Nicole Bechmann hat bereits einen eigenen Podcast, indem sie über Alltagsprobleme und die Frage "Sind Sie unglücklich", spricht. Jetzt ist daran angelehnt das Buch "Die Finsternis in Dir" entstanden. FOTOS: HMS
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Nicole Bechmann hat bereits einen eigenen Podcast, indem sie über Alltagsprobleme und die Frage "Sind Sie unglücklich", spricht. Jetzt ist daran angelehnt das Buch "Die Finsternis in Dir" entstanden. FOTOS: HMS

Mut zur Veränderung

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). Immer wenn Benedikt merkt, dass er es beruflich mit Unzulänglichkeiten anderer zu tun hat, steigt in ihm die Wut hoch. Er fühlt, es muss sich was ändern. Aber was und wie? Benedikt ist der Protagonist in dem Büchlein "Die Finsternis in Dir" von Nicole Bechmann aus Steinfurth, das gerade erschienen ist. Es behandelt ein zeitloses Thema und ist eine Hilfe gerade in der Pandemie.

Dass ihr erstes Buch so den Nerv der Zeit treffen würde, hätte Nicole Bechmann nicht gedacht.

Die Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie und Traumatherapie hat einen eigenen Podcast, in dem sie Alltagsthemen anspricht und Tipps gibt. Aber dieses Thema mit dem Fokus "Sind Sie unglücklich?" nahm in ihren Gedanken kein Ende, sodass sie sich für die geschriebene Variante entschloss.

Bechmann, im Taunus geboren, entschied sich zunächst für den Beruf der Praxismanagerin, in dem sie viel Erfahrung sammelte; auch, wie man Menschen einzuschätzen lernt und Teams führt. Ihr Interesse für Psychologie brachte sie schließlich zu ihrem jetzt frei ausgeübten Beruf. Für sie war es die richtige Wahl.

Nicht nur Benedikt muss sich im Buch den Weg durch Selbstzweifel und Reflexion bahnen, sondern auch viele, die bei ihr Rat suchen. "Gerade in den Zeiten der Pandemie kommen unsere Ängste hoch. Einerseits sagen manche, das Virus gebe es nicht, andererseits erfährt man eine massive Bedrohung von Gesundheit und Existenz. Manchen Menschen nimmt Corona unglaublich viel. So bekommt eine Umarmung eine ganz neue Qualität.

Andere arbeiten am Limit bis zur Selbstaufgabe", sagt sie. Das biete aber die Chance, einmal auf sich selbst zu schauen:

Wo stehe ich, fühlt sich das, was ich tue, noch gut an? Sie weiß, dass die Menschen, die jetzt Hilfe suchen, ernsthaft etwas ändern wollen.

In ihrem Buch spielt Wut eine wichtige Rolle. Wut richte man sowohl im Berufs- wie im Familienleben oft gegen sich selbst, obwohl der Grund andere Menschen sind. Man fühlt sich dann unglücklich. Man müsse lernen, Probleme, die einem zugespielt werden, nicht anzunehmen. Das sei nicht einfach, denn: "Wir übernehmen Verhaltensmuster aus der Kindheit. Sie sind Teil unseres Lebens. Mir ist es aber wichtig, ins Jetzt zu schauen und die Chance zur Veränderung wahrzunehmen", sagt sie. Benedikt lernt zunächst auf sich und seine Wut zu schauen. Er entspannt im Modellflugclub, merkt, wie gut er sich fühlt. Er holt sich professionelle Hilfe und kehrt nach und nach zu sich selbst zurück. Am Ende weiß er, dass die Selbstständigkeit der richtige Weg für ihn ist.

Aber Veränderung in ohnehin risikoreichen Corona-Zeiten? Bechmann bleibt ehrlich: "Ich würde jetzt, selbst bei starkem Willen, niemandem zur Selbstständigkeit raten, wenn die Branche nicht passt."

Hilfe holen, das gilt auch für die Familien, die unter der Überbelastung von Homeoffice und Homeschooling, Kindernörgelei und Mehrfachbelastung an ihre psychischen Grenzen kommen. Es gebe sogar Hotlines für Kinder und Soziale Dienste, die Hausbesuche machen, erzählt sie.

Überhaupt ist das Thema Kinder und Erziehung, Grenzen setzen oder Freiheit gewähren ein sehr schwieriges und großes Thema für die Mutter zweier kleiner Töchter. Bechmanns Credo ist: "Wichtig ist zu wissen, wie kann ich mir helfen, dass es mir gut geht."

Und noch etwas lernt man aus dem Büchlein: Wenn gerade alles schiefgeht, ist das auch in Ordnung. Dann gilt es innezuhalten, sich die Zeit für den Schmerz und die Wut zu nehmen und sich dann selbst zu reflektieren - immer wieder. "Das ist das Leben. Garantie auf dauerhaftes Glücklichsein gibt es nicht", resümiert Bechmann.

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