte Witzel auf die Praxis allerdings keinen Einfluss. Im Sprudelhof hat die Stiftung das Sagen, nicht die Stadt. Wie Thielmann jetzt bestätigte, habe es auch mal Ärger mit einem anderen Politiker gegeben, der dem Beirat der Stiftung Sprudelhof angehörte. Auch sein Wagen wurde abgeschleppt, worüber der Mann verärgert war. Thielmann: »Mitglieder von Gremien der Stiftung dürfen dort parken, wenn sie an einer Sitzung teilnehmen und im Büro Bescheid geben. In diesem Fall hat der Mann aber dort geparkt, um eine Veranstaltung der Musikschule zu besuchen. Dazu ist er nicht berechtigt.«

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