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Neues Wohngebiet am Bad Nauheimer "Goldstein"

Stück für Stück verwandelt sich Dieselstraße zum Wohngebiet

  • vonPetra Ihm-Fahle
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"Das Gebiet hinter der Bahn": Niemand nennt die Dieselstraße in Bad Nauheim mehr so. Vor zehn Jahren war das noch anders. Aus einem brachliegende Gewerbegebiet wurde ein Wohnquartier.

Eine Seniorin steht vor einem Mehrfamilienhaus in der Dieselstraße. "Ja, ich wohne hier", bestätigt sie. Der neu gebaute Block grenzt an ältere Bauwerke, unter anderem an das ehemalige Inconso-Hochhaus, das der Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) gehört. "Wir sind hier in der Dieselstraße sehr zufrieden", sagt die Seniorin. Sie und ihr Mann hätten die Wohnung von einem privaten Träger gekauft. Sieben neue zwei- und dreistöckige Blocks, die daneben liegen, seien dagegen Mietobjekte.

Diese Wohnungen und Penthäuser gehören ebenfalls der Wobau und liegen auf früherem Werksgelände der Reifenfirma Vergölst. Einiges ist noch zu haben, wie ein Schild verrät, obwohl die Wobau schon seit Anfang des Jahres vermarktet. "Das liegt daran, dass die Mieten sehr hoch sind", will die Seniorin gehört haben. Die Wobau sieht das freilich anders (siehe Kurz-Interview). 11,70 Euro kalt kostet der Quadratmeter.

Das Ende der Dieselstraße krönt ein weiterer schicker Wohnkomplex mit acht Mehrfamilienhäusern, die die Hausnummer 22 tragen. Die Bauten sind zwei- bis dreistöckig, haben Balkone, einige sind mit großen Terrassen und teilweise mit Penthäusern ausgestattet. Ein Herr öffnet die Balkontür. Wie er erzählt, wohnt er schon seit eineinhalb Jahren hier. Bei einer jungen Familienmutter sind es zwei Jahre: "Als das ganz neu war, sind wir gleich eingezogen", sagt sie, bevor sie am Spielplatz stehen bleibt. Dort unterhält sie sich mit einer anderen Mutter. Von einigen der neuen Häuser können die Bewohner direkt auf das Areal einer ehemaligen Werkstatt schauen, wo gerade die Bagger unterwegs sind. Auf diesem Areal soll ein Ensemble des Projektentwicklers Bien-Ries entstehen, mit fünf zwei- bis vierstöckigen Mehrfamilienhäusern. Die Größen der 79 Eigentumswohnungen reichen laut einer Pressemitteilung von einem bis zu vier Zimmern. Alle Wohnungen würden mit Balkon, Terrasse oder Privatgarten ausgestattet, geplant sei eine Fertigstellung bis 2022.

Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung im Rathaus, ist zufrieden mit dem Fortgang in der Dieselstraße: "Wir haben einen Bebauungsplan für ein Gebiet gemacht, das nicht mehr viel Wert und Verwertbarkeit hatte. Man hatte das Gefühl, dass Flächen dort ungenutzt herumliegen." Zwei Nutzungen - die Spedition und Vergölst - habe er in das Gewerbegebiet Frankfurter Landstraße verlagern können.

Ideale Lage für junge Familien

Damit habe die Stadt Flächen freibekommen und den Startschuss für eine neue Entwicklung gegeben. "Es ist ein attraktiver Wohnbereich geworden, der jetzt zur Innenstadt dazugehört", freut sich Patscha. Keine 1a-Super-Lage, aber ein ansprechendes Wohnviertel. "Vielleicht für Familien, die sich die erste Eigentumswohnung leisten."

Ziel der Stadt sei gewesen, ein Gebiet mit Geschosswohnungsbau als Erweiterung für die Einfamilienhäuser im Goldstein zu entwickeln. Den B-Plan habe die Verwaltung gemeinsam mit den Eigentümern "harmonisch erarbeitet", denn die Stadt habe dort kein Eigentum gehabt. "Wir hatten viele Sitzungen, es dürften 15 gewesen sein. Den B-Plan haben wir so aufgestellt, dass die Eigentümer etwas davon hatten und die Stadt diese Entwicklungschance hatte."

Am Ende sollen Patschas Worten zufolge insgesamt 300 Wohnungen in der Dieselstraße entstanden sein. Wenn Bien-Ries fertig ist, seien es bereits 180 bis 190 Wohneinheiten. Patscha: "Es ist eine Geschichte, die nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Langfristigkeit basiert. Es zeigt sehr schön, wie aus einem brachliegenden Gewerbegebiet Stück für Stück ein attraktiver Wohnstandort wird." Die Seniorin mit der Eigentumswohnung bestätigt das: "Es ist eine sehr zentrale Lage, mit den Supermärkten vor der Haustür. Ich laufe 20 Minuten, bis ich im Zentrum bin - das ist von der Anbindung her ganz in Ordnung."

Drei Fragen an Raimund Bell von der Wobau Bad Nauheim

Wie viele Wohnungen bietet die Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft in der Dieselstraße an?

Die Gesellschaft hat auf dem Grundstück in der Dieselstraße in sieben Mehrfamilien-Wohngebäuden 55 Wohnungen und zwei Tiefgaragen errichtet. Die Wohnungen sind zwischen 60 und 130 Quadratmeter groß. Der Schwerpunkt liegt auf Drei-Zimmer-Wohnungen. Alle Wohnungen haben Tageslichtbad, Balkon/Terrasse und sind barrierefrei über einen Personenaufzug im Haus zu erreichen.

Wann haben Sie mit der Vermarktung begonnen? Zu welchem Preis bieten Sie die Wohnungen an?

Die ersten Wohnungen wurden im Februar 2020 fertiggestellt und vermietet. Die Fertigstellung der letzten Wohnungen im Gebäude erfolgte jetzt. Die Fertigstellung und Bepflanzung der Außenanlage folgen abschließend im Herbst. Der aufgerufene Mietpreis entspricht dem üblichen Mietpreis für Neubauwohnungen in vergleichbarer Lage und Ausstattung in Bad Nauheim.

Wieso stehen dort noch Wohnungen frei? Sind sie "zu teuer", wie eine Anwohnerin meint?

Wir sind sehr zufrieden, wie sich die Vermarktung darstellt. Einige wenige 3- und 4-Zimmer-Wohnungen (10 Prozent der Gesamtanlage) sind noch frei. Zahlreiche Anfragen von Wohnungsinteressenten erreichen uns, nahezu täglich erfolgen Wohnungsbesichtigungen. Wir gehen von einer hundertprozentigen Vermietung in naher Zukunft aus.

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