Katja Heiderich
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Corona-Auswirkungen

Tourismus in Bad Nauheim: Ein harter Schlag - aber Gründe für Hoffnung

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Bad Nauheim ist auch eine vom Tourismus geprägte Stadt. Wie wirken sich hier die coronabedingten Einschränkungen aus? Die WZ hat mit Stadtmarketing-Chefin Katja Heiderich gesprochen.

Hotels und Restaurants sind aus dem Lockdown erwacht, viele Menschen sehnen den Urlaub herbei. Doch nach wie vor gibt es das Virus - und Einschränkungen. Auch auf den Tourismus in Bad Nauheim wirkt sich Corona aus. Die WZ hat bei Stadtmarketing-Geschäftsführerin Katja Heiderich nachgefragt, wie sie die Lage einschätzt.

»Mit 158 Millionen Euro Bruttoumsatz pro Jahr ist der Tourismus ein Wirtschaftszweig von hoher Bedeutung für Bad Nauheim. 25 Millionen Euro fließen jährlich in den Einzelhandel, 60 Millionen Euro in Dienstleistungen und 74 Millionen Euro in das Gastgewerbe. Hinzu kommen Vorleistungen in Höhe von rund 83 Millionen Euro, die touristische Betriebe einkaufen«, macht Heiderich deutlich. »Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mussten ergriffen werden. Nun fehlt der Großteil dieser Umsätze den Bad Nauheimer Unternehmen.« Die Zahlen stammen aus einer Studie der dwif-Consulting GmbH von 2017 zur touristischen Wertschöpfung in Bad Nauheim.

Faktor Gesundheit Chance für Kurstadt

Kurorte seien schon immer resilienter, sagt Heiderich. Der Grund: Wenn man ein medizinisches Problem habe, dann kümmere man sich eher darum und sei weniger bereit, etwa auf einen Reha-Aufenthalt zu verzichten. Kein Wunder also, dass rund drei Viertel der Übernachtungen in Bad Nauheim auf die Kliniken entfallen. In Corona-Zeiten seien allerdings Operationen ausgesetzt worden, was sich auf Reha-Aufenthalte ausgewirkt habe, gibt die Stadtmarketing-Chefin zu bedenken.

Das Fernbleiben von Touristen hat in einer Stadt wie Bad Nauheim Folgen für Geschäfte, in denen Touristen zu normalen Zeiten Geld ausgeben würden. Heiderich: »Umgekehrt gilt aber auch: Das lokale Angebot macht die Attraktivität Bad Nauheims aus und bedingt, dass Gäste in die Gesundheitsstadt kommen. Wenn Gastgewerbe, Handel und Dienstleister die Krise nicht überleben, verringert sich das touristische Angebot und damit auch die Attraktivität und Aufenthaltsqualität, und das nicht nur für Gäste, sondern auch für Bürger.« Trotz der Probleme, mit denen die Tourismusbranche zu kämpfen hat, hat Heiderich Hoffnung: In vergangenen Krisen habe sich der Tourismus innerhalb Deutschlands oft als stabiler erwiesen als die Auslandsreisen. »Dasselbe gilt für Gesundheitsreisen.« Bad Nauheims Gäste kämen zu einem hohen Prozentsatz aus Deutschland. »Es ergibt sich vielleicht ein Potenzial, nämlich wenn Urlaubsreisen nur im eigenen Land möglich sind oder dort als sicherer empfunden werden. Außerdem bekommt Gesundheit hoffentlich zukünftig einen noch höheren Stellenwert.«

Auch das Stadtmarketing geht erste Schritte der Lockerung mit: So werden unter https://www.bad-nauheim.de/auszeit Angebote präsentiert, die in der Kurstadt wieder möglich sind. Mit den Gästeführungen soll es laut Heiderich Anfang Juni wieder losgehen. Da nicht so viele Gäste wie vor Corona in der Stadt seien, werde das Stadtmarketing die Touren anpassen. »Das wird sicherlich langsam Fahrt aufnehmen.« ARCHIVFOTO: NIC

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