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Die Anwältinnen Dr. Maike Koch (l.) und Fabienne Metz und kümmern sich um Fälle, in denen es um die Trennung vom Partner geht. Während Metz eher mit der klassischen Scheidung zu tun hat, vertritt Koch Betroffene häuslicher Gewalt.

Interview

Trennung: Geld, Gefühle und Gewalt

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Wird eine Ehe beendet,gibt es nicht nur verletzte Gefühle. Fragen zu Unterhalt, Umgang und Sorgerecht stehen im Fokus. Manchmal geht es auch um Gewalt. Bad Nauheimer Anwältinnen erzählen.

Frau Metz, in welcher Verfassung sind Menschen, die vor einer Scheidung stehen?

Fabienne Metz:Das ist unterschiedlich. Manche Mandanten sind sehr sachbezogen, es geht um die offizielle Abwicklung. Deutlich schwieriger ist es, wenn Kinder involviert sind. Da geht es auch um Ängste, die Kinder zu verlieren und sie weniger zu sehen.

Welche Fragen sind besonders dringlich?

Metz:In 80 Prozent der Fälle ist die wichtigste Frage: Welche Auswirkungen hat die Scheidung auf unser weiteres Leben? Der weniger Verdienende fragt sich: Wie komme ich über die Runden? Der andere fragt sich: Welche Ansprüche kann man an mich stellen? Die zweite dringendste Frage ist der Umgang mit den Kindern. Meist gibt es eine Einigung, wo sie leben sollen. Aber bei Besuchs- und Entscheidungsrechten können die Vorstellungen unterschiedlich sein. Die Tendenz in der Rechtsprechung hinsichtlich der Besuchsrechte ist: möglichst großzügig, aber planbar und verlässlich.

Welche Rolle spielen Emotionen?

Metz:Trennung begleitet einen Menschen bis zur Scheidung mindestens ein Jahr. Wenn Kinder involviert sind, gibt es immer wieder Begegnungen und neue Entscheidungen, die zu treffen sind. Der Kontakt lässt sich bei Beteiligung von Kindern kaum vermeiden. Dabei kommen auch hin und wieder die eigenen verletzten Gefühle wieder hoch.

Sind Ehescheidungen teuer?

Metz:Das hängt vom Einkommen der Eheleute ab. Deshalb kann man es nicht pauschal sagen. Viele Mandanten mit mittleren Einkommen sind überrascht, dass die Kosten überschaubar sind. Einkommensschwache können Verfahrenskostenhilfe beantragen.

Wieso haben Sie sich für das Familienrecht entschieden?

Metz:Es hat viele spannende Rechtsfragen. Ich lerne dabei die Menschen kennen, es erfordert ein anderes Vertrauensverhältnis, die Mandanten begleiten mich länger. Denn wenn sie Kinder haben, kommt es immer wieder zu Folgefragen. Das ist etwas anderes als nur Aktenstudium. Es ist eine professionelle Beziehung, aber anders als in anderen Rechtsgebieten.

Frau Dr. Koch, wie häufig kommt Gewalt in der Ehe vor?

Dr. Maike Koch: Häufiger, als man denkt. Und ich glaube, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Dabei muss man überlegen, wie man Gewalt definiert. Ob man psychische Gewalt einbezieht, was ich tue, oder nur die physische Gewalt.

Wann kommen Betroffene in Ihre Kanzlei?

Koch:Meist kommen Frauen und Männer, die einen langen Leidensweg hinter sich haben. Es ist viel Scham dabei. Starke Faktoren sind finanzielle und seelische Abhängigkeit. Oft ist die Hoffnung auf Besserung groß, weil der Partner zusagt, sich zu ändern.

Wie gehen Sie als Anwältin vor?

Koch:Wir stellen einen Gewaltschutzantrag, wenn wir jemanden schützen müssen. In 90 Prozent der Fälle erstatten wir Strafanzeige. Die drei Säulen des Gewaltschutzverfahrens sind Wohnungszuweisung, Kontaktverbot und Näherungsverbot.

Welche Auslöser führen zum Entschluss, sich zu wehren?

Koch:Manchmal brauchen Frauen erst das nötige Selbstbewusstsein, bis sie den Schritt gehen. Mitunter ist es eine besonders heftige Gewalttat, manchmal der erste Übergriff auf die Kinder. Manchmal geht jemand zur Beratungsstelle und bekommt dort den Mut, zur Anwältin zu gehen.

In welchen Gesellschaftsschichten kommt häusliche Gewalt vor?

Koch:In allen. In manchen Schichten wird vielleicht mehr psychische Gewalt ausgeübt, oder der Täter geht intelligenter vor. Da wird nicht ins Gesicht geschlagen, nach außen wird es besser verborgen.

Was empfehlen Sie Opfern?

Koch:Ich rate ihnen immer zu einer räumlichen Trennung, zu Kontaktabbruch, Dokumentation aller Vorkommnisse. Wenn die Voraussetzungen vorliegen, raten wir dann auch zu einem Antrag nach Gewaltschutzgesetz und einer Strafanzeige. Wichtig ist: Wenn Opfer und Anwalt über ein Gewaltschutzverfahren reden, muss es zeitnah zu der Tat passieren. Wir erleben aber auch oft, dass wir alles anleiern und die betroffenen Frauen dann wieder zurückgehen. Rational kann man so etwas nicht erklären, sondern es ist emotional. Es sind die Abhängigkeiten.

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