Das Team der Telemedizin an der Kerckhoff-Klinik mit Oberarzt Dr. Andreas Hain (3. v. l.). 	FOTO: KERCKHOFF-KLINIK
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Das Team der Telemedizin an der Kerckhoff-Klinik mit Oberarzt Dr. Andreas Hain (3. v. l.). FOTO: KERCKHOFF-KLINIK

Überwachung für Herzpatienten

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Bad Nauheim (pm). Patienten mit Herzschrittmachern oder Defibrillatoren müssen regelmäßig kontrolliert werden. Da das gerade nur sehr eingeschränkt möglich ist, hat die Kerckhoff-Klinik ihr telemedizinische Nachsorgekonzept erweitert und nun für einen Großteil der Patienten verfügbar gemacht.

Per Fernüberwachung werden Daten der Herzschrittmacher oder Defibrillatoren übers Mobilfunknetz an die Klinik gesendet. So können die Kardiologen beispielsweise bei auftretenden Herzrhythmusstörungen aus der Ferne frühzeitig reagieren und den Patienten umgehend kontaktieren - sogar bevor dieser Beschwerden verspürt und in eine lebensbedrohliche Situation gerät. Die telemedizinische Nachsorge ist für Patienten kostenlos.

Ausgelöst durch die weltweite Corona-Pandemie waren in den vergangenen Wochen alle Kliniken angehalten, nicht zwingend erforderliche, medizinische Untersuchungen und Behandlungen zunächst auszusetzen, um für einen Anstieg an Covid-19-Patienten gerüstet zu sein. An der Kerckhoff-Klinik wurden auch die regelmäßigen Kontrollen der »Defis« und das Erkennen von Herzrhythmusstörungen als mögliche Vorboten einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes bis auf Weiteres verschoben. Um dennoch für größtmögliche Sicherheit der Herzinsuffizienz-Patienten zu sorgen, habe das Telemonitoring-Team des Herzzentrums innerhalb weniger Tage große Mengen an Home-Monitorsystemen bestellt. Zeitgleich sei ein Prozess etabliert worden, um die Patienten telefonisch aufzuklären und die entsprechenden Geräte sowie notwendigen Unterlagen schnellstmöglich per Post an sie zu versenden, teilt die Klinik mit. Die Kreis der Patienten sei seit 19. März so bereits um 70 Personen erweitert worden. Die meisten nähmen das Angebot an, berichtet Oberarzt Dr. Andreas Hain. »Bei einigen besteht die Sorge, ob sie mit der Technik zurechtkommen. Das können unsere geschulten Mitarbeiterinnen jedoch abfangen, da für die Telemedizin im Prinzip nur eine handelsübliche Steckdose benötigt wird.« Mit Überweisung vom Facharzt könnten die anfallenden Kosten mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Die telemedizinische Nachsorge könne innerhalb von drei Werktagen realisiert werden.

Störungen, Änderungen der Messwerte oder auch Defekte am Gerät würden umgehend über den Home-Transmitter an die Klinik übermittelt. Die Daten würden auf einem sicheren Server gespeichert und ständig von Fachärzten oder speziell geschultem Fachpersonal kontrolliert. »So können wir im Ernstfall sofort reagieren«, sagt Kardiologe Dr. Hain. Vorteile für Patienten: mehr Sicherheit, individuelle Betreuung, Krankheitsfrüherkennung und weniger Krankenhausaufenthalte.

Entscheidung nach Corona

Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen sollen die Patienten, die sich jetzt für die Telemedizin entscheiden, wieder wie gewohnt zur Kontrolle in die Ambulanz der Kerckhoff-Klinik kommen. Den Home-Transmitter dürften sie behalten; wer möchte, werde auch weiterhin telemedizinisch kontrolliert.

Verschiedene Studien der vergangenen Jahre zeigen laut Dr. Hain, dass die telemedizinischen Möglichkeiten bei kardiologischen Patienten den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können und die Lebensqualität steigert. Daher sollte die Telemedizin auch zukünftig jedem geeigneten Patienten zugänglich gemacht werden.

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