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Ein Stück faire Welt in Bad Nauheim

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Von: Corinna Weigelt

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Agnes Römer und Andrea Schumann (»Bad Nauheim fair wandeln«) betreiben seit vier Jahren ihren Weltladen in den Kolonnaden. Am Samstag wird Geburtstag gefeiert.

Welche Ziele hatte der Verein von Anfang an angestrebt?

Agnes Römer : Wir möchten mit unserem Verein und dem Weltladen den fairen Handel in der Region bekannter machen.

Andrea Schumann : Zudem wollen wir durch den Verkauf fair gehandelter Produkte die Lebensbedingungen der Produzenten in den südlichen Ländern verbessern.

Welche Pläne konnten bislang in vier Jahren realisiert werden?

Römer: Mit zahlreichen Vorträgen und Informationsveranstaltungen konnten wir das Thema »fairer Handel« den Menschen in der Region näherbringen. Wir unterstützen weiterhin Projektpartner des fairen Handels und engagieren uns in der Bildungsarbeit. Und mit all den Produkten bringen wir ein Stück faire Welt nach Bad Nauheim.

Inwieweit ist der lokale Handel vom globalen Denken geprägt?

Schumann: Die Globalisierung – und damit das globale Denken – sorgt unter anderem dafür, dass der Verbraucher seine Produktwünsche unverzüglich erfüllt haben möchte – und das so günstig wie möglich. Koste es, was es wolle, für den Menschen, der es herstellt. Dies steht im krassen Gegensatz zur Fair-trade-Philosophie. Unsere Produkte sind handgefertigt, die Produktion von Lebensmitteln ist abhängig von Umwelteinflüssen und der Ernte.

Da ist nicht alles immer verfügbar, aber das macht die Produkte auch besonders und zuweilen einzigartig. Soziale, ökologische und ökonomische Aspekte werden nie aus den Augen verloren.

Überschüsse, die im Weltladen erzielt werden, fließen in Partnerprojekte. Welche Projekte konnten hier bereits unterstützt werden?

Römer: Die Überschüsse fließen zum Beispiel an die Frauenkooperative Aprolma aus Honduras, von der die Bohnen für den Bad Nauheimer Stadtkaffee stammen. Der Organisation New Sadle in Nepal haben wir nach dem Erdbeben beim Wiederaufbau helfen können; den Kleinbauern von »FairTrade Lebanon« konnten wir den Kauf weiterer Weinstöcke ermöglichen, um nur einige Projekte zu nennen.

Wie werden diese Partnerprojekte ausgewählt? Die Kontakte aufgebaut?

Römer: Die Produzentenbesuche werden oft von unseren Lieferanten wie etwa El Puente organisiert, anderes ergibt sich durch Netzwerke oder eigene Recherchen.

Welche gesellschaftlichen Probleme sehen Sie sowohl für unser Land als auch für ärmere Gebiete der Erde?

Schumann: Solange Geldgier und Machtbesessenheit vor Menschlichkeit stehen, ist diese Frage schwer zu beantworten. Zumal diese Philosophie von oben gelebt und gefördert wird. Weltweite faire Arbeitsbedingungen, Förderung einer nachhaltigen Biolandwirtschaft und eine solidarische Gesellschaft wären schon mal ein Anfang.

Wie sieht das Angebot des Weltladens aus?

Schumann: Nasch- und Kaffeeliebhaber kommen genauso auf ihre Kosten wie Kunden, die Kunsthandwerk, Schmuck, Lederwaren, Musikinstrumente oder Papeterieartikel suchen. Das Angebot wechselt sehr häufig, damit unsere Kunden immer wieder einen Grund haben, uns zu besuchen.

Trinken Bad Nauheimer gerne den Stadtkaffee?

Römer: Der Bad Nauheimer Stadtkaffee ist von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Eben eine köstliche faire Verführung.

Der Weltladen ist aber auch ein Lernort....

Schumann: Stimmt. Zum einen für uns ehrenamtliche Mitarbeiter, denn Produkt- und Projektkenntnisse sind Voraussetzung für gute Kundenberatung. Das Bildungsteam bietet zudem regionalen Schulen, Kindergärten oder anderen Interessenten ein abwechslungsreiches Bildungsangebot.

Gibt es besondere Angebote in den kommenden Wochen?

Römer: Mit unserer nächsten Veranstaltung fördern wir ein Frauenprojekt in Bangladesh. Vortrag und Eröffnung einer Fotoausstellung finden am 10. Juni um 14 Uhr im Weltladen statt.

Heute gibt’s Kaffee und Kuchen

Ende 2012 wurde »Bad Nauheim – fair wandeln« gegründet. Mit Unterstützung des ökumenischen Eine-Welt-Kreises, der sich für fairen Handel einsetzt, fand sich in kurzer Zeit eine Gruppe Ehrenamtlicher, die nach nur fünf Monaten, am 2. Mai 2013, den Weltladen in den Kolonnaden 15 eröffneten – mit Unterstützung der Stadt, des Freiwilligenzentrums, des Weltladen-Dachverbands, der Fair-Handels-Beratung Hessen und vieler Sponsoren. Am Samstag feiert der Weltladen seinen vierten Geburtstag. Verkauft werden Kaffee und Kuchen; der Erlös kommt der Frauenkooperative Honduras zugute, die die Bohnen für den Bad Nauheimer Stadtkaffee liefert. »Bad Nauheim – fair wandeln« würde sich über neue Mitglieder freuen. Derzeit sind 35 für den Verein tätig. (cor)

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