Tierheimmitarbeiterin Renate Mc Gee kümmert sich um den zwölfjährigen Carlos und andere Schützlinge. In Corona-Zeiten melden sich deutlich mehr Bürger, um mit Hunden Gassi zu gehen - für das Team eine willkommene Unterstützung. FOTO: NICI MERZ
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Tierheimmitarbeiterin Renate Mc Gee kümmert sich um den zwölfjährigen Carlos und andere Schützlinge. In Corona-Zeiten melden sich deutlich mehr Bürger, um mit Hunden Gassi zu gehen - für das Team eine willkommene Unterstützung. FOTO: NICI MERZ

Corona-Folgen

Tierheim Wetterau: Einnahmen durch Pensionsgäste fehlen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Ein Haustier kann in Corona-Zeiten gegen Vereinsamung helfen. Medienberichte lassen auf eine besonders große Nachfrage schließen, im Tierheim Wetterau in Rödgen ist davon nichts zu spüren.

Im Tierheim Wetterau geht trotz Corona-Krise alles seinen gewohnten Gang. Von einem Run auf die Betreuungseinrichtung am Rande von Rödgen kann keine Rede sein. "Die Zahl der vermittelten Tiere steigt nicht, vielleicht noch nicht", sagt Heiko Färber, Vorsitzender des Tierheim-Trägervereins. Ohnehin falle die Kreiseinrichtung etwas aus dem üblichen Rahmen, denn hier landeten in der Regel beschlagnahmte oder ausgesetzte Tiere. "Zu uns kommen viele Hunde und Katzen, die keiner haben will", erklärt Färber. Deshalb sei die Vermittlung nicht so einfach, besondere Wünsche bezüglich Geschlecht, Farbe oder Alter könnten oft nicht erfüllt werden. Zudem gelte das Pflegeteam als kritisch, prüfe die Eignung eines potenziellen Halters eingehend.

Mehr Menschen als vor Corona suchten allerdings den Kontakt - zu Mitarbeitern und Tieren. Der Vereinsvorsitzende berichtet von vielen Anrufen. Bürger, die sich angeblich oder tatsächlich mit dem Gedanken tragen, ihr Zuhause mit einem Tier zu teilen, melden sich und bitten um ein Treffen mit einem Pfleger, um über das Thema zu sprechen. Aus Zeitmangel kommen solche Termine in der Regel nicht zustande.

"Hundeleihmodell" wird begrüßt

Begrüßt wird dagegen ein Phänomen, das Färber dem "Hundeleihmodell" zuordnet. "Seit Corona und gerade in Zeiten des Lockdowns melden sich deutlich mehr Bürger, die gerne mit einem Hunde als Begleiter spazieren gehen möchten." Diese Anfragen werden meist positiv beschieden.

Deutlich negativ bemerkbar macht sich ein Trend, der ebenfalls mit der Pandemie zu tun hat. Die Finanzierung des Tierheims ruht auf drei gleichstarken Säulen: Kreiszuschuss, Gemeindezuschüsse und private Zuwendungen. Die dritte Säule wird zurzeit etwas brüchig. "Etwa 40 Prozent der privaten Mittel fließen durch Pensionstiere in unsere Kasse. Diese Einnahmen brauchen wir, um über die Runden zu kommen, sie sind aber radikal zurückgegangen", berichtet der Vereinsvorsitzende. Da die Leute deutlich weniger Urlaub machten, müssten sie ihre Haustiere auch nicht bei einer zuverlässigen Betreuungsstelle abgeben. Färber beziffert das Minus auf rund 40 Prozent.

Was den Arbeitsalltag im Tierheim angeht, haben die Mitarbeiter aus der ersten Welle gelernt. Im Frühjahr wurde die Einrichtung zunächst für Besucher geschlossen und erst am 5. Mai wieder geöffnet - nach vorheriger Anmeldung. Heute gelten die normalen Besuchszeiten, die auch während des Lockdowns Nummer zwei aufrechterhalten werden. "Die Leute rennen uns nicht die Bude ein, deshalb machen Termine keinen Sinn", sagt Färber. Gespräche werden im Freien geführt, in Gebäuden gilt Maskenpflicht.

Auch Tierpfleger sind systemrelevant

Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen die dünne Personaldecke. Auch Tierpfleger zählt zu den systemrelevanten Berufen. "Die Versorgung muss an 365 Tagen im Jahr sichergestellt sein. Es gibt eben Berufe, wo nicht von zu Hause aus gearbeitet werden kann", sagt der Vereinsvorsitzende. Das Tierheim muss mit vier Vollzeitstellen auskommen, von denen seit längerer Zeit nur drei besetzt sind. Hinzu kommen ein Auszubildender und ehrenamtliche Helfer. Angesichts dieser Situation ist an einen Schichtbetrieb, der die Ansteckungsgefahr verringern könnte, nicht zu denken.

Über eine Infektion unter den Angestellten möchte Färber am liebsten gar nicht nachdenken. "Quarantäne gut und schön - hier muss es irgendwie weitergehen." Zurzeit kümmert sich die Belegschaft um etwa 100 Schützlinge - je 20 Hunde und Katzen sowie sehr viele Kleintiere.

"Um eine Ansteckung zu vermeiden, dürften wir eigentlich gar keinen Pfleger mehr rausschicken", betont Färber. Das ist aber nicht machbar: Fundtiere müssen manchmal abgeholt werden, auch wenn es zu einer Sicherstellung kommt, ist ein Mitarbeiter dabei. "Wir wollen trotz allem ein Stück Normalität hinkriegen, können nicht abschließen und uns nur noch um die Tiere kümmern."

Mit Kopfschütteln nimmt der Vorsitzende die Vorgehensweise mancher Behörden zur Kenntnis. Ausgerechnet in der derzeit ohnehin angespannten Situation sei das Tierheim einer peniblen Arbeitsschutz-Kontrolle unterzogen worden. Einige Veränderungen seien angeordnet worden, die Realisierung werde viel Geld kosten. Färber: "Natürlich müssen Kontrollen sein, aber der Zeitpunkt ist vielleicht nicht gerade der richtige."

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