Sie haben auch in Zeiten der Pandemie Menschen durch Organtransplantationen ein neues Leben geschenkt (hinten v. l.): Prof. Yeong-Hoon Choi (Chefarzt der Abteilung Herzchirurgie), Prof. Birgit Aßmus (Oberärztin Kardiologie), Dr. Kai Arne Nikolaus (Leitender Oberarzt der Pneumologie) und vorne v. l. Dr. Stefan Guth (Chefarzt der Thoraxchirurgie) und Prof. Ardeschir Ghofrani (Ärztlicher Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik und Direktor der Abteilung für Pneumologie). FOTO: KERCKHOFF-KLINIK GMBH
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Sie haben auch in Zeiten der Pandemie Menschen durch Organtransplantationen ein neues Leben geschenkt (hinten v. l.): Prof. Yeong-Hoon Choi (Chefarzt der Abteilung Herzchirurgie), Prof. Birgit Aßmus (Oberärztin Kardiologie), Dr. Kai Arne Nikolaus (Leitender Oberarzt der Pneumologie) und vorne v. l. Dr. Stefan Guth (Chefarzt der Thoraxchirurgie) und Prof. Ardeschir Ghofrani (Ärztlicher Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik und Direktor der Abteilung für Pneumologie). FOTO: KERCKHOFF-KLINIK GMBH

Neue Herzen, neue Lunge

Transplantationen in Bad Nauheim: Ärzte schenken zweites Leben

  • vonred Redaktion
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Es gibt Operationen, die dulden keinen Aufschub. Zum Beispiel, wenn jemand ein neues Herz braucht. Ein Bericht über Transplantationen in Bad Nauheim - in Zeiten von Corona.

Die Herzchirurgen unter der Leitung von Prof. Yeong-Hoon Choi und die Thoraxchirurgen unter der Leitung von Dr. Stefan Guth transplantieren an der Kerckhoff-Klinik erfolgreich - auch in Zeiten von Covid-19. Die Patienten konnten bereits mit der Reha starten.

Mit Beginn der Corona-Pandemie wurden Krankenhäuser deutschlandweit verpflichtet, Bettenkapazitäten freizuhalten, um für SARS-CoV-2-Patienten mit schweren Verläufen gewappnet zu sein. Planbare Operationen, die keine akuten Notfälle waren, wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Kerckhoff-Klinik als Zentrum für thorakale Organtransplantationen für Erwachsene in Hessen sei dieser Aufforderung der Regierung zeitnah gefolgt, habe aber gleichzeitig die Versorgung von Notfallpatienten weiterhin sichergestellt, heißt es in einer Pressemitteilung der Bad Nauheimer Klinik.

Verschiebung ist keine Option

"So konnten in den letzten Wochen vier Herzen und eine Lunge erfolgreich transplantiert und fünf Menschen die Chance auf ein neues Leben gegeben werden. Organtransplantationen können nicht verschoben werden, Spenderorgane sind rar, und jede Minute zählt. Daher fallen diese Eingriffe unter absolute Notfallindikationen, die trotz der erschwerten Bedingungen und dem hohem Risiko zwingend durchgeführt werden müssen."

Choi, seit Januar Chefarzt der Herzchirurgie der Kerckhoff-Klinik, erläutert: "Wenn das Herz immer schwächer wird und ein endgültiges Versagen droht, ist eine Herztransplantation die einzige Behandlung, die das Leben der schwer kranken Patienten retten kann. Glücklicherweise verfügen wir in der Kerckhoff-Klinik über eine hervorragende Infrastruktur, die auch unter erschwerten Bedingungen diese komplexen lebensrettenden Eingriffe ermöglicht."

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Wie Choi erklärt, werden aufgrund der erschwerten Bedingungen und des allgegenwärtigen Infektionsrisikos die Sicherheitsmaßnahmen zusätzlich zu den sonst üblichen Isolationsmaßnahmen verschärft, um diese Hochrisikopatienten in Zeiten von Corona zu transplantieren.

Stefan Guth konnte mit Team trotz der besonderen Umstände einem Patienten eine neue Lunge transplantieren. Im Rahmen des Lungentransplantationsprogramms kooperiert die Kerckhoff-Klinik eng mit dem Universitätsklinikum Gießen/Marburg und ihrem Fachbereich für Pneumologie. Zusammen bilden die beiden Kliniken das mittel-hessische Lungentransplantationszentrum. "Dank der guten Zusammenarbeit aller involvierten Abteilungen wie Anästhesie, Chirurgie, Intensivmedizin, Hygiene und vieler anderer können wir trotz der erforderlichen Covid-Logistik mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen erfolgreich transplantieren", erläutert Guth.

Organspende: Zahlen, Daten, Fakten

Auch die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik leistet seit Jahren Aufklärungsarbeit zum Thema Organspende, unter anderem an Schulen und Universitäten. Laut der Deutschen Stiftung für Organspende (DSO) zeichnet sich trotz der SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland eine erhöhte Bereitschaft zur Organspende ab. Im Januar und im Februar lag die Zahl der Organspender deutlich über der des Vorjahres. Auch in März und April ist es im Vergleich zu 2019 und trotz der Pandemie nicht zu einem deutlichen Rückgang der Organspende in Deutschland gekommen. Damit weicht die Entwicklung von der in vielen anderen europäischen Ländern ab: So wurde zum Beispiel aus Italien von einem Rückgang der Organspende um 30 Prozent, aus Spanien um mehr als 50 Prozent berichtet. Auch in anderen benachbarten Eurotransplant- (ET-)Ländern ist die Organspende tendenziell rückläufig.

In Deutschland werden jährlich rund 300 Herzen transplantiert. Etwa 700 Patienten warten derzeit auf eine Herztransplantation. Krankenhäuser melden jährlich etwa 500 neue Patienten, die ein Spenderherz benötigen.

Die Erfolgsaussichten einer Herztransplantation verbessern sich mit neuen Entwicklungen in der Medizin stetig. Heute schlagen von 100 transplantierten Herzen ein Jahr nach der Operation noch etwa 75. Nach fünf Jahren sind es noch 65.

In Deutschland gibt es jährlich circa 350 Lungentransplantationen. Etwa 300 Patienten warten aktuell auf die Transplantation einer Lunge. Jährlich kommen etwa 400 neue Patienten hinzu. Die Lebendorganspende eines Teils der Lunge ist medizinisch möglich, wird jedoch in Deutschland eher selten durchgeführt. Die Erfolgsaussichten von Lungentransplantationen haben sich in den vergangenen Jahren durch medizinische Entwicklungen deutlich verbessert. Von 100 transplantierten Lungen funktionieren ein Jahr nach der Operation noch 75. Nach fünf Jahren sind es noch mehr als 50 Organe. pm/organspende-info.de

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