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Genügend Platz für fünf Mehrfamilienhäuser und ein Bürogebäude bietet das frühere Grundstück der Firma Etimark. Ob der Investor seine Pläne umsetzt, ist nach der Entscheidung des Bauausschusses allerdings sehr fraglich.

Mietwohnungen mit Preisbindung?

Bad Nauheim: Kein Freibrief für Immobilien-Investor

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Investoren, die in Bad Nauheim Eigentumswohnungen bauen, bläst ein schärferer Wind ins Gesicht. Politiker verlangen, auch günstigen Mietwohnraum zu schaffen. Scheitert ein Projekt am Taubenbaum?

Die Bach-Unternehmensgruppe mit Sitz im Gewerbeband Frankfurter Landstraße ist auf dem Bad Nauheimer Immobilienmarkt eine bekannte Größe. Zuletzt realisierte die von Peter Bach geleitete Firma Dexturis 41 Eigentumswohnungen in der Dieselstraße. Weil die Nachfrage nach Wohnraum in der Kurstadt weiter hoch ist, will er sein nächstes großes Bauvorhaben in Angriff nehmen: 50 Eigentumswohnungen plus Bürogebäude im Gewerbegebiet "Am Taubenbaum". Nach der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ist unklar, ob es dabei bleibt.

Eine Mehrheit des Parlaments hat sich seit einiger Zeit die Förderung bezahlbaren Wohnraums auf die Fahnen geschrieben. Das gilt auch für Projekte von Privatinvestoren. So soll der Eigentümer des Bahnhofs bei der Bebauung des nördlich gelegenen Grundstücks 15 Prozent der Wohnungen fünf Jahre lang für eine Kaltmiete von 8,50 Euro vergeben, weitere fünf Jahre dürfen nicht mehr als 10 Euro pro Quadratmeter verlangt werden.

Noch restriktiver ging der Bauausschuss im Fall des Taubenbaums vor. Der südliche Teil dieser Gewerbefläche soll mittelfristig in ein Mischgebiet verwandelt werden. Die Parkside Plaza GmbH & Co KG, so der Name der neusten Bach-Firma, hat dort ein knapp 7000 Quadratmeter großes Areal erworben, auf dem bis vor kurzem das Unternehmen Etimark mit 60 Mitarbeitern tätig war. Um erweitern zu können, war der Betrieb nach Florstadt umgesiedelt. Die Bach-Gruppe plant auf dem Grundstück sechs Gebäude, in fünf sind 50 Eigentumswohnungen vorgesehen. Die Stadt hofft laut Bürgermeister Klaus Kreß, dort einen neuen Kindergarten unterbringen zu können.

Mietwohnungen mit Preisbindung?

Gleich zu Beginn der Debatte über die Änderung des Bebauungsplans "Am Taubenbaum" zeichnete sich eine kritische Herangehensweise an die Vorlage des Magistrats ab. "Wir wollen B-Plänen ohne bezahlbaren Wohnraum nicht mehr zustimmen", sagte FDP-Fraktionschef Benjamin Pizarro. Eine Aussage, die SPD-Sprecher Georg Küster konkretisierte.

Eigentlich habe seine Fraktion sozialen Wohnungsbau fordern wollen, dafür aber keine Mehrheit gesehen. Deshalb beantragte die SPD, dass 15 Prozent der Wohnungen 15 Jahre lang für ein Kaltmiete von höchstens 8,50 Euro vergeben werden sollen. FDP, Grüne und Union signalisierten ihre Zustimmung. "Gerade weil es keine 1a-Lage ist und die Grundstückspreise nicht so hoch sind, sollte das machbar sein", sagte CDU-Fraktionschef Manfred Jordis. Für den Investor werde es sich trotzdem rechnen, ist Dr. Mathias Müller (Grüne) überzeugt.

Eine abweichende Meinung vertrat die UWG. Bei den heutigen Bau- und Grundstückspreisen sei diese Idee nicht realistisch, meinte Bernd Witzel. Die anderen Fraktionen wollten einen Investor "enteignen". Markus Theis, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, schlug als Kompromiss eine fünfjährige Mietpreisbindung vor.

Dem schloss sich die Mehrheit nicht an, der Ausschuss folgte vielmehr mit 7:3-Stimmen dem SPD-Antrag. Daran änderten kritische Bemerkungen aus Magistrat und Verwaltung nichts. Fachbereichsleiter Jürgen Patscha kündigte sehr schwierige Verhandlungen mit Bach an. Weiter ging Bürgermeister Klaus Kreß: "Wir wollen Investoren haben und werden für das Projekt kämpfen. Ich bin aber sehr, sehr skeptisch, halte es für unwahrscheinlich, diese Forderung durchsetzen zu können." In Bad Nauheim explodierten die Grundstückspreise. Vermutlich werde das Projekt an einem anderen Ort verwirklicht. "Schade", meinte der Rathauschef.

Damit könnte Kreß Recht behalten. Wie Peter Bach kurz nach der Entscheidung auf Anfrage erklärte, sei er von dem Beschluss "nicht begeistert". Die Kalkulation seiner Firma sei unter anderen Voraussetzungen erfolgt, die denen des Bauvorhabens in der Dieselstraße ähnelten. Dort hatte Bach 41 Wohnungen errichtet und verkauft. Mietwohnungen, noch dazu mit Preisbindung, gibt es nicht. "Mit dem Beschluss ist das Ganze wirtschaftlich nicht darstellbar, lässt sich nicht rechnen", betonte der Unternehmer. Schließlich habe er für das Grundstück viel Geld bezahlt. Der Investor will über mögliche Konsequenzen nachdenken und dann Gespräche mit der Stadt aufnehmen.

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