Als afrikanischer König spielt Martin O. auf seinem Symphonium. Dann klingt es, als feiert ein ganzes Volk ein großes Fest im Urwald. FOTO: LOD
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Als afrikanischer König spielt Martin O. auf seinem Symphonium. Dann klingt es, als feiert ein ganzes Volk ein großes Fest im Urwald. FOTO: LOD

Unterhaltsames Stimmengewirr

  • vonHarald Schuchardt
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Bad Nauheim(har). Eine ausgeprägte Stimme, gepaart mit ausgeklügelter Technik, das ist das Konzept von Martin O. alias Martin Ulrich, der im Rahmen der Kleinkunstreihe der Stadt am Mittwoch- und Donnerstagabend im großen Konzertsaal der Trinkkuranlage mit seinem aktuellen Programm ""einstimmig, mehrstimmig - Eine Schweizer Ohraufführung" die maximal 88 zugelassenen Besucher begeisterte.

Der 45 Jahre alte Ostschweizer war schon vor einigen Jahren zu Gast in der Badestadt, dessen "Eigenheiten", wie Jugendstil, Trinkkur, neue Therme und natürlich das Schweizer Milchhäuschen er immer wieder in seine Songs und seine unterhaltsamen Moderationen einbaute. "Ich bin jetzt Now(Nau-)heim, ich bin zu Hause", kalauerte der Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises in der Sparte Chanson/Musik/Lied.

Sogar den neuen noch geheimen Spielort für die Kleinkunstreihe besang Martin O., nachdem zuvor Fachbereichsleiter Jochen Mörler in seiner Begrüßung eine entsprechende Andeutung gemacht hatte. Was Martin O. auszeichnet, ist zum einen seine musikalische Vielfalt und zum anderen seine genialen Ideen und seine ausgefeilten Texte.

Er ist ein exzellenter Stimmkünstler, der sich, dank seinem speziellen Loop-Gerät in einen ganzen Chor oder auch eine Band verwandelt. Wie das funktioniert, erklärte der Künstler den Besuchern mit viel typisch Schweizer Humor, nachdem er mit dem groovigen Auftaktsong "I feel good to my Soul" schon zum Mitschnippen und Mitswingen der Besucher gesorgt hatte.

Sein einzigartiges aus Appenzeller Nussholz entwickeltes "Symphonium" verfügt über sieben Knöpfe, mit denen er die von ihm zuvor besungenen Bandschleifen abruft und kombinieren kann. So erzeugt er ein Stimmengewirr, das beim Drücken des siebten Knopfes schlagartig verstummt. "Wenn ich diesen Knopf drücke, dann ist Ruhe" erklärt der sympathische Schweizer, der auch ein fantastischer Beatboxer ist.

Mit seinem Mund und dem Mikro erzeugt er nicht nur Rhythmen, sondern ganze Schlagzeugsoli, aber auch mal einen Bass, eine Trompete oder ein rockiges Gitarrensolo, das von den Besuchern mit Zwischenapplaus belohnt wird.

Seine "Vielstimmigkeit" nutzt der Künstler für eine musikalische Reise durch ganz verschiedene Musikgenre, aber auch in ganz unterschiedliche Regionen: Dem vierstimmigen Appenzeller Quartett mit einem typisch Schweizer Volkslied samt Jodeleinlage folgte eine Reise ins und unters Meer, einschließlich Meerrauschen, trappelnden Seepferdchen und einem Aal, der lautstark seine elektrischen Ladungen ausstößt.

Vor der Pause verwandelt sich der Stimmkünstler in einen afrikanischen König, der im Urwald mit seinem vielstimmigen Volk ein fröhliches Fest feiert, wobei Martin O. zu den typisch afrikanischen Rhythmen gekonnt über die Bühne tänzelt.

Mit seinen eigenen Versionen bekannter Popklassiker wie "Every breath you take" von Police oder dem funkigen "Ain’t no sunshine" in Schwyzer-deutsch eröffnete das Multitalent die zweite Programmhälfte.

Bad Nauheimer Besonderheiten

Ein Höhepunkt war der "Wunsch-Wunsch-Song". In diesem setzte er die Wünsche, die die Besucher in der Pause für andere Menschen auf Karten schreiben konnten, in ein einziges Lied um. Das Publikum war begeistert und zugleich fasziniert über so viel Kreativität und Spontanität. Das galt auch für das Finale mit dem ruhigen "Lean on me" des kürzlich verstorbenen Bill Withers und der Zugabe , bei der Martin O. noch einmal alle Bad Nauheimer Besonderheiten samt Elvis’ "Fallin’ in love" in die Songs einbaute.

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