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Neueröffnung

Unverpackt-Laden: Einkaufen wie bei Tante Emma

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Wer im Supermarkt einkaufen geht, bringt meistens auch viel Müll mit nach Hause. Das will Simone Schmidt mit ihrem Unverpackt-Laden in Bad Nauheim ändern. Die Idee stößt bei vielen auf Zustimmung.

Wir haben uns schon lange auf diesen Tag gefreut", sagt Ulla Elhaus. Sie und ihre Tochter Johanna sind unter den ersten Kunden, die im Unverpackt-Laden in Bad Nauheim einkaufen. In dem kleinen Geschäft von Simone Schmidt am Marktplatz ist bei der Eröffnung am Freitagmorgen einiges los. Ein Kunde nach dem anderen kommt die Stufen hoch und tritt durch die Eingangstür. Drinnen riecht es nach ätherischen Ölen, und die Spender sind bis oben hin gefüllt.

"Ich finde es toll, dass ein kleines Städtchen wie Bad Nauheim jetzt einen Unverpackt-Laden hat", sagt eine Kundin aus der Kurstadt. "Darauf habe ich lange gewartet." Früher sei sie immer nach Friedrichsdorf gefahren, um unverpackte Produkte zu bekommen. "Jetzt kann ich meine Einkäufe sogar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen. Und dann ist die Auswahl auch noch riesig." Sie reicht von Lebensmitteln wie Nudeln, Mehl, Bohnen oder Müsli und Gummibärchen über Kosmetika und Putzmittel bis hin zu Waschlappen und Zahnbürsten aus Bambus.

Unverpackt-Laden Bad Nauheim: Selbst wiegen und abfüllen

Frische Produkte wie Wurst, Obst oder Gemüse gibt es dagegen nicht. Zum einen seien die Auflagen dafür höher, zum anderen wolle sie keine Konkurrenz zum Wochenmarkt schaffen, sagt Simone Schmidt.

"Ich versuche schon seit vier Wochen, in der Küche komplett auf Plastik zu verzichten", sagt eine Kundin aus Rosbach. Deshalb ist sie zum Einkaufen nach Bad Nauheim gekommen. Sie wiegt gerade ihr Einmachglas. Mit einem Edding schreibt sie das Gewicht drauf. Jetzt kann sie sich mit einer kleinen Schaufel Mehl abfüllen. An der Kasse wird wieder gewogen und die Differenz bezahlt.

Mark Bieler aus Bad Nauheim ist ebenfalls gleich am Vormittag zum Einkaufen gekommen. Ihm ist wichtig, weniger Müll zu produzieren. Deshalb hat er von zu Hause ein altes Marmeladenglas mitgebracht, in das er jetzt Nudeln füllt. Bei den Fussili hakt der Spender noch ein bisschen, und manchmal kommt mehr heraus, als in ein Glas passt. Doch das stört die Kunden nicht. "Am ersten Tag darf das noch passieren", sagt Simone Schmidt und holt schnell einen Trichter, mit dem das Einfüllen leichter geht. Dann wird sie von den nächsten Kunden angesprochen. Die haben viele Fragen: Wie funktioniert das Wiegen? Gibt es auch Muskat? Und wie benutzt man feste Shampoos?

Unverpackt-Laden Bad Nauheim: Einrichtung der 30er Jahre

Ein Ehepaar macht Urlaub in Bad Nauheim und ist durch Zufall am Laden vorbeigekommen. Ihnen gefällt besonders der Name: "Nix-drum-rum". Eine Mutter kauft ihrer Tochter ein paar Gummibärchen in einer Papiertüte. Kaum jemand verlässt den Laden mit leeren Händen. Falls doch mal etwas fehlt, liegt auf der Fensterbank ein Notizbuch für Wünsche und Anregungen. Noch ist es leer.

Die Möbel, mit denen Simone Schmidt ihren Laden eingerichtet hat, stammen aus den 30er Jahren. Auf einem Regal stehen große Gläser mit Gewürzen. Die gefallen Ulla Elhaus besonders gut. "Ich kann mir genau so viel abfüllen, wie ich brauche", sagt die Rockenbergerin. "So wird später nichts schlecht, weil weniger übrig bleibt." Ein passendes kleines Glas nimmt sie auch noch mit.

Patricia Philipp füllt ein paar Lakritz-Schnecken in ein Papiertütchen. "Wie früher im Tante-Emma-Laden", sagt sie. Sie ist begeistert von der Idee des Unverpackt-Ladens. "Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema. Wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, kann das schon viel bewirken."

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