Todesahnung und Melancholie

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Bad Nauheim(pm). Passend zur Jahreszeit präsentieren der Förderverein sinfonische Musik und die Musikschule das sechste und letzte Konzert der Sinfoniekonzertreihe unter dem Motto "Todesahnung und Melancholie". Das Junge Sinfonie-Orchester Wetzlar gastiert unter Leitung von Lukas Rommelspacher mit dem 1. Klavierkonzert in e-Moll, op. 11 von Frédéric Chopin und der 5. Sinfonie, ebenfalls in e-Moll, op 64 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski am Sonntag, 10. November, um 16 Uhr im Jugendstiltheater. Solist am Piano ist ebenfalls Lukas Rommelspacher.

Tschaikowsky und Chopin - sie beide gelten als Meilensteine des klassischen Klavierrepertoires. Beiden Komponisten sagt man eine überdurchschnittlich weibliche Prägung der Persönlichkeit sowie eine starke Neigung zur Melancholie bis hin zur Schwermut nach. Der französisch-polnischen Komponist Chopin gehört zu den berühmtesten Klaviervirtuosen und Komponisten im 19. Jahrhundert. Sein 1. Klavierkonzert vollendete der Komponist im Alter von 20 Jahren. Die Frage, ob Chopin, der fast ausschließlich für das Klavier komponierte, die Orchestrierung seiner Klavierkonzerte selbst vorgenommen hat, ist bis heute nicht geklärt. Er betrachtet die Rolle des Orchesters nur als schmückendes Beiwerk, folgt der formalen Anlage eines Virtuosenkonzertes und stellt das Klavier stets in den Vordergrund.

Das misslungene Werk

Tschaikowsky selbst hielt dessen Klavierkonzert in e-Moll für eine nichtssagende, ideenlose und klischeehafte Komposition mit Längen. Doch auch wenn Tschaikowsky Chopin und seine Musik prinzipiell nicht besonders gut leiden konnte, gab er in einem Brief von 1878 zu, dass seine Kompositionen durch Chopin geprägt wurden. Der deutsche Musikhistoriker Iwan Knorr, der persönliche Bekanntschaft mit Tschaikowski machte, schrieb 1900, dass es Tschaikowsky bereits in sehr jungen Jahren zur Orchestermusik hinzog, weil er sich auf dem Klavier nicht vollständig ausdrücken konnte. Tschaikowskys 5. Sinfonie (1888), auch als "Schicksals-Sinfonie" bekannt, ist ein musikalischer Spiegel einer krisendurchbebten Zeit. Es erklingt das Ringen zwischen düsterer Todesahnung und Lebenshunger. Tschaikowsky, zu dieser Zeit bereits international anerkannter Dirigent und Komponist, befindet sich auf der Höhe seines Erfolgs. Seelisch aber schwankt er zwischen Höhenflügen und tiefer Verzweiflung. Der selbstkritische Künstler selbst bezeichnet die Sinfonie als misslungenes Werk. Doch bis heute zählt die Schicksals-Sinfonie neben der vierten und sechsten Sinfonie zu seinen beliebtesten und meistgespielten Sinfonien.

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