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Peter Noss spricht in der Schwalheimer Kirche, Bischof Samantaroy ist aus Indien zugeschaltet.

Trotz der Entfernung nah beieinander

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Bad Nauheim/Wetteraukreis . Vor Ort und digital per Livestream haben zahlreiche Menschen einen gemeinsamen Gottesdienst in Schwalheim und in der nordindischen Gemeinde Jammu erlebt. Die protestantische Kirchengemeinde von Jammu gehört zur Diözese Amritsar und befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze zwischen Indien und Pakistan. Den Partnerschaftsgottesdienst hat das evangelische Dekanat Wetterau gemeinsam mit den Gemeinden des Kooperationsraums Bad Nauheim/Ober-Mörlen und der Diözese Amritsar organisiert.

Zwischen beiden Kirchen besteht seit vielen Jahren ein partnerschaftlicher Austausch.

In Indien ebbt die zweite Corona-Welle inzwischen zwar ab, jedoch sind die Todeszahlen immer noch sehr hoch. Prita Samantaroy berichtete vom Projekt »Love in Action«: Die Christen in der Diözese Amritsar versuchen unter schwierigsten Bedingungen, kranken Menschen medizinische Hilfe zu organisieren. Aber nicht nur den Kranken gilt ihre Sorge: In Indien verlieren viele Menschen durch die Einschränkungen über Nacht ihr einziges Einkommen und müssen ohne Hilfe buchstäblich hungern. Bischof Samantaroy, der vor vier Jahren einen Gottesdienst in Bad Nauheim gestaltet hatte, dankte herzlich für die Unterstützung aus dem Dekanat. Es sei großartig, dass man trotz großer Entfernung gemeinsam an einem Ort sein könne.

Hilfe für Menschen in Indien nötig

»Gott hat ein Auge auf die Ausgestoßenen, die Armen und die Schwachen«, sagte Pfarrer Dr. Peter Noss. Dekan Volkhard Guth unterstrich in seiner Auslegung zu Lukas 15: »Jesus kümmert sich und sucht auch den letzten von uns.« Reverend Ajay Singh ergänzte, Gott habe uns den Auftrag gegeben, uns um die »verlorenen Seelen« zu kümmern und ihnen von seiner Liebe zu erzählen. Esther Williams fügte hinzu: »Während der Pandemie sind wir durch harte Zeiten gegangen, aber wir können uns jederzeit auf Gott verlassen.« Musikalisch wurde der Gottesdienst von Dekanatskantorin Nilani Stegen mit Band in Schwalheim, und von indischer Seite mit zwei Musikbeiträgen bereichert.

Weil die Pandemie in Indien noch lange nicht vorbei ist, wird weiterhin Unterstützung für die Menschen in Amritsar benötigt. Pfarrer Rainer Böhm berichtete, dass die Gemeinde in der Bad Nauheimer Kernstadt jüngst 15 000 Euro aus einer ihr zugeflossenen Erbschaft für den Kampf gegen die Corona-Pandemie in der Partner-Diözese bereitgestellt habe. Weitere 20 000 Euro sind in den kommenden zwei Jahren für Partnerschaftsprojekte unabhängig von Corona vorgesehen.

Dem Beschluss vorangegangen war eine intensive Diskussion im Kirchenvorstand. Mit dem Orgelbauprojekt in der Dankeskirche und der Renovierung des Gemeindezentrums Wilhelmskirche gibt es auch hier wichtige Projekte, die auf Spenden angewiesen sind. Deutlich wurde aber, dass es zum Selbstverständnis der Gemeinde gehört, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern auch für andere da zu sein. Böhm verwies auf einen Gedanken Bonhoeffers, wonach Gemeinde nicht gelähmt sein solle in der Sorge um ihre eigenen Interessen, sondern auch denen gebe, die es nötig brauchten.

Die Partnerschaft mit Amritsar ist seit einer Initiative des damaligen Dekans Zickmann im Jahr 1986 fester Bestandteil der Gemeindearbeit in Bad Nauheim. Vor zwei Jahren waren Priester aus der Diözese in Bad Nauheim zu Gast und gestalteten einen Gottesdienst in der Dankeskirche mit. Umgekehrt waren zuletzt Rainer Böhm und Pfarrer Nickel aus Steinfurth in Indien.

Der gemeinsame Gottesdienst zeigt, wie lebendig die Partnerschaft zwischen dem Dekanat Wetterau, den Gemeinden und den Christen in Amritsar ist. Gemeinsam ist allen die Hoffnung, dass die Pandemie bald überwunden und dann auch wieder persönliche Begegnungen möglich sein werden. Axel Angermann

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