Gutschein statt Umtausch: Trotzdem bevorzugt Kunde Viktor Lekic kleine Geschenke, die man auch auspacken kann.
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Gutschein statt Umtausch: Trotzdem bevorzugt Kunde Viktor Lekic kleine Geschenke, die man auch auspacken kann.

Umtauschwelle bleibt aus

Bad Nauheim (cor). Zu klein, zu groß, nicht den Geschmack getroffen: Nicht jedes Präsent hat dem Beschenkten unterm Weihnachtsbaum ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Viele Kunden ziehen es daher vor, ihr Geschenk gleich nach den Festtagen umzutauschen. In diesem Jahr blieb der Einzelhandel davon verschont.

Oftmals war nach Weihnachten in den Geschäften ein ähnliches Bild zu beobachten wie vor den Feiertagen – lange Schlangen an den Kassen. Davon ist diesmal nichts zu sehen. Wie es scheint, hat alles gepasst.

"Das war schon früher so", weiß Adolf Purper in seiner Goldschmiede. "Wir haben in den letzten Jahren nur zweimal etwas nach Weihnachten umgetauscht." Purper glaubt, dass sich Kunde n heutzutage mehr Mühe bei der Wahl der Geschenke geben. "Sie versuchen herauszufinden, was wirklich gewünscht wird." Viele Kunden hätten sich ausgiebig Zeit für eine Beratung genommen. Während Frauen ihren Männern eher eine Uhr geschenkt haben, durften sich Damen vermehrt über Colliers freuen. Auch der klassische Ring oder Ohrringe haben wohl viele Damen glücklich gemacht. Zurück kam keines der verkauften Schmuckstücke. Nach Weihnachten stehe der Service im Fokus, diverse Ringe und Colliers würden nun der entsprechenden Größe angepasst. Gutscheine hat Purper nur wenige verkauft. "Es ist nun mal schöner, ein kleines Geschenk auszupacken."

Das sieht auch Christine Reitmeier in ihrem Modefachgeschäft so. Auch sie bleibt derzeit von Umtauschaktionen verschont. "Vieles wurde im Vorfeld von den Kundinnen gezielt gesichtet." Später hätten viele Herren angefragt, ob ihre Frauen was Schönes gefunden hätten. Ein klarer Vorteil gegenüber dem Online-Geschäft, meint Reitmeier. Der Einzelhändler wisse nun mal, was den Stammkunden zusagt. Interessanterweise hätten gerade die Herren für das Einpacken der Geschenke Trinkgeld gegeben. "Das Verpacken gehört doch zum Service dazu, man muss dafür kein Trinkgeld geben." Gefreut habe es die Mitarbeiterinnen trotzdem.

Unter den Kunden waren auch recht entschlossene Käufer. "Einer wusste ganz genau, welchen Geschmack seine Partnerin hat." Viel Farbe musste es sein. Der Mann kannte seine Liebste wohl sehr genau, noch wurde das gute Kleidungsstück nicht umgetauscht. Klar könne man mit einem Gutschein nichts falsch machen. "Aber Päckchen bleiben nun mal beliebter, wegen des Überraschungseffekts." Gefragt waren im Modefachgeschäft diesmal besonders Accessoires wie Mützen, Schals oder Schmuck.

"Bei uns ist alles im Normalbereich", sagt Sören Weyrauch vom gleichnamigen Kaufhaus. Wenn etwas umgetauscht werde, handle es sich eher um Spielwaren. "Weihnachten ist das Fest der Kinder." Doch diese Umtauschzahlen seien kaum messbar.

Heikel wird es, wenn unter dem Weihnachtsbaum die passenden Schuhe stehen sollen. "Eigentlich zählen Schuhe nicht zu den klassischen Weihnachtsgeschenken", sagt Marc Spahr (Schuh Spahr/Quick Schuh). Sicherheitshalber greife der Kunde lieber zum Gutschein. Und die werden gewöhnlich bereits im Januar eingelöst. In diesem Jahr lohne sich der Eintausch des Gutscheins, dank Schnee, schon direkt nach Weihnachten. Nun seien nämlich Schneestiefel gefragt. "Wobei ich Geschenke unterm Baum bevorzuge", sagt Kunde Viktor Lekic im Schuhgeschäft.

Der Meinung schließt sich auch eine Mutter aus Bad Nauheim an. "Ich spioniere meine Kinder vor Weihnachten immer genau aus", sagt sie. So gehe sie auf Nummer sicher, keinen Fehlkauf zu landen. Und eines gehe überhaupt nicht – Geldgeschenke. "Das ist viel zu unpersönlich und kommt für mich gar nicht in Frage."

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