Die italienische Ein-Euro-Münze zeigt das Bild des "Vitruvianischen Menschen".
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Die italienische Ein-Euro-Münze zeigt das Bild des »Vitruvianischen Menschen«.

Universalgenie der Renaissance

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Bad Nauheim (pm). Vor Kurzem lud das Kulturforum Bad Nauheim zu einem Vortrag über Leonardo da Vinci ein, dessen 500. Todestag im vergangenen Jahr weltweit opulent gefeiert wurde.

Der große Universalgelehrte der Renaissance zeigte nicht nur als Maler, Zeichner und Bildhauer, sondern auch als Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph seine Genialität. Der Referent, Kunstprofessor Peter Schubert, beschränkte sich an diesem Abend jedoch auf die Malerei und die Zeichnungen, sieht er doch darin die Wurzeln des künstlerischen Werks Leonardos.

Besondere Maltechniken

Als »Titelbild« für seinen Vortrag hatte Prof. Peter Schubert das sogenannte Selbstbildnis, eine Rötel-Zeichnung aus dem Jahr 1512 (Turin) ausgesucht. Es zeigt Leonardo als alten Menschen; die ungelenk daruntergesetzte Signatur des Künstlers verweist auf seine Linkshändigkeit. Geboren wurde Leonardo 1452 in der Nähe von Vinci als unehelicher Sohn eines Notars. Durch die Vermittlung seines Vaters, der früh sein Talent erkannte, und den Umzug nach Florenz wurde er 1469 zur Ausbildung in die Bildhauer- und Malerwerkstatt von Andrea del Verrocchio aufgenommen. Dort traf er auf Schüler, die später ebenfalls namhafte Künstler wurden, wie zum Beispiel Sandro Botticelli, um nur einen zu nennen.

Sein Lebensweg führte ihn nach Mailand (1482), immer wieder Florenz, Rom und Frankreich, wo er 1519 auf Schloss Cloux (heute Clos de Lucé) bei Amboise verstarb.

Parallel zum Lebensweg des Ausnahmekünstlers führte Professor Schubert nun in das Werk Leonardos ein, klärte auf über besondere Techniken, die zum Ruhm des Malergenies beitrugen wie zum Beispiel das Sfumato, das Weichzeichnen von Konturen, was erst durch das Malen mit Ölfarbe möglich wurde. Oder die Schaffung von atmosphärischer Tiefe durch das Verblassen der Farben im Hintergrund bis hin zum Dunst. Aber auch die Hinweise über die Art der Positionierung der dargestellten Personen, ihre Gruppierung und ihre Gestik führten zu ganz neuem Sehen, Fühlen und Verstehen, auch dem Erkennen der Bildsymbolik.

Welche Empfindungen zum Beispiel Goethe beim Betrachten des »Abendmahl« bewegten, lässt nachfolgendes Zitat erkennen: »…wodurch Leonardo dieses Bild hauptsächlich belebte: Es ist die Bewegung der Hände; dies konnte aber auch nur ein Italiener finden. Bei seiner Nation ist der ganze Körper geistreich, alle Glieder namentlich an jedem Ausdruck des Gefühls, der Leidenschaft, ja des Gedankens.«

Mona Lisa als Geliebte?

Einen großen Raum nahm die Interpretation der »Mona Lisa« ein, einem Portrait der Lisa del Giocondo oder vielleicht auch des Salai, des heimlichen Geliebten Leonardos? Belegt ist zumindest, dass sich Leonardo zu Lebzeiten nie von diesem Bild trennte.

Leonardo hinterließ nur wenige Bilder, aber mehr als 1000 Zeichnungen und Skizzen, die zum Teil nur fragmentarisch erhalten sind. Zum Abschluss des Abends zeigte Professor Schubert ein nicht besonders gut erhaltenes Bild: »Salvator mundi«. Für dieses Werk zahlte ein anonymer Bieter auf einer Auktion 450 Millionen US Dollar. Laut Internet kann man es bald im Louvre Abu Dhabi bewundern.

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