Das Restaurant "Tafelspitz" gibt es in der Trinkkuranlage längst nicht mehr. Das jetzt von Erstem Stadtrat Peter Krank vorgeschlagene Konzept, in dem Jugendstilensemble mehr kulturelle Veranstaltungen zu etablieren, sieht eine andere Art der Bewirtung vor. FOTO: NICI MERZ
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Das Restaurant "Tafelspitz" gibt es in der Trinkkuranlage längst nicht mehr. Das jetzt von Erstem Stadtrat Peter Krank vorgeschlagene Konzept, in dem Jugendstilensemble mehr kulturelle Veranstaltungen zu etablieren, sieht eine andere Art der Bewirtung vor. FOTO: NICI MERZ

Neukonzeption

Trinkkuranlage Bad Nauheim: Künftig kein Restaurant mehr?

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Café Johannisberg und Trinkkuranlagen-Restaurant sollten zu den Top-Gastronomiebetrieben Bad Nauheims gehören. Doch beide sind geschlossen. Fürs Jugendstilensemble gibt es neue Pläne.

Mit dem Restaurant in der Trinkkuranlage hat die Stadt als Vermieter in den letzten Jahren keine guten Erfahrungen gemacht. So sieht das zumindest Erster Stadtrat Peter Krank. "Durch die Anordnung der Räumlichkeiten mit der eigentlichen Gaststätte, dem Bankett- und dem Konzertsaal handelt es sich um eine Art ›Gastronomieschlauch‹, der nur schwer wirtschaftlich zu betreiben ist", erklärt er.

Der Erste Stadtrat stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Braucht Bad Nauheim mit seiner ohnehin großen Zahl an Restaurants mit höherer Qualität noch ein Angebot dieser Güteklasse? Krank sagt Nein und möchte in der Trinkkuranlage stattdessen - zumindest übergangsweise - die städtische Spielstätte für das Theater Alte Feuerwache (TAF) und Kleinkunst unterbringen.

Ihm schwebt also ein Neukonzeption für die Nutzung dieses Gebäudeensembles vor, das neben dem Sprudelhof prägend für die Innenstadt ist. Zurzeit wird in Abstimmung mit dem TAF-Verein an den Plänen für diese Neuordnung gearbeitet, nach der Sommerpause will Krank den parlamentarischen Gremien ein Papier zur Beratung vorlegen.

"Kleine Karte" vorgesehen

"Stadt und TAF sind derzeit bereits mit der gut angenommenen Sommer-Reihe in der Trinkkuranlage vertreten", sagt Krank. Daraus könnte eine dauerhafte Präsenz werden. Bekanntlich hatte die städtische Spielstätte das Badehaus 2 im Sprudelhof Ende 2019 räumen müssen, weil dieses Gebäude Teil der neuen Therme wird. Seitdem gibt es keine Ersatzlösung, die alle Beteiligten befriedigt. "Wir müssen die Kulturarbeit in Bad Nauheim wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen", betont der Kulturdezernent.

Ihm schweben Theateraufführungen des TAF im großen Konzertsaal vor. Der Bankettsaal sei für das Kleinkunst-Programm der Stadt ideal geeignet. Aus dem früheren Restaurant, das seit März verwaist ist, könnte eine Art Café werden, in dem neben Kaffee und Kuchen kalte Getränke und kleine Snacks verkauft werden.

Für das Restaurant habe es zwar einige Anfragen von Interessenten gegeben, die Stadt habe aber zurückhaltend reagiert. "Wir sind nicht groß auf der Suche, wollen keine sofortige Entscheidung, sondern arbeiten an unserem Konzept", sagt Krank. Dabei komme der Stadt die Corona-Krise ausnahmsweise entgegen. Unter den aktuellen Bedingungen seien große Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen ohnehin nicht möglich, deshalb müsse die Übergangsspielstätte nicht sofort zur Verfügung stehen. "Wir können uns Zeit lassen mit der Ausarbeitung unserer Pläne."

An Neubauplänen wird festgehalten

Apropos "Übergang". Wie lange TAF und Kleinkunst in der Trinkkuranlage bleiben sollen und wann ein regelmäßiger kultureller Veranstaltungsbetrieb dort überhaupt möglich wird, ist Krank zufolge unklar. Niemand wisse, wie lange die Corona-Pandemie anhalte. Unbekannte Nummer zwei: Niemand wisse, wie viel Zeit Planung und Bau einer neuen Spielstätte im Sprudelhof dauern werden. Bislang ist es nämlich parlamentarische Beschlusslage, TAF und Kleinkunst eines Tages in einem Neubau am Badehaus 3 des Sprudelhofs unterzubringen. An diesen Plänen hält Krank prinzipiell fest, allerdings benötige dieses Projekt "einen langen Atem", denn ein Bauvorhaben in einem denkmalgeschütztem Rahmen wie dem Sprudelhof sei nicht so einfach zu realisieren. Deshalb sei eine Übergangslösung notwendig, die für längere Zeit trage.

Bleibt abzuwarten, was die Stadtverordneten zu den Plänen von Peter Krank zu sagen haben. Eine Überlegung wird dabei sicher eine Rolle spielen: Vor Corona diente der Konzertsaal der Trinkkuranlage nicht zuletzt als Räumlichkeit für größere Privatfeiern oder Veranstaltungen von Unternehmen. Kollidiert diese Nutzung nicht mit den Aufführungen des TAF? Der Erste Stadtrat hat diesbezüglich keine Bedenken: "Auch vor Corona gab es noch genügend freie Termine, Aufführungen des TAF - in der Regel gibt es nur eine große Produktion pro Jahr - würden zu einer noch besseren Auslastung führen." Hochzeiten, Fasching, Stadtverordnetensitzungen oder Veranstaltungen von Unternehmen wären trotzdem möglich. Allerdings, so Krank, müssten alle Beteiligten eine größere Flexibilität bei der Terminierung ihrer Veranstaltungen zeigen.

Gastronomie: Leerstand seit März

Der gastronomische Betrieb in der Trinkkuranlage liegt seit März dieses Jahres still. Damals wurde das Restaurant "Tafelspitz & Söhne" aufgegeben. Der Geschäftsführer hatte die Corona-Krise als Hauptgrund für die Schließung genannt. Vorausgegangen war allerdings eine langwierige Auseinandersetzung zwischen Pächter und Stadt. Dieser Streit gipfelte in der Kündigung des Mietvertrags durch das Rathaus. Die ELEM Hospitality GmbH, seit 2014 Betreiber des "Tafelspitz", sollte das Feld bereits Ende April 2019 räumen, weil das Vertrauensverhältnis aufgrund verschiedener Vorfälle zerstört sei, wie es im Kündigungsschreiben hieß.

Die EELEM legte Widerspruch ein, beide Seiten einigten sich zunächst auf einen Vergleich. Doch die Stadt sah weitere Vertragsverstöße, kündigte erneut. Vor rund sechs Monaten schloss das "Tafelspitz" schließlich seine Pforten, übergab die Räumlichkeiten, zu denen eine moderne Küche gehört, an die Stadt. Sollte es zu der von Erstem Stadtrat Peter Krank vorgesehenen Neukonzeption der Bewirtung kommen, dürfte es für diese Küche kaum noch eine Verwendung geben.

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