Damit kleine Kinder in den Kitas auf hohem Niveau betreut werden können, gibt die Stadt rund 11 Millionen Euro pro Jahr aus. Ab 2021 steigen die Betreuungsgebühren.	FOTO: DPA
+
Damit kleine Kinder in den Kitas auf hohem Niveau betreut werden können, gibt die Stadt rund 11 Millionen Euro pro Jahr aus. Ab 2021 steigen die Betreuungsgebühren. FOTO: DPA

Aus Schwimmbad-Parkplatz

Übergangs-Kita als teure Notlösung

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Die betroffenen Eltern aus Bad Nauheim dürften nicht begeistert sein: Ihre Kinder werden zwei Jahre in einer Container-Kita betreut, die am Rand des Usa-Wellenbad-Parkplatzes entsteht.

Die geplante Übergangs-Kita für 60 Kinder, die am 1. November ihre Arbeit aufnehmen soll, ist auch aus Sicht der Kommunalpolitiker keine Ideallösung. Eigentlich wollte die Stadt das Gebäude der ehemaligen Röntgenbildschirmstelle in der Schwalheimer Straße rechtzeitig erwerben, um dort 2020 eine neue Tagesstätte installieren zu können. Doch die Übernahme verzögert sich.

Da die bestehenden Kitas in der Kernstadt aus allen Nähten platzen und das Neubaugebiet Bad Nauheim Süd wächst und wächst, werden dringend zusätzliche Plätze benötigt. Deshalb werden auf einer 3000 Quadratmeter großen Grünfläche am nördlichen Rand des Usa-Wellenbad-Parkplatzes Container aufgestellt, die mindestens zwei Jahre als Domizil für die Kleinen dienen.

Hoffnung auf ein Wunder

Der Sozialausschuss hatte für diese Notlösung kürzlich bereits grünes Licht gegeben, am Donnerstagabend nickte der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig die Kostenübernahme ab. Manche Politiker dürften angesichts der Zahlen schwer geschluckt haben. Muss die Stadt doch rund 710 000 Euro bereitstellen, um die Übergangs-Kita zwei Jahre betreiben zu können. Dabei sind die Personalkosten noch gar nicht eingerechnet.

Allein 200 000 Euro verschlingen die Anschlüsse an Kanal, Wasser- und Stromleitung sowie die Einfriedung der Grünfläche. Fast ebenso teuer ist die Anmietung der Container und deren Umrüstung. »Vielleicht geschieht ja ein Wunder, und die Erschließungskosten fallen geringer aus«, sagte Markus Theis (UWG).

Damit rechnet Erster Stadtrat Peter Krank nicht unbedingt. Die Ausgaben für Kanal-, Wasser- und Stromanschluss würden später immerhin dem Schwimmbad-Zweckverband zugutekommen. Am Standort der Übergangs-Kita soll nämlich anschließend ein Wohnmobil-Parkplatz entstehen.

Betreuungsgebühren steigen moderat

Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Ausschuss-Sitzung drehte sich um die Kinderbetreuung. Wie Sozialdezernent Krank erläuterte, steige der Bedarf an Plätzen für U 3- und Ü 3-Kinder ständig an. »Der städtische Zuschuss für die Kinderbetreuung liegt zurzeit bei 10,5 bis 11 Millionen Euro pro Jahr. 2021 wird die 11-Millionen-Euro-Marke überschritten«, verdeutlichte der Erste Stadtrat die Dimension dieser Ausgaben. Eine »kleine, überschaubare Gebührenerhöhung« ab August 2021, die vom Familienbeirat akzeptiert werde, sei deshalb unerlässlich. Ursprünglich sollte die Anhebung bereits in diesem Sommer erfolgen, der Sozialausschuss hatte aber für eine Verschiebung votiert.

Es sei »bemerkenswert«, aber auch gerechtfertigt, was die Stadt für dieses Angebot ausgebe, sagte Dr. Martin Düvel (Grüne). Er könne sich an Zeiten erinnern, als die Stadt ein Drittel der Gesamtkosten übernommen habe, heute seien es rund 70 Prozent.

Auslöser für den einstimmigen Beschluss, die Gebühren in den Jahren 2021 bis 2025 jeweils um zwei Prozent zu erhöhen, ist die Änderung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfe-Gesetzbuches. Wie der Beschlussvorlage zu entnehmen ist, wird darin nicht nur die Gebührenfreiheit für das Grundmodul der Ü 3-Kinderbetreuung festgelegt, sondern auch geregelt, wie viele Landeszuschüsse die Kommunen erhalten. Diese Zuschüsse steigen zwar, gleichzeitig werden aber die Qualitätsstandards erhöht. Die Stadt muss deshalb mehr Erzieherstellen schaffen. »Unter dem Strich steigen die Ausgaben der Stadt weiter«, sagte Krank.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare