Künstlerin Barbara Wilhelmi präsentiert  Bürgermeister Klaus Kreß (M.) und Ralf Paul von der Friedhofsverwaltung ihre Lithographien in der Trauerhalle des Hauptfriedhofs.	FOTO: PM
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Künstlerin Barbara Wilhelmi präsentiert Bürgermeister Klaus Kreß (M.) und Ralf Paul von der Friedhofsverwaltung ihre Lithographien in der Trauerhalle des Hauptfriedhofs. FOTO: PM

In der Trauer Wirkung entfalten

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Bad Nauheim (pm). Barbara Wilhelmi ist Lithographin. Seit Kurzem schmücken ihre Steindrucke die Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof in der Kernstadt. Die Bad Nauheimer Künstlerin erklärt: »Menschen sind dort in einer besonderen Situation in Trauer zum endgültigen Abschied. Deshalb ist eine passende Wandgestaltung wichtig.

Kunstwerke sollten in ihren Motiven auf der einen Seite die Trauer aufnehmen, vielleicht sogar eine Antwort geben, aber sie dürfen nicht zu sehr die Aufmerksamkeit wecken und ablenken. Vor vielen Jahren habe ich das Steindrucken erlernt und weiß, dass Lithographien in einen Trauerraum besonders passen - schon durch die Art der Herstellung.«

Schwere Pressen werden verwendet

Bürgermeister Klaus Kreß ließ die zwölf Lithographien am Mittwoch auf sich wirken. Gemeinsam mit der Künstlerin war er vor Ort und dankte ihr herzlich für die gelungenen Arbeiten: »Frau Wilhelmi hat mir erklärt, dass der Ausgangspunkt für die Lithographie die Oberfläche des Solnhofener Kalkschiefers ist, der zum Drucken verwendet wird. Zunächst präpariert sie die Steine in mehreren Arbeitsgängen. Es werden dabei auf unterschiedlichen Oberflächen Motive in einer umfangreichen Prozedur erstellt, die dann in den einzelnen Druckgängen mit Farben auf das Papier gebracht werden. Dabei kommen schwere Pressen aus massivem Eisen zum Einsatz. Das ›Bild‹ entsteht erst durch die verschiedenen Arbeitsgänge, das Übereinanderdrucken auf das gleiche Papier.«

Barbara Wilhelmi erläuterte, dass die Motive der Farbsteindrucke an etwas Erdhaftes erinnerten, vielleicht auch an einen Stein. In der zurückhaltenden Farbigkeit zeige das Motiv etwas, was mit den Worten »Festigkeit«, »Halt« und »Ewigkeit« benannt werden könne und was vielleicht die Trauernden zu finden suchten.

Auf einigen Lithographien sei ein verwischter Schriftzug zu lesen, auch symbolische Hinweise auf »eine andere Welt«, jenseits des Irdischen. In der Farbgebung würde ein Bogen gespannt von »der Erde zum Himmel« durch die dunkleren braun-grünen bis hin zu den hellblauen, durchscheinenden Farbtönen.

»Bei der Betrachtung kommt es darauf an, den eigenen Empfindungen nachzugehen und eigene Worte zu finden. Darin berührt sich die Bildbetrachtung mit dem Prozess des Trauerns, der ja für jede Person anders verläuft und wobei es wichtig ist, die eigenen Worte zu finden und sie auszusprechen«, sagt die Künstlerin, Kunsttherapeutin und Pfarrerin i. R. abschließend.

Im kommenden Jahr wird der Steindruck, der von Alois Senefelder erfunden worden ist, 250 Jahre alt.

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