Die Besucherzahl im Freibad des Usa Wellenbades ist in Corona-Zeiten sehr überschaubar. Das ermöglicht einerseits zwar entspanntes Schwimmen, reißt andererseits aber ein Loch in die Kassen der Städte Bad Nauheim und Friedberg. FOTO: NICI MERZ
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Die Besucherzahl im Freibad des Usa Wellenbades ist in Corona-Zeiten sehr überschaubar. Das ermöglicht einerseits zwar entspanntes Schwimmen, reißt andererseits aber ein Loch in die Kassen der Städte Bad Nauheim und Friedberg. FOTO: NICI MERZ

Kaum Besucher

Usa-Wellenbad Bad Nauheim/Friedberg: Warum im Freibad wenig los ist

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Flaute im Usa-Wellenbad Bad Nauheim/Friedberg: Bisher kamen 75 Prozent weniger Besucher als in den Jahren zuvor. Corona macht dem Bad schwer zu schaffen. Doch liegt das alles nur am Virus?

Wer derzeit das von den Städten Friedberg und Bad Nauheim getragene Usa-Wellenbad besuchen und dort seine Bahnen ziehen will, muss sich vorher ein Ticket kaufen. Nicht am Eingang, denn da gibt es keins. Stattdessen hat der Schwimmer zwei Möglichkeiten: Entweder er bestellt das Ticket online, zahlt pro Bestellung zusätzlich zum reinen Kartenpreis eine Servicegebühr in Höhe von 1,95 Euro und die Versandkosten, oder er wendet sich an eine der Vorverkaufsstellen.

Die Karten gelten für bestimmte Zeitfenster, in denen man sich im Freibad oder im 50-Meter-Becken des Hallenbades aufhalten darf. Zudem gelten diverse Corona-Hygienemaßgaben und -Verhaltensregeln.

Peter Krank, Erster Stadtrat in Bad Nauheim und Vorstandsvorsitzender des Schwimmbad-Zweckverbands, hat kürzlich im Bad Nauheimer Haupt- und Finanzausschuss ernüchternde Zahlen präsentiert (die WZ berichtete). Demnach müssen die beiden Städte für das Bad in diesem Jahr jeweils 335 000 Euro mehr zuschießen als geplant. Und die Kosten können noch steigen, je nachdem wie die Hallenbad-Saison laufen wird. Im Freibad läuft es ziemlich frustrierend angesichts eines Besucherrückgangs in dieser Saison um 75 Prozent gegenüber den Vorjahren. Liegt dieses Minus ausschließlich an Corona oder spielen auch das Ticketsystem und die Preise eine Rolle? Die WZ hat bei Peter Krank nachgefragt.

"Im August 2020 sind 12 763 Besucher in das Bad gekommen, im August 2019 waren es 16 342. Die Corona-Pandemie beeinflusst natürlich auch die Besucherzahlen 2020 im Usa-Wellenbad negativ", sagt er. "Die Einschränkungen wirken sich insbesondere auf die Jugendlichen aus. Ein Freibadbesuch mit deutlich mehr Grenzen und Regeln zu ›normalen‹ Jahren hält diese Besuchergruppe fern."

Krank sieht im Ticket-Preis keinen Grund

Mit dem Eintrittspreis hat der Gäste-Rückgang nach Ansicht Kranks eher nichts zu tun: "Wer schwimmen möchte, ist auch bereit, den Preis zu entrichten. Es gibt auch Gäste, die den Preis gerechtfertigt finden, weil der höhere Aufwand mit Reinigung, Desinfektion und Personal positiv wahrgenommen wurde."

Die Servicegebühr im Internet werde pro Buchung und nicht pro Ticket gezahlt. Man könne sie sich sparen, "da auch andere Kaufoptionen angeboten werden, zum Beispiel in den Vorverkaufsstellen". Der Eintrittspreis für eine fünfeinhalbstündige Bad-Nutzung liegt bei 4,85 Euro zuzüglich Servicegebühr. Zu Beginn der Wiedereröffnung hatten drei Stunden 3,50 Euro gekostet - plus Servicegebühr. "Ein geringerer Eintrittspreis wäre aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr zu vertreten", macht Krank deutlich und verweist auf das zusätzliche Bad-Defizit von 670 000 Euro. Eine Preissenkung kann er sich in absehbarer Zeit nicht vorstellen: "Es wird eine Herausforderung werden, die Preise nicht anheben zu müssen."

Erst mal keine Karten an Bad-Kasse

Bleibt die Frage, ob das Online-System beim Vorverkauf insbesondere ältere potenzielle Schwimmbad-Nutzer abschreckt. "Der kurzfristig und spontane Besuch ist dadurch etwas eingeschränkter und spielt bei manchen Personen sicherlich eine Rolle", gibt Krank zu. "Allerdings sind die meisten Menschen heute mit dem Internet vertraut und leben täglich damit." Da es auch zum E-Ticket positive Rückmeldungen gebe, ist das laut Krank nicht als Hauptgrund für niedrigere Besucherzahlen zu sehen. "Für die Gruppe der älteren Menschen bieten wir Alternativen mit Vorverkaufsstellen im Umkreis."

Am Ticketsystem dürfte sich so schnell nichts ändern. Karten an der Schwimmbad-Kasse kaufen - ob spontan oder mit Vorlauf - das wird es erst mal nicht geben. Unter den derzeit strengen Zugangsbeschränkungen und Hygieneauflagen werde dies nicht möglich sein, sagt Krank. Auch die technischen Voraussetzungen seien derzeit so nicht gegeben.

Geringe Besucherzahl hat auch Vorteile

Der nicht vorhandene Andrang im Usa-Wellenbad hat nach Ansicht des Zweckverband-Vorsitzenden auch Vorteile. Er verweist auf Besucher-Rückmeldungen: "Nicht so überfüllt wie in den Jahren zuvor, dadurch mehr Platz, Wasser auch im späteren Tagesverlauf noch klar, Bahnen können geschwommen werden." Die Gäste wirken laut Krank entspannter als in Jahren mit deutlich höherer Besucherzahl. "Auch gibt es weniger Unfälle, Verletzte und bis jetzt keine gemeldeten Straftaten."

Ein Hallenbad-Becken jetzt schon nutzbar - vom Freibad aus

Wie es am Freitag aus dem Bad Nauheimer Rathaus hieß, soll die Freibad-Saison des Usa-Wellenbades bis einschließlich 14. September andauern. Mindestens, denn am 10. September werde entschieden, ob es eine Verlängerung gebe. Sollte die Saison am 14. September enden, dann beginnt am Tag darauf die "echte" Hallenbad-Saison. "Echte" deshalb, weil man auch derzeit schon das 50-Meter-Becken im Gebäude nutzen kann - allerdings nur vom Freibad aus und nur dieses Becken. Diese Option gibt es seit dem 1. September. Montags bis freitags von 17 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 11 Uhr gibt es die Möglichkeit, im 50-Meter-Hallenbadbecken zu schwimmen, nicht. Durch das erweiterte Nutzungsangebot sind laut Zweckverband-Vorsitzendem Peter Krank insbesondere die Wiederaufnahme des Schulschwimmens und des Kursbetriebs leichter realisierbar- vorübergehend, da die Freibadsaison nicht ganzjährig weitergeführt werden könne. "Auch das Vereinsschwimmen kann wieder parallel zum öffentlichen Badebetrieb durchgeführt werden. So konnten die Zeitfenster erweitert werden, es bietet sich wieder etwas mehr Flexibilität für einen Schwimmbadbesuch", erläutert Krank. "Diese Variante ist auch nur nach der Hauptsaison möglich. Da es sich nicht um die Öffnung des Hallenbades handelt, ist diese Maßnahme ohne zusätzlichen Personalaufwand möglich, was bei hohem Besucheraufkommen in den Vormonaten allerdings nicht der Fall gewesen wäre."

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