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In der Trinkkuranlage haben drei Briefwahl-Teams am Sonntagabend ganze Arbeit geleistet.

Trend Ortsbeiräte

UWG-Erdrutsch-Sieg in Nieder-Mörlen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Interessant ist der Blick auf Bad Nauheimer Ortsbeirat-Trends. Zwei Zwischenresultate lassen aufhorchen: Erdrutschsieg der FW/UWG in Nieder-Mörlen und Platz eins für die Grünen in der Kernstadt.

Im Gegensatz zu Friedberg lag in Bad Nauheim dank hervorragender Vorbereitung am Sonntag gegen 21 Uhr ein komplettes Trendergebnis vor. Grüne und die FW/UWG gingen als klare Wahlsieger hervor, wobei vor allem der starke Zuwachs der Umweltpartei überraschte. Am Tag danach war ein Blick auf die Stadtteil-Trends von Interesse. Wie sich kommunalpolitische Entscheidungen beim Ausfüllen des Stimmzettels auswirken können, zeigte sich vor allem in Nieder-Mörlen.

Dort feierten die Freien Wähler einen sensationellen Erfolg und räumten beim Trend für den Ortsbeirat 50.4 Prozent ab. Die FDP - wie die FW/UWG klar gegen die Bebauung des »Friedhofparks« - musste trotzdem Verluste von fast 3 Prozent hinnehmen (9,2). Deutliche Verlierer sind Parteien, die sich für die Wohnbebauung aussprachen oder - im Fall der CDU - einen Schlingerkurs steuerten. Selbst die Grünen, überall mit zweistelligen Resultaten, erreichten bei der Ortsbeiratswahl in Nieder-Mörlen nur 7,6 Prozent. Allerdings: Bislang war die Ökopartei dort gar nicht angetreten. Die Union verlor gut 9 Prozent, die SPD gar 12,5 Prozent. »Leider kam die Auseinandersetzung allein der UWG zugute«, bedauert FDP-Fraktionschef Benjamin Pizarro aus Nieder-Mörlen.

Englert bleibt wohl Ortsvorsteher

Ein geplantes Baugebiet beeinflusste auch den Wahlausgang in Schwalheim. Dort musste Ortsvorsteher Klaus Englert (FW/UWG), der sich für die Bebauung im Osten einsetzt, starken Gegenwind aushalten. Obwohl die Freien Wähler beim Ortsbeirat-Trend ein Minus von fast 16 Prozent hinnehmen mussten, bleiben sie mit 31,5 Prozent deutlich vorne. Englert dürfte somit Ortsvorsteher bleiben.

Ein weiteres Ortsbeirat-Resultat bedeutet fast eine Zeitenwende. Die Grünen vielleicht vorne in der Kernstadt - noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar. Die Umweltpartei griff 26,7 Prozent ab (plus 14,9) und liegt knapp vor CDU (25,8) und FW/UWG (25,1).

Bei den Ortsbeiratswahlen für Rödgen/Wisselsheim und Steinfurth, wo die Grünen nicht kandidierten, blieb die Reihenfolge fast unangetastet. In Steinfurth manifestierten die Freien Wähler ihre Ausnahmestellung und holten 64,9 Prozent (minus 0,3), CDU (17,0) und SPD (15,2) landeten unter ferner liefen. Die FDP war erstmals angetreten, kam nur auf 3 Prozent. In Rödgen/Wisselsheim bleibt die CDU vorne, was den Ortsvorsteher-Posten von Gisela Babitz-Koch gesichert haben dürfte.

Nur zwei Lichtblicke für SPD

Die SPD schnitt dort überraschend gut ab, legte 5,7 Prozent zu und wäre mit 29,9 Prozent fast stärkste Kraft geworden. In Steinfurth gelang der SPD ein Plus von 3,3 Prozent (15,2). »Das sind die einzigen Lichtblicke«, kommentiert Co-Vorsitzender Sinan Sert das Gesamtergebnis seiner Partei in Bad Nauheim. Nach ersten Analysen sieht er eine »Riesenwanderung« von der SPD zu den Grünen. »Dieser Trend ist derzeit kaum aufzuhalten.« Gerade bei jungen Familien, die nach Bad Nauheim ziehen, komme die SPD mit ihrer Ausrichtung auf soziale Themen (Beispiel: bezahlbarer Wohnraum) offenbar nicht an. Diesem Klientel gehe es wohl in erster Linie um Zukunftsthemen wie den Klimawandel.

Die Endergebnisse für Stadtparlament und Ortsbeiräte mit allen kumulierten und panaschierten Stimmen sind wahrscheinlich erst am Mittwoch zu erwarten. »Es gab heute morgen aufgrund der Überlastung mehrere Abstürze der Server im hessischen Rechenzentrum«, sagte der stellvertretende Wahlleiter Carsten Grotegut am Montagnachmittag. Das führe zu Verzögerungen. Vor allem Union und FDP hoffen noch auf starke Verschiebungen zu ihren Gunsten. Laut CDU-Fraktionschef Manfred Jordis sind ins Trendergebnis lediglich 45 Prozent aller Stimmzettel eingeflossen.

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