Grabschändung

Vandalismus auf dem Friedhof Nieder-Mörlen

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Immer wieder Nieder-Mörlen. Dieser Bad Nauheimer Stadtteil ist bei Jugendlichen, die draußen feiern und Randale machen, in diesem Sommer besonders beliebt. Aktueller Fall ist der Friedhof.

Manfred Dorer (Name geändert, d. Red.) ist empört und mit ihm andere Bürger, die in der Nähe des Friedhofs von Nieder-Mörlen wohnen. Seit drei, vier Wochen, so die Schilderung von Dorer, trifft sich eine kleine Gruppe von Jugendlichen an einer Bank, die auf der Erweiterungsfläche für den Friedhof steht. Dort wird offenbar gefeiert und eifrig Alkohol gebechert, wie die Bierflaschenscherben beweisen, die dort in der Früh stets zu finden sind.

Doch damit nicht genug: Die Jugendlichen treiben auch auf dem Friedhof selbst ihr Unwesen. Sie lassen Grablichter und die dazugehörigen Laternen mitgehen, um sie zu zertrümmern. Zudem wird der Blumenschmuck mancher Gräber zertreten oder rausgerissen. "Das ist richtiger Vandalismus", ärgert sich Dorer. Er fragt sich, was in den Köpfen dieser Jungs vor sich geht. Jetzt ist er zum Ordnungsamt und zur Polizei gegangen. Auf eine Anzeige gegen unbekannt hat der Nieder-Mörlener jedoch verzichtet: "Das bringt ohnehin nichts." Auch andere Leute aus dem Stadtteil regten sich auf, etwa über Scherben auf den Wegen, hätten sich aber nicht an die Behörden gewandt. Stattdessen räumten die Anlieger morgens die Überreste der nächtlichen Party weg.

Wir haben unsere Sicherheitskräfte instruiert und die Polizei eingeschaltet

Erster Stadtrat Peter Krank

Dorer hat eine Vermutung, wo die vier bis fünf Jugendlichen, die er von Weitem gesehen hat, wohnen könnten. Nämlich ganz in der Nähe der Friedhofserweiterungsfläche, die nach den Vorstellungen der Stadt inzwischen eher als Baugebiet "Hempler II" vorgesehen ist. Den zuständigen Ersten Stadtrat Peter Krank erstaunen solche Aussagen in mehrfacher Hinsicht. Die Vermutung, wo die Täter wohnen könnten, habe Dorer gegenüber dem Ordnungsamt nämlich nicht geäußert. "Das wurde nicht an uns weitergegeben, obwohl es wichtig ist", sagt Krank. Er fragt sich außerdem, warum sich der erste verärgerte Anlieger erst am 3. September im Rathaus gemeldet hat, wenn der Vandalismus schon seit einigen Wochen zu beklagen sei.

Spielplatzproblem gelöst

Nach Aussage des Ersten Stadtrats hätten die Behörden bei früherer Information längst reagieren können. Weil Anlieger die Überreste des Vandalismus stets beseitigen, sei auch den Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung bislang nichts aufgefallen. "Wir werden der Sache nachgehen, haben unsere Sicherheitskräfte instruiert und die Polizei eingeschaltet", betont Krank. Mit den üblichen Partys junger Leute im Sommer seien diese Vorgänge nicht zu vergleichen. "Grabschändung hat eine andere Bedeutung und Qualität." Nach Angaben des Ersten Stadtrats nimmt das Rathaus solche Hinweise ernst und kümmert sich. Vandalismus auf einem Friedhof werde auf keinen Fall geduldet. Das Problem bezüglich des Spielplatzes an der Straße Am Haingraben, der im Hochsommer zum Jugendtreff mutiert war und für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist offenbar gelöst. "Wir haben kontrolliert und die Sache abgestellt. Der Ortsvorsteher von Nieder-Mörlen wurde informiert", sagt Krank. Es bleibe aber dabei, dass die Verwaltung im Sommer nicht an allen Plätzen, die für Freiluftfeiern infrage kommen, gleichzeitig Präsenz zeigen könne. Doch der Sommer ist – in diesem Fall glücklicherweise – aus meteorologischer Sicht ja bereits vorbei.

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Kurgast bricht vorzeitig ab

Im Sommer ist es in Bad Nauheim immer dasselbe. Viele Grünflächen und Bauwerke sind potenzielle Treffpunkte von Jugendgruppen, die in den Abend- und Nachtstunden mit Musik und Getränken ausgelassen feiern wollen. Werden sie von den zwei Streifen aus Sicherheitskräften, welche die Stadt jede Nacht einsetzt, von einem Ort verdrängt, suchen sich die Jugendlichen einen anderen. Das Spielchen kann von vorne beginnen. Sprudelhof, Trinkkuranlage, Steg am Großen Teich, Goldsteinpark – an diesen und etlichen anderen Stellen im Stadtgebiet gab es in den letzten Jahren Probleme. Bezüglich der Kernstadt war zuletzt wieder mal das Parkdeck Schwalheimer Straße in den Fokus gerückt. Die nächtliche Lärmbelästigung führte unter anderem dazu, dass sich ein Kurgast aus einer benachbarten Reha-Klinik zunächst massiv bei der Stadtverwaltung beschwerte und dann seinen Aufenthalt vorzeitig abbrach. (bk)

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