So groß wie drei Fußballfelder ist das Erdkollektorenfeld, das im Wohngebiet Bad Nauheim Süd für die Heizung zuständig ist. Für die Therme wäre eine fast dreimal so große Fläche erforderlich. Eines von mehreren Argumenten, die gegen die Nutzung der Kalten Nahwärme für das Projekt sprechen. ARCHIVBILD: MICHAEL NIKOLAUS
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So groß wie drei Fußballfelder ist das Erdkollektorenfeld, das im Wohngebiet Bad Nauheim Süd für die Heizung zuständig ist. Für die Therme wäre eine fast dreimal so große Fläche erforderlich. Eines von mehreren Argumenten, die gegen die Nutzung der Kalten Nahwärme für das Projekt sprechen. ARCHIVBILD: MICHAEL NIKOLAUS

Keine Kollektoren im Park

Therme Bad Nauheim: Kalte Nahwärme kommt nicht zum Einsatz

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Nein, der Kurpark wird nicht umgegraben. Dieses Szenario, gegen das viele Bad Nauheimer protestiert hätten, ist vom Tisch, weil die neue Therme nicht mit Kalter Nahwärme versorgt wird.

Eine CO2-neutrale Energieversorgung für ein Bauwerk mit hohem Verbrauch - klingt erst einmal sehr verlockend. Das hatte sich auch die CDU-Fraktion gedacht und beantragt, die Versorgung des neuen Thermekomplexes mit Kalter Nahwärme zu prüfen. Beraten wurde am Dienstagabend im Bad Nauheimer Bauausschuss.

Peter Drausnigg, Chef der Bad Nauheimer Stadtwerke, war zur Sitzung erschienen, um die CDU-Initiative aus Expertensicht zu beleuchten. Er unterstrich einmal mehr die Bedeutung des Kalte-Nahwärme-Projekts in Bad Nauheim Süd für die Kurstadt. "Mit dieser Anlagen haben wir ein Zeichen gesetzt", sagte Drausnigg mit Blick auf das deutschlandweit größte Erdkollektorenfeld, mit dessen Hilfe Hunderte von Wohngebäuden klimaneutral mit Wärme (und Kälte) versorgt werden.

Ein Wohngebiet sei allerdings nicht mit dem Gebäudekomplex aus Therme, Hotel und Tiefgarage zu vergleichen. "Für Bad Nauheim Süd reicht ein Kollektorenfeld in der Größe von drei Fußballplätzen, für das neue Thermalbad müsste es dreimal so groß werden, würde etwa 60 000 Quadratmeter umfassen", erläuterte der Stadtwerke-Geschäftsführer. Weiteres Argument: Während für die Heizung der Wohnhäuser im Süden eine Vorlauftemperatur von 35 bis 55 Grad Celsius ausreiche, müssten es für die Therme 75 bis 80 Grad sein. Denkbar sei nur ein Mix aus Kalter Nahwärme und Blockheizkraftwerk. Selbst dann sei der Einsatz der Kalten Nahwärme für die Therme aber unwirtschaftlich. Drausniggs Fazit: "Fehlende Effizienz, der nicht vorhandene Platz für die Technikzentrale und die lange Dauer der Planung machen es schwierig."

Bürgermeister hat schlaflose Nächte

Bürgermeister Klaus Kreß warnte vor einer eingehenden Prüfung des Kalte-Nahwärme-Einsatzes für die Therme. Bei solch einem komplexen Projekt könne nicht noch eine zweite Planung für die Energieversorgung gestemmt werden. Aus gutem Grund sei die Entscheidung für die Kombination aus Blockheizkraftwerk und Photovoltaik gefallen.

Dank des Corona-bedingten Verlustes von Steuereinnahmen und der Notwendigkeit, die Tiefgarage doch aus Steuermitteln und nicht durch einen Investor zu finanzieren, entwickele sich der Haushalt nicht positiv. Zusätzliche Ausgaben für einen solchen Prüfauftrag seien deshalb nicht zu vertreten. Im Vordergrund steht für Kreß allerdings der Zeitfaktor: "Ich habe schon schlaflose Nächte wegen des Therme-Projekts. Wir müssen Ergebnisse liefern, weil die Menschen auf das Thermalbad warten", sagte der Bürgermeister.

Den denkmalgeschützten Kurpark "aufzureißen", um dort Erdkollektoren verlegen zu können, lehnten Georg Küster (SPD) und Bernd Witzel (FW/UWG) in ihren Redebeiträgen ab. "In Bad Nauheim würde es einen Aufstand geben, wenn wir den Kurpark umgraben", sagte Witzel.

CDU-Fraktionschef Manfred Jordis nannte die Gründe, warum die Union eine genaue Prüfung ursprünglich für erforderlich gehalten hatte. Neben der Klimafreundlichkeit der Kalten Nahwärme spiele nicht zuletzt die wirtschaftliche Sicht eine Rolle: "Für alle fossilen Energieträger muss künftig CO2-Steuer bezahlt werden. Das wirkt sich auf das Betriebsergebnis der Therme aus." Die Argumente, die gegen die Kalte Nahwärme für die Therme sprechen, überzeugten letztlich aber auch die CDU - Jordis zog den Antrag zurück.

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