Nach Ausbruch von Corona in der Seniorenresidenz am Kaiserberg: Wie geht es den Menschen, wie sind die Abläufe im Seniorenheim?	Foto: Nici Merz
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Nach Ausbruch von Corona in der Seniorenresidenz am Kaiserberg: Wie geht es den Menschen, wie sind die Abläufe im Seniorenheim? Foto: Nici Merz

Viele Infizierte

Corona in Bad Nauheim: Über 100 Fälle in Seniorenheim - So ist die Lage vor Ort

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Mehr als 100 positive Corona-Fälle gibt es in der „Seniorenresidenz am Kaiserberg“ in Bad Nauheim. Leiterin Samirah Pöpel spricht über Angst und Engagement, Quarantäne und einen Zufall.

Bad Nauheim - »Ich bin so dankbar, dass wir bis heute noch keinen Fall hatten.« Diesen Satz hat Samirah Pöpel im Oktober gesagt. Nun, Mitte Dezember, geht es in der von ihr geleiteten »Seniorenresidenz am Kaiserberg« in Bad Nauheim nicht um einen Corona-Fall, sondern um 119. Mindestens, muss man leider sagen, denn noch liegen nicht alle Mitarbeiter-Tests vor. Die WZ berichtete in der Dienstagausgabe, dass in der Einrichtung an die 100 Bewohner - von derzeit etwa 160 - mit dem Virus infiziert sind. Am Dienstag konnte es Samirah Pöpel genauer sagen: 107 Bewohner sind betroffen, außerdem zwölf Mitarbeiter. Ein großer Teil der Belegschaft habe ein negatives Ergebnis, bei manchen warte man noch auf das Resultat. Dass noch nicht alle Ergebnisse vorlägen, hänge an den Kapazitäten, sagt Pöpel. Die Tests würden bei Hausärzten und im Testcenter gemacht. PCR-Tests bei den Bewohnern hatte das Gesundheitsamt gemacht.

Drei Menschen seien schwer erkrankt, lägen im Krankenhaus und benötigten Sauerstoff, erläutert die Heimleiterin. Ansonsten beobachte man Erkältungssymptome und Fieber. Außerdem gebe es einige Bewohner ohne Symptome.

Die vergangenen Monate waren auch in der »Seniorenresidenz am Kaiserberg« geprägt davon, den Bewohnern und Mitarbeitern den größtmöglichen Schutz vor dem Coronavirus zu bieten und doch - in den Zeiten, in denen das noch möglich und erlaubt war - Besuche, das soziale Miteinander zu ermöglichen. Das Team hat sich Gedanken gemacht, ein Konzept entwickelt, sich für Sicherheit eingesetzt - und doch ist das Virus irgendwo durchgeschlüpft.

Großes Engagement der Mitarbeiter

Wie es in die Einrichtung gekommen ist, kann Samirah Pöpel nicht beantworten. Wie es festgestellt wurde, hingegen schon: durch einen Zufall. Eine Bewohnerin musste wegen einer ganz anderen Geschichte ins Krankenhaus. Der Schnelltest ergab: Corona-positiv.

Pöpel und ihr Team müssen jetzt eine Situation meistern, von der sie gehofft hatten, sie würde nie eintreten. Die Angehörigen beziehungsweise Betreuer der Bewohner mussten kontaktiert werden, die Quarantäne für die Bewohner beginnen. Die Senioren werden seitdem auf ihren Zimmern versorgt, bekommen dort Essen, müssen - falls nötig - beim Waschen, beim Anziehen, beim Gang auf die Toilette unterstützt werden., Die Mitarbeiter seien mit kompletten Schutzausrüstungen ausgestattet: Handschuhe, Visier, FFP-2-Maske und Schutzkittel.

Eine wichtige Rolle spielt auch in diesen Tagen und Wochen das Thema Demenz. Um von dieser Erkrankung betroffene Bewohner kümmert sich das Team der sozialen Betreuung. Angesichts der bedrückenden Lage in der Seniorenresidenz könne sie auf ihre Mitarbeiter zählen, sagt Pöpel. Die seien hoch motiviert, böten selbst aus dem Urlaub heraus ihre Unterstützung an. Für Dezember hätten eigentlich viele Mitarbeiter Urlaub eingeplant, sagt Pöpel. Da sie aber angesichts der Corona-Lage sowieso nicht verreist sind, kann die Leiterin sie nun einsetzen. »Viele rufen an und fragen: ›Können wir helfen?‹« Die Mitarbeiter seien unheimlich engagiert hätten ihre eigene Angst zurückgestellt.

Besuchsverbot, Quarantäne, bestmöglicher Schutz, voller Einsatz - wichtige Maßnahmen im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus und für die Pflege der alten Menschen.

Das Szenario, das (noch) nicht da ist

Die Mitarbeiter-Teams würden untereinander nicht gemischt, sagt Pöpel. Es gebe Pandemiepläne, das Gesundheitsamt informiere umfangreich, die Residenz stehe in täglichem Kontakt mit der Heimaufsicht. »Wir haben wirklich eine guten roten Faden«. Und die Bewohner? Die seien tapfer, sagt Pöpel, hielten via Telefon und Tablet Kontakt mit den Liebsten.

Doch was ist, wenn das Personal knapp wird, wenn es nicht mehr genügend nicht infizierte Mitarbeiter mehr geben sollte, die sich um die Bewohner kümmern können? Tritt dann der Fall ein, dass infizierte Mitarbeiter infizierte Bewohner betreuen? »So weit sind wir Gott sei Dank noch nicht«, sagt die Residenz-Leiterin. Im Pandemieplan sei solch ein Szenario aber beschrieben. Wenn diese Anordnung käme, dann von den Behörden. »Es ist ein Szenario, das so auf Papier steht.«

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