2019 dringt ein Mann mit einer Pistole in ein Juweliergeschäft in Bad Nauheim ein. Dort trifft er auf einen widerständigen Inhaber. Nun kommt der Fall vor Gericht. (Symbolbild)
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2019 dringt ein Mann mit einer Pistole in ein Juweliergeschäft in Bad Nauheim ein. Dort trifft er auf einen widerständigen Inhaber. Nun kommt der Fall vor Gericht. (Symbolbild)

Überfall kurz vor Feierabend

Brutaler Überfall auf Bad Nauheimer Juweliergeschäft: „Fast bewusstlos über Boden gekrochen“

  • vonConstantin Hoppe
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Ein Mann überfällt ein Bad Nauheimer Juweliergeschäft. Die Tat hat 2019 in der Kurstadt für Aufsehen gesorgt. Seit Montag muss sich ein 36-Jähriger vor dem Gießener Landgerich verantworten.

Bad Nauheim – Eine Szene wie aus einem Krimi: Ein Mann betritt maskiert ein Juweliergeschäft und fordert mit vorgehaltener Pistole die Herausgabe von Schmuck. Doch der Mann hinter dem Verkaufstresen will das nicht zulassen - es kommt zum Kampf, dann lösen sich Schüsse. Wegen eines Überfalls auf ein Bad Nauheimer Schmuckgeschäft, wegen des Handgemenges und wegen der Pistolenschüsse auf den Mann, der den Überfall verhindern wollte, muss sich seit Montag der 36-jährige Litauer G. vor der 9. Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verantworten.

Mit einer Pistole bewaffnet und maskiert soll der Angeklagte am Abend des 1. November 2019 kurz vor Ladenschluss das Juweliergeschäft betreten haben. »Er bedrohte den Inhaber des Geschäfts und forderte mit vorgehaltener Waffe die Herausgabe von Wertgegenständen«, las Staatsanwalt Alexander Hahn aus der Anklageschrift vor.

Überfall in Bad Nauheim: Platzwunden am Kopf und eine Schussverletzung

Doch so einfach lief der Raub nicht: Der Inhaber des Geschäfts versuchte, dem Täter dessen Waffe abzunehmen - es kam zu einem Handgemenge zwischen den beiden Männern, in dessen Verlauf sich mehrere Schüsse aus der Pistole gelöst haben und G. schließlich dem Geschädigten mehrfach mit der Pistole auf den Kopf geschlagen haben soll.

G. soll den Geschäftsinhaber gefesselt und sich darangemacht haben, den Laden nach Wertgegenständen zu durchsuchen. Doch die Fesseln waren wohl nicht fest genug. Der Überfallene konnte sich befreien. Daraufhin schoss ihm der Räuber ins Bein und flüchtete samt Beute im geschätztem Wert von 20 000 bis 30 000 Euro.

»Er bedrohte mich mit der Waffe und sagte mit gebrochenen Kommandos: ›Mir Tresor Schlüssel‹«, beschrieb der Geschädigte am Montag die Situation. »Ich wollte mich aber nicht einfach überfallen lassen und habe mich gewehrt.« Das endete für den Inhaber des Geschäfts jedoch mit einem blauen Auge, mehreren Platzwunden am Kopf und einer Schussverletzung, die jedoch glücklicherweise wieder vollständig verheilt ist.

Überfall in Bad Nauheim: Anfangs eine diffuse Lage

Nach dem Überfall schaffte es das Opfer mit letzter Kraft, zu telefonieren: »Ich war fast bewusstlos, bin über den Boden gekrochen und habe mein Handy gesucht - zum Glück habe ich es gefunden und habe dann meine Lebensgefährtin angerufen«, berichtete der Geschäftsmann. Seine Lebensgefährtin verständigte Polizei und Rettungsdienst und eilte selbst an den Tatort. Der Täter war da schon verschwunden: Nachdem er den Tresor in dem Laden nicht aufbekommen hatte, hatte er sich den Goldschmuck und Uhren geschnappt und war vom Tatort geflüchtet.

Als die Polizei dort eintraf, war die Lage erst einmal diffus: Es war zuerst nicht klar, ob der Täter noch vor Ort oder bereits auf der Flucht war. Erst die Lebensgefährtin des Geschädigten konnte darauf aufmerksam machen, dass der Täter bereits geflohen war. Gerade diese anfangs eher diffuse Lage war am Montag Gegenstand des ersten Verhandlungstages am Gießener Landgericht. Die Polizeibeamten, die am Tattag im Einsatz gewesen waren, gaben sich als Zeugen die Klinke in die Hand und berichteten von der Lage vor Ort. Bei einer schnell eingeleiteten Fahndung konnte man jedoch des Täters nicht habhaft werden.

Raubüberfall auf Bad Nauheimer Juwelier: Spurenlage deutet auf Angeklagten hin

Die am Tatort gefundenen Spuren deuten jedoch auf G. als Täter hin. Anders sieht es hinsichtlich der Täterbeschreibung aus, denn sowohl der Überfallene als auch eine weitere Zeugin sprachen kurz nach dem Überfall von einer Person mit dunkler Hautfarbe. Der Juwelier meinte auch, der Räuber habe Arabisch gesprochen. Beides passt nicht sonderlich gut auf den Angeklagten. »Allerdings war es an dem Abend auch schon dunkel, und in meinem Laden waren bereits einige Lichter aus - vielleicht habe ich mich auch getäuscht«, sagte der Geschäftsinhaber.

Im Juni 2020 in Litauen verhaftet, in der Wetterau in Haft

Am 4. Juni 2020 wurde der Angeklagte in Litauen aufgrund einer anderen Straftat festgenommen - danach wurde der Zusammenhang mit dem Überfall in Bad Nauheim bekannt, und seit Juli 2020 befand er sich zuerst in Untersuchungshaft in der JVA Butzbach, seit August ist er in Gießen. Zu den Vorwürfen schweigt der Angeklagte bislang. Sein Verteidiger erklärte jedoch, dass sein Mandant beim nächsten Sitzungstermin zu den Vorwürfen eine Erklärung abgeben werde.

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