Trotz Wehrdienst-Ende kein Personalmangel

Bad Nauheim/Friedberg (sda). Seit geraumer Zeit gibt es keinen Wehrdienst mehr, womit auch die Notwendigkeit entfallen ist, sich für Jahre bei Feuerwehr oder THW zu verpflichten, um der Bundeswehr auszuweichen. Über Personalmangel klagen die Rettungs- und Hilfsorganisationen gleichwohl nicht - noch nicht.

Bad Nauheim /Friedberg (sda). Eigentlich wollte er nur die Bundeswehr umgehen. Also entschied sich Alexander Diedrichs für den Wehrersatzdienst beim Technischen Hilfswerk (THW). Das war vor 14 Jahren. Heute ist er Ortsbeauftragter des THW Friedberg. "Die Arbeit hier ist zur Grundfeste meines Lebens geworden", sagt Diedrichs. Insgesamt habe die Friedberger Ortsgruppe 42 Mitglieder. Davon seien rund 60 Prozent durch den Wehrersatzdienst zum THW gekommen. "Die meisten sind nach der vierjährigen Verpflichtungszeit bei uns geblieben", erzählt der Ortsbeauftragte. Im Durchschnitt seien vier neue Mitglieder pro Jahr hinzugekommen. Im letzten Jahr waren es nur zwei Neueinsteiger. Nachdem die Wehrpflicht im vergangenen Sommer abgeschafft wurde, blicken Organisationen wie das THW mit Sorge in die Zukunft. Dennoch zeigt sich: Der Wetteraukreis ist bisher noch nicht betroffen, es gibt noch keine Nachwuchssorgen.

Bei der Friedberger Ortsgruppe des Hilfswerks ist man guten Muts: "Wir haben eine außergewöhnlich starke Jugendgruppe", berichtet Diedrichs. Bundesweit sei die Situation aber ernst: "Das THW kämpft um jedes Mitglied." Vor allem für junge Kriegsdienstverweigerer sei die Verpflichtung beim THW ansprechend gewesen. Einmal pro Woche habe man an den Sitzungen teilnehmen müssen und an den monatlichen Übungen. Die jungen Leute konnten ihren Dienst neben Studium oder Beruf ableisten. "Der Wegfall dieser Gruppe wird sich mittelfristig erheblich auswirken", vermutet Diedrichs.

Im Gegensatz zum THW setzt die Johanniter Unfall-Hilfe mit Sitz in Bad Nauheim seit mehreren Jahren auf Helfer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ableisten. "Wehrersatzdienstler haben wir schon lange nicht mehr", sagt Oliver Pitsch, Vorstand des Johanniter Regionalvorstandes Rhein-Main. Momentan seien 15 Stellen durch das FSJ und vier Stellen durch den neuen Bundesfreiwilligendienst besetzt. Zwar gebe es den ein oder anderen Abbrecher, bisher habe der Regionalverband aber keine Nachwuchsprobleme.

Das hänge vor allem mit der aktiven Personalbeschaffung zusammen: "Wir werben ständig für den Dienst bei uns", sagt Pitsch. Mit gezielter Werbung am Ende des Schuljahrs oder Informationstagen an den Schulen mache der Verband die jungen Leute auf die Arbeit in der Rettungsorganisation aufmerksam. "Bisher konnten wir alle freien Stellen besetzen", berichtet Pitsch.

Auch für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Bad Nauheim hatte die Abschaffung des Wehrdienstes keine Folgen: "Wir haben bereits seit 25 Jahren keine Wehrersatzdienstler mehr aufgenommen", erklärt Stadtbrandinspektor Ronald Neumann. Dennoch: Auch die Feuerwehr bemühe sich um jeden ehrenamtlichen Helfer, sagt er. Im Moment seien rund 150 Feuerwehrleute in der Kurstadt im Einsatz, aber wie in ganz Deutschland gehe die Zahl der Neueinsteiger zurück.

Das habe viele Gründe, sagt Neumann, der demografische Wandel spiele eine große Rolle. Aber auch die erhöhte Flexibilität, die der Arbeitsmarkt erfordere, wirke sich negativ auf freiwillige Tätigkeiten aus. "Wir kämpfen um jeden Jugendlichen", sagt der Feuerwehrmann. Die Jugendfeuerwehr sei die beste Möglichkeit, um Nachwuchs zu rekrutieren. Zudem überlege man, künftig Leute aufzunehmen, die sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst entscheiden.

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