Piroska Belz lässt sich den Spaß nicht nehmen, bereitet sich ganz entspannt auf Weihnachten vor. Mit den Kindern werden sie und ihr Lebensgefährte auf Distanz Kontakt halten. FOTOS: ROHDE
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Piroska Belz lässt sich den Spaß nicht nehmen, bereitet sich ganz entspannt auf Weihnachten vor. Mit den Kindern werden sie und ihr Lebensgefährte auf Distanz Kontakt halten. FOTOS: ROHDE

Weihnachten in Pandemie-Zeiten

Umfrage in Bad Nauheim: Wie werden Sie Weihnachten feiern?

  • vonHedwig Rohde
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Das Coronavirus zwingt den Menschen Einschränkungen auf. - auch an Weihnachten. Die WZ hat sich in Bad Nauheim umgehört, wie Menschen das Fest begehen wollen.

Dass in diesem Jahr alles anders ist, zeigt sich schon gleich zu Beginn der Umfrage in Bad Nauheim: Der Plan war, Kunden beim Christbaumkauf zu fragen, wie ihr diesjähriges Weihnachtsfest aussehen wird. Doch der nette Christbaumverkäufer, der in jedem Jahr an gleicher Stelle steht, macht gleich klar, dass daraus wohl nichts wird: Die Bäume seien schon fast alle verkauft, erklärt er, und zeigt mit großem Armschwung ins eingezäunte Rund.

Tatsächlich: Gerade einmal zehn große Bäume und vielleicht noch einmal genau so viele Mini-Varianten verlieren sich in der Fläche. "Nachschub kriegen wir nicht mehr. In diesem Jahr ist alles früher", sagt Levanta Karol. Gleich wird er zusammenpacken und gemeinsam mit dem Chef den Verkaufsstand schließen. Und was wird er an Weihnachten tun? "Ich hoffe, dass ich zu Besuch nach Hause fahren kann, nach Siebenbürgen. Doch sicher ist das nicht, denn Deutschland ist Rot, wegen der vielen Corona-Fälle. Vielleicht müsste ich in Quarantäne, dann weiß ich nicht, ob ich fahre."

Piroska Belz ergattert einen der letzten Weihnachtsbäume. Die Steinfurther Heilpraktikerin, die seit Ausbruch der Coronakrise ihre Gesundheitsvorträge online anbietet, sieht das bevorstehende Weihnachtsfest ganz entspannt. "Ich werde gemeinsam mit meinem Lebensgefährten Uwe Oertel in dessen Wohnung in Frankfurt feiern, dieses Mal halt ohne unsere Kinder. Kontakt halten wir trotzdem per Telefon", erzählt sie, während Uwe Oertel den Weihnachtsbaum im Auto verstaut.

Nach und nach treffen, und nicht alle zusammen

Vor dem benachbarten Supermarkt treffe ich eine ältere Dame, die auch gerne bereit ist, ein paar Fragen zu beantworten, allerdings ohne ihren Namen zu nennen. "Weihnachten feiern mein Mann und ich wie immer", sagt sie zunächst. Dann aber gibt sie zu, dass sie - als Österreicherin - doch lieber wie sonst auch in ihrer Heimat feiern würde. "Aber das geht dieses Jahr nicht, und wir werden das Beste draus machen", sagt sie zum Abschied.

Patricia Philipp ist mit dem Wochenendeinkauf beschäftigt. Die Nieder-Mörlerin wird mit der engeren Familie, sprich mit Mann und Kindern, feiern. "Sonst waren wir immer als Großfamilie bei meinen Eltern, außer uns noch meine Geschwister ebenfalls mit ihren Familien. Dieses Jahr treffen wir uns zwar auch, aber halt nach und nach und nicht alle zusammen." Besonders traurig findet die passionierte Chorsängerin, dass in diesem Jahr am Tannenbaum sicherheitshalber nicht gesungen wird.

Sie kann der Krise allerdings auch etwas Positives abgewinnen: "Man wird daran erinnert, dass nicht alles selbstverständlich ist. Ich genieße jetzt alles bewusster, auch demütiger. Es gibt sicher viele, gerade in den beengten Hochhäusern in den größeren Städten, denen es schlecht geht. Wir in unserer ländlichen Gegend leben jetzt privilegiert, wir können rausgehen, haben gute Nachbarschaft. Wir lernen wieder, welchen Wert das hat!"

Sorgen um die Menschen, die alleine feiern werden

Zwiegespalten ist auch das Empfinden von Dirk Michel. Er wird Weihnachten mit Frau, Sohn und Tochter feiern, doch obwohl er betont, keine wirtschaftliche Not zu leiden, fehlt ihm etwas Wichtiges: das Fest in der Kirche. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat das Vorstandsmitglied der evangelischen Kirchengemeinde die letzten Tage damit verbracht, all die getroffenen Vorbereitungen unter den Bedingungen des Shutdowns zu überarbeiten.

"Ich sorge mich vor allem um die Menschen, die Weihnachten nun alleine feiern werden", sagt er und findet: "Jeder sollte das Recht haben, jemanden zum Feiern zu haben." Auch bedrückt ihn, dass die im Frühjahr noch spürbare Solidarität nun in der zweiten Welle dem Egoismus gewichen sei. Dessen Ursache sieht Michel in der Angst, aber weniger in derjenigen vor einer Ansteckung als vielmehr vor den durch die Pandemie ausgelösten gesellschaftlichen Veränderungen, "von denen noch keiner so recht weiß, was sie für ihn bedeuten werden, und diese Unsicherheit erzeugt Angst".

Allerdings ist Michel "zutiefst davon überzeugt", dass die Pandemie auch positive Folgen haben wird: "Wir werden diese Krise überstehen und als Gesellschaft gestärkt daraus hervorgehen; gesellschaftliche Veränderungen sind immer nur möglich in der und durch die Krise."

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