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Tempo 30 beschlossen

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Dieses Schild wird in der Kernstadt künftig oft zu sehen sein.
Dieses Schild wird in der Kernstadt künftig oft zu sehen sein. © DPA Deutsche Presseagentur

Bad Nauheim (bk). Die Bad Nauheimer Grünen haben Grund zum Feiern. 25 Jahre, nachdem sich das Stadtparlament erstmals für flächenhaftes Tempo 30 in der Kurstadt entschieden hatte, ist es jetzt tatsächlich so weit. Wann der Beschluss vom Donnerstagabend umgesetzt wird, ist noch offen.

Bei der Debatte in der Trinkkuranlage war die Luft raus. Im letzten Vierteljahrhundert hatten sich Befürworter und Gegner einer solchen Geschwindigkeitsbeschränkung oft beharkt, jetzt war niemand mehr an Streit interessiert. Die FW/UWG-Fraktion, die als einzige gegen den Antrag der Grünen zur Einführung von flächenhaftem Tempo 30 votierte, ergriff gar nicht das Wort.

Die Grünen hatten in den zurückliegenden Jahren dicke Bretter gebohrt, hatten schließlich erreicht, dass Tempo 30 zum Bestandteil des Verkehrsentwicklungsplans wurde, und durften sich jetzt über einen politischen Erfolg freuen. Sprecher Dr. Martin Düvel stellte den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund: »Läuft ein Kind über die Straße, und ein Auto, das mit Tempo 30 unterwegs ist, wird abgebremst, steht es kurz vor dem Fußgänger. Fährt jemand 50, ist die Reaktionszeit zu kurz, das Kind wird erfasst, 20 Meter durch die Luft geschleudert und hat eine Überlebenschance von nur 20 Prozent.«

FDP will Straßen gestalten

In der Kernstadt verschwinde endlich der »Flickenteppich« mit seinem ständigen Wechsel von 50 und 30 km/h. Die Bürger genössen im Verkehr bald denselben Sicherheitsstandard wie Bewohner der Stadtteile. Nebeneffekte des Beschlusses sind laut Düvel eine Verbesserung der Wohn- und der Luftqualität.

Außer dem Grünen-Stadtverordneten meldete sich nur Benjamin Pizarro (FDP) zu Wort. Er begründete, warum sich seine Fraktion bei der Abstimmung enthalte. Gegen Tempo 30 sei im Prinzip nichts einzuwenden, Schilder aufzustellen reiche aber nicht aus. Als Beispiel nannte er die Salinenstraße in Schwalheim: »Dort würde trotz Tempo 30 noch heute gerast, wenn die Einführung nicht durch Baumbepflanzung und das Markieren von Parkplätzen auf beiden Straßenseiten flankiert worden wäre.« In anderen Teilen der Stadt, etwa in Nieder-Mörlen, habe man auf solche Gestaltungsmöglichkeiten verzichtet. »Dort wird Tempo 30 nicht ernstgenommen. Bei der Umsetzung des Beschlusses muss die Verwaltung nach Ansicht des FDP-Fraktionschefs darauf achten, dass der Verkehr fließen kann. Sonst werde die Schadstoffbelastung der Luft nicht abnehmen. Schließlich votierten 21 Stadtverordnete für den Antrag, es gab 11 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen.

Trotz der flächenhaften Geschwindigkeitsreduzierung in der gesamten Kernstadt wird es eine Art »Flickenteppich« geben, einen Mix aus Tempo-30-Zonen und -Bereichen. In den Zonen gilt die Rechts-vor-links-Vorschrift, in den Bereichen wird die Vorfahrt durch Schilder oder Ampelanlagen geregelt. Zu diesen Bereichen zählen folgende Straßen ganz oder teilweise: Mittelstraße, Karlstraße, Ernst-Ludwig-Ring, Parkstraße, Ludwigstraße, Bahnhofsallee und Eleonorenring. Nur auf Hauptdurchgangsstraßen, etwa Schwalheimer, Frankfurter und Friedberger Straße, darf weiter mit 50 km/h gefahren werden. Steingasse, Rosbacher Straße und ein Stück der Hochwaldstraße sind weitere Ausnahmen. Dort gilt Tempo 40.

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