Das Freibad des Usa-Wellenbades Bad Nauheim/Friedberg soll bis spätestens Montag, 13. Juli, die Pforten öffnen.
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Das Freibad des Usa-Wellenbades Bad Nauheim/Friedberg soll bis spätestens Montag, 13. Juli, die Pforten öffnen.

Nach Corona-Pause

Usa-Wellenbad: Freibad-Saison in Bad Nauheim startet im Juli

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Das Freibad des Usa-Wellenbades soll bis spätestens Montag, 13. Juli, öffnen. Für einen zusätzlichen Betrieb des Hallenbades soll in vier Wochen ein Konzept vorliegen.

Ein Herz für Kinder? Oder kein Herz für Kinder?«, steht auf einem Banner, das Vertreter der Schwimmer in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage hochhalten. »Seit drei Monaten sitzen wir auf dem Trockenen«, erklärt Marlies Krell-Moder von der DLRG Friedberg/Bad Nauheim. Nun geht es los mit der Sitzung zum Thema, an deren Ende es auf Vorstoß von Sinan Sert (SPD Bad Nauheim) zu einem Öffnungsszenario des Usa-Wellenbades kommt, welches der Vorstand zunächst nicht angedacht hatte. Vorsitzender Bernd Wagner (CDU Friedberg) begrüßt etwa 50 Gäste, die den Versammlungsmitgliedern des Zweckverbands Bad Nauheim/Friedberg zuhören wollen. Wie Vorstandsvorsitzender Peter Krank (parteiloser Erster Stadtrat von Bad Nauheim) erläutert, bestehe kein Interesse, das Bad geschlossen zu halten, sondern es »unter Corona-Bedingungen« zu öffnen. »Die Landesregelungen sehen klare Festlegungen vor.«

Die Vereine, die im Usa-Wellenbad sportlich aktiv sind, wünschen sich eine rasche Öffnung. Das unterstreichen sie mit einem Banner.

Usa-Wellenbad Bad Nauheim und Friedberg: Laut Berechnung 648 Gäste möglich

Wie Krank erklärt, will er die Wasserfläche heranziehen, um die zulässigen Besucherzahlen zu errechnen. Bei fünf Quadratmetern pro Person ergäben sich 254 Gäste in der Halle und 394 im Freibad. Das Usa-Wellenbad hat laut Krank eine Liegefläche von 19 000 Quadratmetern. »Zögen wir stattdessen diese zur Berechnung heran, wären wir schnell bei 4000 Besuchern.« Er halte dies für unverantwortbar.

Krank kommt auf die Betriebskosten zu sprechen: Der Zuschussbedarf von normalerweise 1,1 Millionen Euro erhöhe sich drastisch aufgrund der verlorenen Eintrittsgelder in der Corona-Pandemie und der zusätzlichen Aufwendungen, etwa für Sicherheitspersonal. 300 000 Euro seien es, bliebe das Bad das ganze Jahr 2020 geschlossen. »Weil wir das Geld nicht einnehmen. Würden wir das Freibad am 13. Juli und das Hallenbad am Dienstag, den 1. September, öffnen, kostete uns das 685 000 Euro zusätzlich.«

Öffne nur die Halle, und zwar am Montag, 3. August, seien es 520 500 Euro mehr. »Was auch immer wir tun, wir werden Mehrkosten haben«, konstatiert Krank. Die Tickets sollen fünf Euro für ein mehrstündiges Zeitfenster kosten, zu beziehen ausschließlich über das Internet.

Angesichts dieser hohen Summen schlägt der Vorstand nun Variante 3 vor: Verzicht auf die Freibadsaison und Öffnung der Halle ab 3. August. Die Stadtverordneten sind damit nicht einverstanden. Simone Hahn-Wiltschek (SPD Friedberg) unterstreicht: »Das Freibad aufzumachen, ist zwar teuer, aber der Unmut der Bürger wird sehr hoch sein, wenn das Usa-Bad noch später öffnen würde.« Klaus Englert (FW/UWG Bad Nauheim) sieht es ähnlich: »Wir können das Schwimmbad nicht zu lassen.« Wie Manfred Jordis (CDU, Bad Nauheim) betont, müssten mehr Besucher Zugang haben, als nur wenige hundert Personen. Und Sozialdemokrat Sert (Bad Nauheim) hakt nach: »Was würde es kosten, beides zu öffnen, Freibad und Halle? Gibt es dafür ein Modell?« Britta Weber (FDP Bad Nauheim) schließt sich an: »Wir sollten einen Parallelbetrieb sicherstellen.«

Usa-Wellenbad Bad Nauheim und Friedberg: Wie viel Personal für Sicherheit nötig?

Wie Betriebsleiter Sascha Rieck zu bedenken gibt, wäre dafür sehr viel Personal vonnöten. »Das würde die Kosten weiter sprengen.« Doch die Stadtverordneten bleiben bei dieser Linie. Zu den Diskussionspunkten gehört die Frage, wie sich Kosten sparen lassen, etwa, ob fünf Sicherheits-Mitarbeiter zur Überwachung der Hygieneregeln nötig sind. Denn Christdemokrat Jordis bezweifelt dies stark. Florian Uebelacker (Grüne Friedberg) empfiehlt, Vorgehensweisen dabei nicht in Stein zu meißeln. »Man kann auch Änderungen herbeiführen, wenn sich zeigt, dass man etwas optimieren kann.« Den Vorschlag von Matthias Ertl (UWG Friedberg), die Kosten durch die städtischen Finanzausschüsse absegnen zu lassen, verwirft das Gremium, um die Öffnung vor der Sommerpause zu gewährleisten. »Es wird in den Nachtragshaushalten berücksichtigt«, erläutert Krank.

Kerstin Uhlich, Vorsitzende des Schwimmclubs Bad Nauheim, ist am Ende zufrieden, dass das Bad wieder öffnet. Sie fügt aber hinzu: »Wir würden uns wünschen, dass die Vereine einbezogen werden, um praktikablere Lösungen zu finden.«

Usa-Wellenbad Bad Nauheim und Friedberg: Zeiten und Tickets

In vier Wochen will sich die Verbandsversammlung wieder treffen, um eine Feinabstimmung der Öffnungszeiten vorzunehmen. Momentan ist werktäglich von 17.30 bis 18.30 Uhr, zudem montags ganztägig und samstags früh Vereinsschwimmen vorgesehen. An den anderen Tagen sind jeweils mehrere Zeitfenster von zweieinhalb bis drei Stunden für den öffentlichen Publikumsverkehr geplant. Die Pause, in denen das Bad geräumt wird, beträgt jeweils eine halbe Stunde. Der Ticketverkauf soll über einen Online-Anbieter erfolgen, mit möglichst einer Verkaufsstelle in Bad Nauheim und in Friedberg. Um Schwimm-Personal für den Parallelbetrieb zu akquirieren, regte Sinan Sert (SPD Bad Nauheim) eine interkommunale Zusammenarbeit mit Städten an, die ihr Bad nicht aufmachen.

Usa-Wellenbad Bad Nauheim und Friedberg: Wieso noch nicht geöffnet ist

»Wieso waren einige Freibäder im Wetteraukreis am Montag öffnungsbereit, wir hingegen sind es noch nicht?«, fragte Britta Weber (FDP Bad Nauheim) in der Sitzung der Zweckverbandsversammlung. Vorstandsvorsitzender Peter Krank antwortete: »Als Mitte März der Lockdown kam, war das Freibad zur Öffnung bereits vorbereitet gewesen.« Das Usa-Bad sei daraufhin energetisch heruntergefahren worden, die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit gegangen. Andere Bäder würden teilweise durch Bauhofmitarbeiter betreut, der Zweckverband betreibe aber ein Kombi-Bad und habe 15 Beschäftigte. Um das Freibad vorzubereiten, müsse es gereinigt, gefüllt und das Wasser beprobt werden. Das dauere insgesamt dreieinhalb bis vier Wochen. »Man hätte es anders machen, das Freibad vorab füllen und permanent frisch halten können. Keiner schwimmt drin und wir haben die Kosten an der Backe.« Das sei nicht verantwortbar, betonte Krank. Hätte das Land die Meldung vier oder fünf Wochen eher gegeben, wäre die Lage laut Krank anders gewesen.

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