Polizei ermittelt

Teppichbetrüger sind wieder in der Wetterau aktiv

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Viele Betrüger wenden altbekannte Maschen immer wieder an. Das gilt auch für Ganoven im Geschäft mit Orientteppichen. In der Wetterau betrügen sie Kunden und bedrohen Konkurrenten.

Bei Dr. Gero Scholz in der Bad Nauheimer Jahnstraße klingelt es. Vor der Tür steht ein Mann, mit dem es zuvor Telefonkontakt gab. Scholz möchte zwei turkmenische Teppiche verkaufen. "Ich habe auf den Flyer der Firma reagiert", sagt der Bad Nauheimer. Der Gesprächspartner wirkt seriös, kennt sich gut mit Orientteppichen aus. "Der freundliche Herr hatte eine Liste mit Quadratmeterpreisen für jede Teppichart auf dem Handy und machte ein Angebot, das einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert." Angesichts des Preises von 10 000 Euro, den der Händler bei einer Messe für die Teppiche erzielen will, wird Scholz misstrauisch. Er hatte den Wert auf ein Zehntel geschätzt.

Dann kommt der Haken. Um die Teppiche verkaufen zu können, sei eine Reinigung erforderlich, Fransen sollten erneuert, der Rand müsse gekettelt werden. Kostenpunkt: gut 1000 Euro. Wie Scholz vermutet, wäre der Preis noch höher ausgefallen, der Verkauf geplatzt. Er verlangt ein schriftliches Angebot, das ihm nie zugeschickt wird. Der Teppichexperte tritt den Rückzug an. "Ich habe im Internet recherchiert. Unter der angegebenen Adresse in Karben existiert die Firma nicht. Daraufhin habe ich Anzeige erstattet", berichtet Scholz.

Eine "Galerie Peter" – so der angebliche Name des Betriebs – konnte auch die Polizei in Karben nicht finden. Sie ermittelt wegen Betrugsverdachts. Nach Angaben von Pressesprecherin Sylvia Frech haben sich einige Bürger aus der Wetterau gemeldet, die mit dem Teppichhändler in Kontakt standen. Grund ist der Flyer, der im Kreisgebiet und im Raum Gießen gestreut wurde. Erfahrungsgemäß versuchen die Ganoven, den Reinigungs- und Reparaturpreis mündlich zu vereinbaren und später eine deutlich höhere Rechnung zu präsentieren. Ältere Menschen würden eingeschüchtert. Zudem lasse die Qualität viele Wünsche offen.

Von Konkurrenten bedroht

Der Betrug ist aber nicht so einfach nachzuweisen. "Oft kommt gar kein Geschäft zustande, weil die Händler frühzeitig rausgeschmissen werden. Wird ein Teppich gereinigt oder repariert, muss bewiesen werden, dass der Preis überhöht ist", sagt Frech. Sie empfiehlt, sich prinzipiell nicht auf Haustür-Geschäfte einzulassen oder auf Werbe-Flugblätter zu reagieren. "Es sollte im Internet oder vor Ort kontrolliert werden, ob das Unternehmen tatsächlich existiert."

Er komme vorbei und mache mich kalt, hat mir jemand am Telefon erklärt.

Teppichhändler Jalil Saemin

Seriöse Firmen, die auf dem Gebiet der Orientteppiche tätig sind, haben es schwer. Ein Beispiel ist Jalil Saemin, der in der Bad Nauheimer Friedrichstraße zehn Jahre lang seine Afshari-Teppichwerkstatt betrieben hat. Der Geschäftsmann hatte nicht nur mit dem schlechten Ruf der Branche und misstrauischen Kunden zu kämpfen, sondern wurde von der betrügerischen Konkurrenz auch massiv bedroht. Immer wieder wurde er kontaktiert, die Ganoven schlugen ihm eine "Kooperation" vor, forderten ihn auf, Werbeaktivitäten einzustellen. Saemin sollte als Subunternehmer arbeiten – und sich mit ein paar Euro abspeisen lassen. Da der Geschäftsmann nie akzeptierte, wurde er bedroht. "Er komme vorbei und mache mich kalt, hat mir jemand am Telefon erklärt. Meine Mutter wurde beschimpft", hatte Saemin der WZ vor geraumer Zeit berichtet.

So funktioniert eine seriöse Teppichreinigung

Er kennt einige Bad Nauheimer, die Opfer von Betrügern wurden. Etwa die Dame, die für eine Teppichreinigung einen Preis von 700 Euro vereinbart hatte, dann aber 2000 Euro zahlen sollte. Oder den Mann, der ihm einen "wunderschönen Perserteppich" zeigte, eine offensichtliche Fälschung. Das galt auch für den teuren "Seidenteppich", den sich ein Kunde andrehen ließ, das Stück war aber aus Kunstseide hergestellt. Über die schlechte Reinigungsqualität wunderte sich der Fachmann nicht. Er arbeitete mit einem Bekannten zusammen, der eine riesige Halle hatte. Eine fachgerechte Teppichwäsche ist nämlich sehr aufwendig, große Maschinen zum Pressen und Schleudern sind nötig.

Vor nicht allzu langer Zeit hat Saemin seinen Laden in der Friedrichstraße aufgegeben. Vielleicht ist auch er ein Opfer der Betrüger geworden, hat ein seriöses und trotzdem einkömmliches Arbeiten in dieser Branche nicht mehr für möglich gehalten.

Info

Hilfe von Gutachtern

Wer den Wert eines Orientteppichs ermitteln oder die Kosten einer Reparatur erfahren möchte, kann sich an Gutachter wenden. Auch für die Teppichbranche gibt es von der IHK anerkannte Sachverständige. Eine mündliche Beurteilung kostet etwa 60 Euro, für eine schriftliche Expertise werden mindestens 200 Euro fällig. Als Gutachter tätig sind beispielsweise Klaus Täubert aus Pohlheim bei Gießen (www.teppichgutachten.net) oder Peter Mauch aus Frankfurt, der unter der E-Mail-Adresse orim-peter-mauch@t-online.de erreichbar ist.

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