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Prof. Johannes Peil hat sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen sehr um das Wohl der Menschen in Bad Nauheim und darüber hinaus verdient gemacht.

Mit 67 Jahren verstorben

Unglaublich viel für die Stadt getan: Große Trauer in Bad Nauheim um Prof. Johannes Peil

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Prof. Johannes Peil ist ein berühmter Sohn Bad Nauheims gewesen. Im Alter von 67 Jahren ist der Sportmediziner verstorben. Er hat sehr viel für seine Heimatstadt getan.

Wer erinnert sich nicht an sie? An die bunten Holzfiguren, die an Bad Nauheimer Schulen und Kitas aufmerksam machten: »Vorsicht, hier sind die Jüngsten unterwegs.« Die Figuren waren ein Baustein der Initiative »Mehr Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr«, die auf Prof. Johannes M. Peil zurückging. Peil hatte noch Pläne. Sie umzusetzen, war dem Gründer und Leiter der Bad Nauheimer Sportklinik nicht mehr vergönnt. Mit 67 Jahren erlag er Ende letzter Woche den Folgen einer schweren Krankheit, unter der er seit eineinhalb Jahren litt.

Mit seinem Tod verliert die Stadt einen ihrer bekanntesten Bürger, der sich intensiv auf den Gebieten der Medizin, der Wirtschaft und für soziale Aspekte einsetzte. Peil war unter anderem Arzt der Formel-1-Legende Michael Schumacher zu dessen aktiver Zeit.

Seine trauernde Tochter Marie-Christin Peil (31) hat gleich zwei Schicksalsschläge zu verkraften. 14 Tage vor dem Tod des Vaters starb ihre Mutter, seine Frau, nach kurzer schwerer Krankheit. Um Prof. Peil trauern auch sein Sohn Christopher (22), seine Tochter Ann-Sophie (9) und deren Mutter, seine Lebensgefährtin Mala. Bis zuletzt kämpfte er. Zeitweise ging es vermeintlich bergauf, was Hoffnung gab, wieder gesund zu werden.

Prof. Johannes Peil ist tot: Gastgeber der Bergweihnacht

»Mein Vater war ein starker Charakter, der uneingeschränkt für seine Familie einstand«, beschreibt ihn Marie-Christin Peil. Zu seinen Devisen habe es gehört, stets offen heraus zu sein. Sein Mitarbeiterteam habe er als zur Familie gehörig betrachtet. Sehr wichtig waren ihm seine Freunde, aber auch seine Hunde und Pferde liebte er. Er wusste um die Bedeutung der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Insofern bot Peil Therapeutisches Reiten in seiner Reitanlage auf dem Gelände der Sportklinik an. Der Gesellschaft wollte er etwas geben, was er auch tat.

Die Gesundheit von Kindern lag dem Mediziner am Herzen. Gemeinsam mit Prof. Bernd Wüsten, dem damaligen Chefarzt der Südpark-Klinik, entwickelte Peil das vielfach prämierte Gesundheits- und Präventionsprogramm »KIKS UP«. Oft trat er mit Günter Wagner vom Deutschen Institut für Sporternährung auf, dessen Vorsitzender er war. Mit Sportklinik und Institut war er Gastgeber der Bergweihnacht auf dem Johannisberg, aus deren Erlös stets zehn Prozent für soziale Zwecke flossen. »Das Café-Restaurant Johannisberg war ein Herzensprojekt für ihn«, betont Marie-Christin Peil. Momentan ist das Lokal, dessen Eigentümer er war, geschlossen.

Es war der Ort, der 2002 eine Schlüsselrolle für das künftige Fortkommen Bad Nauheims einnahm. Wie der frühere hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel dort verkündete, bekam Bad Nauheim den Zuschlag, die Landesgartenschau 2010 auszurichten. Das Großereignis wurde zum Motor der Stadtentwicklung. Peil war Mitinitiator gewesen und hatte sich in Wiesbaden dafür starkgemacht. Wie es in dem Lokal weitergeht, ist derzeit noch unklar. Familie und Stadt stehen in Verhandlungen darüber, wie der Betrieb weitergeführt wird.

Prof. Johannes Peil ist tot: Michael Schumacher und Timo Boll behandelt

Seinen Beruf als Arzt übte Peil leidenschaftlich aus. »Das stand immer im Vordergrund für ihn. Selbst während seiner Erkrankung behandelte er noch Patienten«, schildert Marie-Christin Peil. Sein Herz schlug aber auch für den Sport. »Er war ein super Sportler, spielte früher Eishockey und Tennis.« Peil behandelte weltweit bekannte Sportler, neben »Schumi« waren dies unter anderem Kunstturner Fabian Hambüchen und Tischtennisprofi Timo Boll. Dass Bad Nauheim im Jahr der Fußball-WM 2006 die saudi-arabische Nationalelf beherbergte, ist Verdienst eines Initiativkreises, dem Peil angehörte.

Bei alldem war er ein zurückhaltender Mensch, der das Bad in der Menge nicht suchte. Er war Vorsitzender des Vereins »Wirtschaft für Bad Nauheim«, lud die Bad Nauheimer Politiker und Vertreter der Wirtschaft zu Jahresveranstaltungen ein: mit Rednern wie dem Olympioniken Edgar Itt und dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Im November verleiht der Verein erstmals den »Bad Nauheim Excellence Award«, den Peil initiiert hat.

Prof. Johannes Peil ist tot: »Für uns alle ein Leuchtturm«

»Ich habe Johannes Peil als jemanden kennengelernt, dem die Internationalität und der internationale Ruf von Bad Nauheim am Herzen lag«, erklärt Bürgermeister Klaus Kreß. Stets habe Peil dafür geworben, die Kompetenz der Gesundheitsstadt auf medizinischem Gebiet stärker nach vorne zu stellen. Peil habe keine »provinzielle Denke« gehabt, sondern stets angeregt, groß zu denken. »Diese Haltung von Johannes Peil hat mich sehr beeindruckt. Es ist traurig, dass er so früh von uns gegangen ist und Bad Nauheim eine bedeutende Persönlichkeit verloren hat.«

Während seiner Krankheit übernahm Prof. Gabor Szalay kommissarisch die Leitung der Sportklinik. Zukünftig wird sich Szalay, Inhaber der Praxis an der Sportklinik, gemeinsam mit dem Team sowohl um die Patienten der Praxis, als auch um die Sportklinik kümmern. »Prof. Peil war uns allen ein Leuchtturm, der uns auch während seiner Krankheit immer zur Seite stand. Durch seine enorme Energie und Schaffenskraft beeindruckte er uns«, betont Szalay. Seine Demut und gleichzeitig sein Blick über den Tellerrand seien nur zwei Eigenschaften gewesen, die Peil ausmachten. Auf die Frage, wie es weitergeht, antwortet Szalay: »Er hat uns den Auftrag gegeben, sein Lebenswerk fortzuführen - und dies werden wir tun.«

Ein Leben für die Sportmedizin

Johannes M. Peil wurde am 21. Mai 1954 in Bad Nauheim geboren. Er war Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Sportmedizin und H-Arzt. Peil war Präsident des Zentralverbands ambulanter Therapieeinrichtungen Deutschlands und Vorsitzender des Deutschen Instituts für Sporternährung in Bad Nauheim. Er studierte Jura und Medizin, promovierte 1988 zum Doktor der Medizin. Nach seinem Facharztexamen in Orthopädie wurde er leitender Arzt der Sportklinik Bad Nauheim. Mehr als 20 Jahre betreute er Leistungs- und Hochleistungssportler verschiedener Disziplinen, unter anderem bei Welt- und Europameisterschaften sowie den Olympischen Spielen und der Rallye Dakar. Im Motorsport betreute er unter anderem Michael Schumacher während dessen aktiver Zeit. Als Leiter der Sportklinik war Peil Mitinitiator des Familiensportfests in Frankfurt und Mitinitiator der jährlichen Europäischen Woche des Sports. Diese Veranstaltung holte er für Hessen nach Deutschland, dies in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium des Landes. Peil war auch Ärztlicher Direktor der Sportklinik Frankfurt. Er war langjähriger Vorsitzender des Vereins »Wirtschaft für Bad Nauheim« und mehr als zehn Jahre lang Mitglied im Aufsichtsrat der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH. Im Alter von 67 Jahren starb Prof. Johannes Peil am Freitag, 24. September, in Frankfurt.

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